Irmgard Keun - Das Mädchen,mit dem die Kinder nicht verkehren durften

===Buchdaten===


Autor: Irmgard Keun

Titel: Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften
Originaltitel: -
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1984
ISBN-13: 978-3546000277
Seiten: 189
Einband: TB
Kosten: ab 3,00€ bei Amazon
Serie: -

===Eigene Inhaltsangabe===
Ein Schulmädchen, erzählt über Begebenheiten aus ihrer Schulzeit 1918. Das Mädchen, welches ihren Namen nicht verrät, weiß gar nicht, warum sie in der Schule einen Tadel nach dem anderen erhält. Auch daheim verursacht das Kind so manchen großen Krach. Auf Grund der Streiche, Ideen und Ehrlichkeiten des Mädchens dürfen viele Kinder nicht mit ihm verkehren. Doch nicht nur als zehnjährige erlebt sie so manches, sondern man erfährt viel buntes über Jahre verteilt.

Da wäre der Tod ihrer Direktorin und der nicht verstandene Tadel, nur weil sie nach der Todesursache fragt und dabei nicht in Tränen ausbricht. Oder der Brief an den Kaiser, der ihren Vater nur Ärger bringt, da sie kindlich, ehrlich und naiv über den Krieg berichtet. In anderen Geschichten ist sie Bandenmitglied, färbt ihre Erzfeindin komplett blau ein, bekommt ein Brüderchen, klebt die Tapeten in der alten Wohnung mit Abziehbildern voll oder schmeißt mit ihrem Vater Wasserbomben aus dem Fenster




===Meine Meinung===
Das Cover fand ich sehr ansprechend. Ein brav wirkendes Mädchen, dass spitzbübisch lächelt. Es passt zu dem Titel und lässt auf spannende Geschichten hoffen.

Der Einstieg in die Geschichte geht sehr schnell von statten. Das kleine Mädchen wird so farbenfroh, authentisch und frech geschildert, wodurch ich sie schon nach einigen Sätzen ins Herz geschlossen hatte. Leider wird am Anfang nicht deutlich, in welcher Zeit diese Geschichten spielen und wie alt das Mädchen ist. Erst im Verlauf des Buches klären sich diese Fragen und man merkt, dass es sich in der Zeit des ersten Weltkrieges abspielt.

Das Buch ist in mehrere Geschichten unterteilt, welche vorne auch im Inhaltsverzeichnis übersichtlich vorgestellt werden. Die Überschriften passen zum Inhalt, sodass ein kleine Richtungsweisung vorhanden ist. Jedes Kapitel geht um die 20 Seiten und beinhaltet ein Hauptthema und mehrere lustige Nebenthemen. Die Streiche und Ärgernisse, welche sie ausheckt oder auch versehentlich begeht sind in der Regel sehr lustig und haben mich als Leser äußert amüsiert. Dabei beschreibt die Autorin alles aus Sicht des jungen Mädchens und man erkennt deutlich die Naivität, welche dahinter steckt. Dabei versucht sie lediglich die Welt der Erwachsenen zu verstehen. Auch wenn es schon recht alt ist, ist der Grundgedanke immer noch der Gleiche. Beim Lesen hatte ich stellenweise das Gefühl, das ich „Madita“ von Astrid Lindgren lese.

Der Schreibstil ist erfrischend, aber veraltet. Man merkt deutlich bei einigen Wörten oder Sätzen, dass es schon älter. Dadurch wirken aber die Charaktere einfach authentischer. Die Cousine meines Stiefsohnes, 9 Jahre, hat das Buch abends etwas gelesen und war begeistert. Dementsprechend haben auch junge Leser keine Probleme mit der Sprache, wie man vielleicht annehmen könnte.

Wenn man die Zeitspanne mit den Autorendaten vergleicht, wird schnell klar, dass die Autorin sich selbst beschreibt und somit genau weiß, wovon sie schreibt.

Nachdem ich mich erstmal in die Zeit und das Mädchen hineinversetzt hatte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe es in zwei Stunden durch gelesen. An vielen Stellen konnte ich schmunzeln, lachen oder sogar Lachtränen vergießen. Wie man merkt, sind es zwei heitere Stunden gewesen.

Empfehlen kann ich das Buch jedem. Wer gerne Astrid Lindgren liest, seinen Kindern eine Freude machen will oder selbst ein schönes Buch lesen will, sollte es sich holen. Auch wenn man es schon antiquarisch bezeichnen kann.

===Bewertung===
Das Buch ist zwar alt, aber für mich ein absolutes Highlight, welches fünf Sterne verdient. Realistisch, lustig und doch nachdenklich wird die Sichtweise eines Kindes um 1918 beschrieben. Ich bin froh, dass ich durch den Kauf auf diese Rarität aufmerksam geworden bin.