Kathy Reichs - Tote lügen nicht



===Buchdaten===
Autor: Kathy Reichs
Titel: Tote lügen nicht
Verlag: Blanvalet
Erschienen: 2000
ISBN-13: 978-3442352265
Seiten: 544
Einband: TB
Kosten: 9,00€, gebraucht ab 1,50€
Genre: Thriller
Serie: Temp Brennan
===Zitierter Klappentext===

Tempe Brennan hat einen Knochenjob. Als forensische Anthropologin am gerichtsmedizinischen Institut von Montreal landen täglich die unterschiedlichsten Leichen auf ihren Labortisch. Als aber die dreiundzwanzigjährige Isabelle Gagnon mißbraucht, erdrosselt und zerstückelt in Müllsäcken aufgefunden wird, drängen sich Tempe alte, grauenvolle Bilder auf. Sie beginnt zu recherchieren, was sie auf die Spur eines psychopathischen Serienkillers bringt - und ihn auf ihre...




===Meine Meinung===
„Tote lügen nicht“ ist der erste Teil der „Tempe Brennan“ - Reihe aus der Feder von Kathy Reichs. Inzwischen hat dieser Auftakt schon zehn Jahre auf dem Buckel. Das Cover des Buches ist schlicht gehalten. Die angerichteten Knochenteile fallen auf Grund der Farbe kaum auf. Der Klappentext ließ jedoch Spannung pur erahnen.

Der Einstieg in das Buch verschlug mir am Anfang die Sprache. Zwar war mir bewusst, dass jeder Autor sich mit seinen Büchern steigert, aber dass es einen so großen Unterschied zu späteren Teilen gibt, hätte ich nicht erwartet. Andere Teile habe ich regelrecht an einem Tag verschlungen.

Kathy Reichs stellte mir die Protagonistin Tempe Brennan von Anfang an als sympathische Figur vor. Während des ersten Kapitels wurde ich mit ihrer Arbeit, ihrem vorherigen Leben und ihrer Wahlheimat vertraut gemacht. Obwohl ich Tempe schon aus neueren Romanen kannte, hatte ich das Gefühl sie jetzt erst richtig kennenzulernen. Binnen weniger Seiten wurde ich mit ihr zusammen zum ersten Tatort geführt. Mein erster Gedanke war nur: Das fängt richtig spannend an. Wer schon ein anderes Buch von dieser Reihe kennt, weiß, dass neben vieler Knochen Tempe oft in Gefahr gerät und sich die Fälle stets am Ende nach einem grandiosen Höhepunkt logisch aufklären. In diesem Fall findet Brennan eine zerstückelte Leiche. Für sie ist schon bald klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss. Wie überzeugt man jedoch die Polizei, die keine Zusammenhänge entdecken kann? Von der Theorie her ist der Inhalt gut durchdacht, packend und detailliert. Genau dieser letzte Punkt ist störend. Jeder noch so kleine Arbeitsschritt von Tempe wird von der Autorin genau beschrieben. Wer sich für Anthropologie interessiert, wird darin aufgehen. Mir persönlich war es einfach zu viel. Kathy Reichs verliert sich regelmäßig in diesen Beschreibungen. Ich musste zwar immer wieder feststellen, das die Autorin wirklich weiß wovon sie redet und viele Punkte, wie das Rotlicht-Viertel gut recherchiert hat, aber ich wurde erschlagen von den Details. Für mich wirkten die ersten 300 Seiten einfach nur gähnend langweilig. Kam es einmal zu einem Spannungsanstieg, ging es genauso schnell wieder in flachere Bahnen. Neben den zähflüssigen Beschreibungen verwendet die Autorin häufig französische Vokabeln. Es ist für die Stadt typisch, aber oftmals werden Sätze nicht übersetzt. Gerade als Laie verstand ich oftmals gar nicht, was es bedeutet. Auch wenn viele heute französisch sprechen, gibt es noch viele Personen, die diese Sprache nicht beherrschen und nur englisch in der Schule gelernt haben.

Nachdem ich mich jedoch durch die ersten 300 Seiten gekämpft hatte, kam Kathy Reichs in den Stil, den ich an ihr Liebe. Detailliert, aber spannend. Ich spürte einen regelrechten Spannungsanstieg, der sich diesmal bis zum Schluss aufbaute. Dieser Schluss war brillant aufgelöst und lässt keine Fragen offen.

Die späteren Werke von Kathy Reichs, wie „Knochen zu Asche“ würde ich jeder Zeit empfehlen. Bei diesem Werk bin ich jedoch nicht komplett überzeugt. Die vielen langen Beschreibungen und Details ziehen sich zu sehr hin. Der Biss, den ich von ihr sonst kenne, fehlte im ersten Teil den gesamten Anfang über. Wer dieses Buch zuerst liest, wird sicherlich enttäuscht werden.

===Bewertung===
Würde „Tote lügen nicht“ um die Hälfte gekürzt werden, wäre es ein absolut würdiger Start in die sonst so gelungene Reihe. Es wirkt authentisch, die Charaktere, Emotionen und Schauplätze sind lebendig und individuell. Viele Beschreibungen erinnern mich jedoch eher an Kaugummi, welches sich in die Länge zieht. Daher gibt es nur drei Sterne.