Anita Hintz - Lebenswege



===Buchdaten===
Autor: Anita Hintz
Titel: Lebenswege
Untertitel: Kurzgeschichten rund um das Leben
Verlag: BoD
Erschienen: 2010
ISBN-13: 978-3839181393
Seiten: 104
Einband: TB
Kosten: 7,90€
Genre: Jugendbuch
Alter: ab 14
Serie: -


===Eigene Inhaltsangabe===
Das Buch beinhaltet zwölf Kurzgeschichten, die sich um alltägliche Punkte von Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen drehen.

  • Das Erbe - Eine Frau erbt ihr Elternhaus und zieht mit ihrer Familie in das Haus. Zum ersten Mal spricht sie über ihre verstorbene Schwester. Doch war wirklich ihre Schwester die Bosheit in Person?
  • Ein kleiner Kerl ganz groß - In die Schule gehen macht keinen Spaß, wenn man immer geärgert wird. Sein einziger Freund, ist der schrullige, alte Nachbar. Als der Anführer seiner Tyrannen ihn zu einer Mutprobe auffordert, nimmt er diese nur zu gern an.
  • Was ist los mit Juliana? - Die neue Freundin ihres Sohnes ist gerade zu ihnen gezogen. Sie ist total still und kommt kaum aus dem gemeinsamen Zimmer. Durch einen Zufall erfährt die Mutter den wahren Grund für ihr Verhalten.
  • „Fahrausweise bitte!“ - Ein Jugendlicher, dessen Eltern Hartz IV bekommen, und dessen Vater gewalttätig ist, zeigt, dass Kinder sich dem Verhalten der Eltern anpassen, als er ohne Fahrschein erwischt wird.
  • Bis dass der Tod uns scheidet – Sie heiratet jung, gibt ihre Ausbildung auf und hinterfragt keinen seiner Wünsche. Erst nach einigen Jahren fängt sie an zu fragen und merkt schnell, dass dies gefährlich für sie ist.
  • Reiner Zufall - Rainer Zufall so nennt man sein Kind doch nicht. Nach Jahren voller Spott und Schikanen ist er heilfroh, als er seine Frau kennenlernt und er mit der Hochzeit den Namen Silie annehmen kann. Als dann ein Kind unterwegs ist, willigt er ein, als seine Frau allein den Namen aussuchen will.
  • Die alte Taubenfrau - Endlich Ruhe haben, dass ist sein einziger Wunsch. Wäre nicht die Nachbarin gegenüber mit ihren nervigen Tauben. Immer nimmt er sich vor, ihr die Meinung zu sagen, aber er kommt immer nur bis zu ihrer Tür. Als sie jedoch eines Tages nicht mehr die Tauben füttert, merkt er, wie sehr sie ihm doch fehlt.
  • Nadine - Als Ärztin auf einer Kinderstation ist sie immer froh, wenn sie mal einen Tag frei hat. An einem solchen Tag wird sie im Park von Nadine angesprochen. Ihre Mutter ist mit einem anderen Mann weg und ihr Vater kümmert sich lieber um den Alkohol. Trotzdem bringt sie das Kind zurück.
  • Verlorene Routine - Immer pünktlich verlässt er das Büro. Ausgerechnet heute klemmt das Tor und er verpasst den Bus. Wie es der Zufall will, wird ausgerechnet der Bus in den er nun einsteigt überfallen.
  • Dumm gelaufen - Es sollte ein gut geplanter Einbruch werden. Alles wird von den Jugendlichen bis ins Detail geplant, aber Pläne funktionieren bekanntlich nie ohne Probleme.
  • Rojan und der alte Mann - Ihre Mutter weckt sie mitten in der Nacht. Sie müssen fliehen vor dem Krieg. Auf dem Weg zur rettenden Grenze müssen ihre Kinderaugen den Tod eines anderen kleinen Jungen mitansehen, und kurz vor der Grenze kommt es zum Fliegerangriff.
  • Achtlos weggeworfen - Drei Jugendliche aus unterschiedlichen Verhältnissen besaufen sich. Als einer der drei Jungen mit Geld für den Jahrmarkt ankommt, kommt nur der Jüngste nicht mit. Am nächsten Tag müssen alle aufs Revier, denn ein Mord ist geschehen.

