Tanja Kinkel - Die Puppenspielerin

meine Ausgabe
  

===Buchdaten===
Autor: Tanja Kinkel
Titel: Die Puppenspieler
Verlag: Goldmann
Erschienen: 1995
ISBN-13: 978-3442429554
Seiten: 667
Einband: TB
Kosten: Neu ab 10,00€, gebraucht ab 2€
Genre: historischer Roman
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Im Jahre 1484 gibt der Papst das Signal zur Hexenverfolgung. Und mitten in Deutschland muss ein Zwölfjähriger zusehen, wie seine Mutter auf dem Scheiterhaufen endet. Richard, Sohn eines schwäbischen Kaufmanns und einer schönen Sarazenin, werden die unmenschlichen Bilder für immer verfolgen. Bis ins Haus des reichen Jakob Fugger, der den Neffen seiner Frau aufnimmt und in seinem Hause erziehen lässt. Und später nach Florenz und Rom, wo er für Jakob Fugger arbeiten wird. Im Italien der Medici und Borgia, der Busspredigten eines Savonarola und der grenzsprengenden Kunst eines Michelangelo wird Richard gegen das Erbe seines eigenen Blutes kämpfen. Und er muss sich endgültig entscheiden zwischen Freundschaft und Liebe, zwischen dem Wunsch nach Rache und einem ungebundenen, vorurteilsfreien Leben.

===Meine Meinung===
Historische Werke sorgen bei mir für eine geteilte Meinung. Zwar interessiert mich die historische Lebensweise, bestimmte historische Ereignisse und einige bekannte Figuren, aber oft ist die Sprache bei den Werken altmodisch, sehr trocken und langatmig.

In Werk „Die Puppenspieler“ von Tanja Kinkel wurde ich ins Mittelalter des Jahres 1484 entführt. Es ist der Zeitpunkt, wo die Hexenverfolgung seine Anfänge hat. Richard, 12 Jahre alt, muss mit ansehen, wie seine Mutter, eine Sarazenin, die nach dem Tod ihres deutschen Mannes, als Hebamme arbeitet, auf dem Scheiterhaufen landet. Unschuldig wird sie als Hexe verbrannt. Von der Klosterschule, die mitverantwortlich für den Tod seiner Mutter ist, geht es zur Schwester seines Vaters. Dort wird er herzlich aufgenommen. Jakob Fugger, ihr Mann, nimmt sich seiner an und Richard beginnt in seine Fußstapfen zu treten. Er wird ein Puppenspieler, dessen Figuren die Menschen sind. Doch irgendwann muss auch er sich entscheiden zwischen Rache und der wahren Liebe.

Die Thematik der Hexenverfolgung fasziniert mich sehr. Daher war ich sehr erfreut, dass ich schon nach wenigen Seiten feststellen durfte, dass Tanja Kinkel dieses Thema in einem lockeren, modernen und detaillierten Stil. Ich konnte den Inhalt flüssig lesen und fand die Umsetzung gut verständlich. Gleich zu Beginn wurde mir auf amüsante Art und Weise der Protagonist Richard vorgestellt. Ich lernte ihn als lustigen, frechen, wissbegierigen und intelligenten Jungen, der nicht auf den Mund gefallen ist, kennen. Alle relevanten Details wurden liebevoll in Szene gesetzt. Mir war Richard sofort sympathisch. Zugleich wurde die gesamte Situation über den Tod des Vaters, die Herkunft der Mutter und ihre Arbeit aufgegriffen. Für mich stellte dies einen wirklich gelungenen Einstieg dar.
Es dauerte nicht lange, bis es zu der Verbrennung, welche im Klappentext genannt wurde, kam. Bildhaft wurde der Verlauf der Anklage bis hin zum Eintreten des Todes auf dem Scheiterhaufen beschrieben. Dabei achtete die Autorin genau darauf, mir als Leser beide Seiten verständlich zu erklären. Zum einen die Seite der Kirche und des Mobs, auf der anderen Seite die Meinung weniger denkender Menschen. Ich empfand es als schockierend und bewegend zu gleich. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich schon in dieses Buch verliebt.
Dann begann der nächste Teil des Buches und ich befand mich mit Richard bei seiner neuen Familie. Leider wurde das Buch für mich ab diesem Teil immer langatmiger. Politische Dinge wurden bis ins kleinste Detail besprochen. Der Schreibstil hatte sich mit diesem neuen Abschnitt nicht geändert, aber die Thematik wurde einfach langweiliger, wie ich persönlich fand. Die eigentliche Geschichte um Richard empfand ich allerdings noch immer spannend und interessant. Dadurch kam ich häufig an den Punkt, wo ich einfach einige Seiten im Buch vor blättern wollte, um wieder zu einer Passage zu gelangen, die nicht so trocken wirkte. Während die Geschichten rund um die Familie und Richard wirklich lebendig und farbenfroh waren, wirkten die anderen geschichtlichen Aspekte zwar detailliert, aber extrem in die Länge gezogen. Die Autorin versuchte stellenweise die Geschichte einfach zu sehr auszubauen, immer neue historische und politische Situationen einzubauen. Dadurch ging für mich die traurige Eingangssituation mit Richards Mutter immer wieder zu sehr unter. Schließlich geht es um die Hexenverfolgung. Dies wird erst viel später wieder richtig aufgegriffen. In meinen Augen zu spät. Erst das letzte drittel des Buches begann wieder den Reiz auf mich zu haben, wie der Einstieg. Ich denke, wenn Tanja Kinkel das Buch auf 400 Seiten gekürzt hätte, hätte sie mich als Leser durchgehend fesseln können. Zudem ist der politische Anteil stellenweise so breit gefächert, dass vieles einfach zu verworren klang und ich Schwierigkeiten hatte den ganzen Begebenheiten zu folgen. Neben der Politik, gibt es genügend Intrigen und Fehden zu lesen. Stellenweise denkt man sich nur - nicht schon wieder. Zwar ist dies verständlicher, aber einfach zu viel. Gerade durch die vielen und teilweise nur kurzfristig wichtigen Namen, kam ich oft durcheinander, wenn ich nicht sehr genau gelesen habe. Dieses Buch muss trotz langatmiger Passagen wirklich genau gelesen werden, um nichts wichtiges zu verpassen.
Bei Figuren, Schauplätzen und wichtigen Situationen finde ich einen solchen Detailreichtum angemessen und gut, aber man muss als Autor wissen können, wann es für Leser einfach zu viel ist. 200 Seiten weniger und es wäre eins der besten historischen Werke in meiner Leselaufbahn gewesen.
Trotzdem mich dieses Werk an einigen Stellen nicht überzeugen konnte, ist es im Gesamtbild eine schöne und interessante Geschichte, die mir einen guten Einblick ins späte Mittelalter gegeben hat. Daher kann ich das Werk auch empfehlen.

===Bewertung===
Kurz, ist manchmal besser. In diesem Fall wäre es so gewesen. Eine interessante, dramatische Geschichte geht hier stellenweise in den Nebenhandlungen unter. Wenn die eigentliche Geschichte jedoch durchstößt, ist es ein spannendes, interessantes und bewegendes Werk. Für die Mischung bekommt es drei Sterne.

===Leseprobe===