Petra Hammesfahr - Das Geheimnis der Puppe


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===Buchdaten===
Autor: Petra Hammesfahr
Titel: Das Geheimnis der Puppe
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2004
ISBN-10: 3898971090
Seiten: 223
Einband: HC
Kosten: 1,50€ gebraucht bei Booklooker
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Als Laura zum zweiten Mal schwanger wird, beschließen sie und ihr Mann Tom, aufs Land zu ziehen. Sie lieben ihr neues Zuhause von Anfang an, auch wenn die herrschaftliche Villa inmitten einer Parklandschaft etwas düster wirkt. Aber die Idylle trügt. Immer wieder taucht eine mysteriöse Stoffpuppe auf und weckt unerklärliche Ängste bei Laura, als brächte sie irgendetwas aus ihrer Vergangenheit zum Klingen. Bis die junge Frau der Frage nach dem schrecklichen Geheimnis der Puppe nicht länger ausweichen kann.

===Meine Meinung===
Als ich mir den Klappentext durchgelesen habe, war ich sofort neugierig auf den gesamten Inhalt dieses Buches. Leider ist der Inhalt gar nicht so einfach, wie ihn der Klappentext darstellt. Im Grunde gibt es drei Geschichten, die parallel zueinander erzählt werden.

Da ist die Geschichte von Laura, die von ihrer psychisch kranken Mutter abhaut und sich mit Tom ein eigenes Leben aufbaut. Sie unterstützt ihn bei seinem Werdegang als Schriftsteller, während er dafür den Haushalt schmeißt und sich um ihr erstes Kind kümmert. Als das zweite Kind unterwegs ist, beschließt Laura, dass ihre Wohnung nicht mehr genügend Platz hat und sie hinaus aufs Land ziehen sollten. Das perfekte Haus ist bald gefunden. Es bietet nicht nur genügend Platz für die gesamte Familie, sondern eignet sich noch als Filmkulisse für die Verfilmung von Toms einem Buch. Dazu kommt ein unschlagbarer Preis und die Möglichkeit es vorab für ein Jahr zu mieten. Nur Lauras Mutter ist von der Idee nicht begeistert. Sie hat vor Jahren in diesem Haus als Haushälterin gearbeitet und irgendetwas muss hier vorgefallen sein, denn seit ihrem Auszug und der Geburt von Laura war sie völlig gestört. Trotzdem mieten sie das Haus. Doch schon nach dem Einzug merken sie, dass etwas nicht stimmt. Ständig findet Tom eine grüne Stoffpuppe im Haus oder im weitläufigen Garten. Dazu kommt, dass er immer wieder ein kleines, behindertes Mädchen entdeckt, welches sich sogar nachts in ihr Haus schleicht. Was steckt dahinter?
Zeitgleich wird dem Leser der Inhalt des zu verfilmenden Romans von Tom erzählt. Eine ähnliche Geschichte, wie sie es bald selbst am eigenen Leib erfahren werden.
Die dritte Geschichte wird in kursiver Schrift erzählt. Es handelt sich um das Leben eines Kindes, welches in einer dunklen Kammer eingesperrt wird und nur ab und an Besuch von zwei Frauen bekommt, welche sie wickeln, füttern oder sogar mal mit nach draußen nehmen. Es ist die Geschichte eines Kindes, das auf Grund dieser Bedingungen nicht sprechen und nur holprig laufen kann.