===Meine Meinung===
„Lebenswege“ ist eine Lektüre mit 12 Kurgeschichten der Autorin Anita Hintz. Das Cover stellt eine asphaltierte Straßenkreuzung dar, die einen landschaftlich, schönen Hintergrund hat. Ein perfekt gewähltes Cover, das im Kontrast zu einem gewöhnungsbedürftigen Klappentext steht. Ich wusste als Leser nicht, für welche Zielgruppe die Geschichten geschrieben sind und musste feststellen, dass der Klappentext in sich wiederholt klang. „Kurzgeschichten rund um das Leben. Zwölf erfundene Kurzgeschichten vom Leben“ ist irgendwie doppeltgemoppelt.

Die zwölf Kurzgeschichten können unterschiedlicher nicht sein. Die Protagonisten der einzelnen Geschichten reichen von kleinen Kindern, über Jugendliche bis hin zu jungen Erwachsenen. Genauso ist die Auswahl der Themen breit gefächert. Eine dunkle Vergangenheit, gewalttätige Eltern, eine schlechte Kindheit, Hänseleien und vieles mehr sorgen für immer neue Situation aus dem Leben.
Anita Hintz verwendet für jede Geschichte einen einfachen, jugendlichen Stil. Situationen, Emotionen und Figuren werden bildhaft und authentisch beschrieben. In jeder Kurzgeschichte konnte ich mir alles vor meinem Auge vorstellen. Bei manchen Geschichten hatte ich jedoch das Gefühl, dass sie etwas aus der Luft gegriffen waren. Für mich waren rund 70% der Geschichten wie aus dem Leben. Einfach Kurzgeschichten, die jedem hätten passieren können. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein Mädchen im Park treffe, sie dann vom Vater ins Koma geprügelt wird, ihre Mutter von ihm ermordet wurde, ich meinen Arbeitskollegen innerhalb von einigen Monaten nach diesem Tag heirate, das Mädchen aufwacht und wir sie adoptieren. Das ist nur eine der Geschichten, die wie aus einem Märchen oder Kitsch-Roman klingen. Aber genau dieser Mix aus Märchen und Realität macht dieses Buch zu etwas Besonderem. Es ist wirklich das erste Mal, dass mir Kurzgeschichten mit verschiedenen Themen ohne die gleiche Hauptcharaktere ausnahmslos gefallen haben.

Auch nachdem Lesen konnte ich nicht genau einordnen für welche Zielgruppe dieses Buch geschrieben wurde. Da die Figuren aber alle eher jünger sind, würde ich es persönlich eher als Jugendbuch ansehen. Aber auch Erwachsene werden an diesem Werk ihre Freude haben. Mir haben diese aussagekräftigen Geschichten allesamt gefallen.

Nach der ersten Geschichte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Durch die großen Zeilenabstände eignet sich diese Lektüre auch für ältere Menschen oder Leseanfänger. Einige der Geschichten habe ich sogar meinem Stiefsohn vorgelesen, um ihn zu zeigen, wie man sich durchsetzen kann. Aus diesem Grund denke ich, dass sich zum Beispiel Geschichten wie „Ein kleiner Kerl ganz groß“ auch für den Schulunterricht eignen, um über dieses Thema zu diskutieren. Jedoch sollte das Buch nicht komplett von Grundschülern gelesen werden, da manche Geschichten doch voller Gewalt stecken, auch wenn es lehrreich ist.

Empfehlen kann ich das Buch jedem Jugendlichen, Eltern, Lehrern oder anderen Interessierten. Es ist eine gute Auswahl an gelungenen Kurzgeschichten, die ihresgleichen sucht.


===Bewertung===
Nicht jeder Autor kann Kurzgeschichten schreiben. Anita Hintz gehört zu den wenigen Talenten. „Lebenswege“ vereint Witz, Spannung und lehrreiches mit einzigartigen Charakteren und steckt diese in Themen, wie aus dem Leben gegriffen. Für mich fünf Sterne.

===Genehmigte Leseprobe===
Christian sagte zu Jan: „ Du musst eine Mutprobe bestehen, dann gehörst du zu uns. Du musst morgen bei dem alten Mann klingeln, der den großen Garten mit den vielen Apfelbäumen hat und ihn nach Äpfeln für uns fragen und dann wirst du vor den Augen des Alten auf einen Baum klettern und für dich einen Apfel holen. Wir beobachten alles vom Zaun aus.“
Am nächsten Tag trafen sich alle vor dem Haus des Bauern. Die Jungs standen am Zaun vom Bauer Huber und sahen staunend zu, wie der Alte und Jan an der Haustüre plauderten und lachten.