Der Einstieg in diese Geschichte fiel mir am Anfang nicht besonders leicht. Petra Hammesfahr schaffte es nicht, mich wirklich zu packen. Sie führt die Protagonisten ein, aber ich persönlich konnte nur schwer eine Verbindung zu den Emotionen der Figuren aufbauen. Es fehlte eben immer ein gewisses Hintergrundwissen. Ich wusste nicht, in welchem Jahr wir uns befanden und mir persönlich wäre dies gerade am Anfang sehr wichtig gewesen. Schließlich gab es immer wieder diese Handlung über das eingesperrte Kind und Andeutungen über die Zeit als ihre Mutter in dem Haus gearbeitet hat. Diese Zeit im Haus wurde mit einer Jahreszahl versehen. Zwar konnte ich mir denken, dass dies vor Lauras Geburt war und somit über 25 Jahre sicherlich ins Land gegangen sind, aber eine einfache Bestätigung hätte mir von Anfang an besser gefallen. Während ich die anfänglichen Alltagsgeschichten von Laura und Tom eher gähnend langweilig empfand, freute ich mich regelrecht auf die Szenen, wo ich mehr über das Kind erfuhr. Diese waren so gut beschrieben, dass ich mich regelrecht in die Situation hineinversetzen konnte. Die Gefühle des Kindes waren greifbar und müssen einfach jeden Leser berühren. Es ist irgendwie so unglaublich und trotzdem kann man sich vorstellen, dass dies Realität ist. Vernachlässigte Kinder gibt es immer wieder und von versteckten Kindern hat man auch schon gelesen. Warum nicht also auch ein solches Schicksal. Als werdende Mutter habe ich die Situation als noch grausamer empfunden und war oft zu Tränen gerührt.
Durch diese kleinen Momente packte mich die Autorin. Schließlich wollte ich wissen, was aus diesem Kind geworden ist und welche Verbindung die Geschichte zu Lauras Mutter hatte. Leider schafft es die Autorin in diesem Punkt nicht, eine gewisse Grundspannung aufzubauen. Statt die Ängste der Leser zu schüren, baut sie immer wieder die unwichtige Drehbuchumsetzung von Tom ein. Die Autorin möchte damit zeigen, dass manchmal Fiktion und Realität sehr nach beieinanderliegen. Auf der einen Seite ist dies interessant, aber mir persönlich waren die Szenen einfach zu unwichtig und sie wirkten auf mich, als wolle die Autorin ihre Geschichte künstlich in die Länge ziehen. Dazu kommt, dass jeder logisch denkende Leser schnell ahnt, wer das Kind und die Mutter dieses Kindes ist. Der Überraschungseffekt entfällt hier also. Aber obwohl ich wusste, worauf die Geschichte hinausläuft, wollte ich es weiter lesen. Irgendwie war es interessant zu sehen, wie sich alles nachher aufklärt. Mir persönlich ging es richtig ans Herz.
Doch dann wurde ich mit einem völlig überraschenden und unlogischen Schluss konfrontiert. Wer das Buch aufmerksam gelesen hat, wird denken, dass dieser Schluss doch eigentlich ganz logisch ist. Das Kind sieht noch aus wie drei oder vier und ist dabei doch eigentlich Mitte Zwanzig. Auf der anderen Seite kennt man von Medien Beispiele über verkümmerte Kinder, warum sollte dies nicht auch hier der Fall sein. Nach all dieser Tragik werden es sich viele Leser wünschen, dass das Buch so ausgeht, wie es anfänglich scheint. Zwar ist das gewählte Happy End dramatisch und sicherlich nicht schlecht, aber ich persönlich hätte mir nach all dieser Dramatik wirklich etwas realistischeres gewünscht.

Wer erstmal über die ersten 30 Seiten des Buches hinweg ist, wundert sich wie schnell sich die weiteren Seiten anreihen. Anfänglich wird der Stil noch sehr schwer und man denkt, die Seiten nehmen kein Ende. Später wirkt der Text durch die Drehbuchszenen in die Länge gezogen, lässt sich aber trotzdem flüssig lesen. Daher habe ich das Buch an einem Tag durchlesen können. Lediglich die teilweise 80 Seiten langen Kapitel empfand ich als unpassend. Zumindest hätte es hier noch einige Unterkapitel geben können, um einfach gezielter einen Pausenpunkt zu finden.

Auch wenn der Einstieg sehr zäh war, kann ich dieses Buch auf Grund seiner traurigen Thematik wirklich empfehlen. Auch wenn es für einen Psychothriller zu durchsichtig, zu unspannend und die Figuren hätten lebendiger hätten wirken können, sorgt das Hauptthema dafür, dass der Leser doch gefesselt wird.

===Bewertung===
Eine traurige Geschichte, die unvorstellbar klingt, aber durchaus Realität bedeuten kann. Petra Hammesfahr hat diese Thematik gut umgesetzt. Allerdings ist es zu durchsichtig und die Spannung fehlt fast durchgehen. Aus diesem Grund gibt es für dieses Werk nur vier Sterne.

===Leseprobe===