Adele Griffin - Eine Freundin wie Amandine

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===Buchdaten===
Autor: Adele Griffin
Titel: Eine Freundin wie Amandine
Originaltitel: Amandine
Verlag: dtv junior
Erschienen: 2004
ISBN-13: 978-3423781961
Seiten: 155
Einband: TB
Kosten: 7,00€
Serie: -

===Eigene Inhaltsangabe===
Delia zieht mit ihren Eltern mitten im Schuljahr aufs Land. Als die Neue an der Highschool findet sie nur schwer Anschluss. Leicht übergewichtig ist es nicht unbedingt leicht in eine eingeschworene Truppe hineinzukommen. Jeder hat schließlich schon seine Freunde für dieses Schuljahr gefunden. Daher ist sie froh, als sie Amandine trifft. Amandine ist total verrückt. Sie zeichnet total ekelerregende Dinge, lügt und kann richtig hinterhältig sein. Trotzdem ist Delia anfänglich von ihr fasziniert und ihre Eltern schließen sie sofort ins Herz. Doch dann schnüffelt Amandine in Delias Sachen herum und zeigt auch sonst ihr wahres Gesicht, als Delia auf Abstand gehen möchte. Als sie sogar eine neue Freundin findet, beginnt für sie und ihre Familie ein Spießrutenlauf der besonderen Art.

===Meine Meinung===
Als ich das Buch entdeckt hatte, fand ich den Klappentext recht ansprechend. Ein Psychothriller der besonderen Art, der an einer Highschool spielt, wird sicherlich interessant.

Als Leser wurde ich sofort in das erste Treffen von Amandine und Delia hineingeworfen. In einer ausführlichen Beschreibung wurden mir die ersten Eindrücke bei diesem Aufeinandertreffen geschildert. Sicherlich ist dies keine schlechte Wahl für einen Einstieg, allerdings hätte ich vorab gerne in einigen Sätzen erfahren, warum Delia neu an dieser Schule ist und eine genauere Beschreibung ihrer Person. Zwar wird in einer kleinen Rückblende, wenige Seiten später, erklärt, warum Delia mitten im Schuljahr umziehen musste, aber ihre Person wird erst nach und nach lebendiger. Mal wird die Haarfarbe eingeworfen, dann wird ihr Alter verraten und irgendwann kann man sich auch ihre Statur vorstellen. Statt klare, abgerundete Bilder zu liefern, lässt sie den Leser lange Zeit mit einer verschwommen Protagonistin leben.
Schon an dieser Stelle hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sehr verworrene Gedankengänge hat. Delia kommt zum Beispiel nach Hause und ihre Mutter gibt ihr Diät-Essen. Vorher wurde aber nicht auf ihr Gewicht angesprochen. Als Leser muss man nun raten, warum sie dieses Essen bekommt. Doch statt einer näheren Beschreibung, erzählt die Autorin nun, dass ihre Mutter abdeckt und für sich und ihren Mann ein leckeres Mahl zubereitet. Gemeinsame Mahlzeiten sind in dieser Familie nicht üblich. Auf diese Situation wird auch später eingegangen, als Amandine bei ihr übernachtet. Amandine ist geschockt, dass die Eltern nicht mit ihnen zusammen essen wollen. Ohne Vorwarnung sitzen jedoch dann alle am Tisch. Es ist irgendwie verwirrend. Solche Punkte baut die Autorin ständig ein. Plötzlich baut sie ein verschwundenes Tuch ein, welches wieder auftaucht und 50 Seiten später ist Delia eine notorische Diebin. Ohne Vorwarnung wird eine ganz neue Situation erstellt. Dadurch wirkt es stellenweise nicht durchdacht. So als ob die Autorin nicht mehr weiter wusste und einfach die nächstbeste Lösung gewählt hat, um mit ihrem Roman weiterzukommen.
Erstmal musste ich als Leser mit diesen Wendungen leben. Dazu kommt das Niveau auf dem sich die Autorin bewegt. Sie versucht Amandine als psychisch gestörte Persönlichkeit zu beschreiben. Durch viele Punkte gelingt ihr das auch. Allerdings gibt es Dinge, die in meinen Augen nicht unbedingt in ein Jugendbuch hineingehören. Sketche spielen ist okay und kenne ich aus meiner Schulzeit. Allerdings haben wir früher Anke Engelke Sketche gespielt. Daher finde ich die Vorstellung der Autorin eher unterhalb der Gürtellinie, da ihre Sketche allesamt pornographische Szenen enthalten. Sich über andere Mitschüler lustig machen, fies, gemein oder herablassend sein, gut, aber warum muss der Gärtner sexuelles Interesse bekunden, der Schuldirektor plötzlich Sex wollen, nur weil man ihn auf einen offenen Hosenschlitz aufmerksam macht. Solche Dinge muss eine Jugendbuchautorin nicht einbauen, nur um eine Person als gestört darzustellen. Sie baut diesen Aspekt zwar später aus, aber ich persönlich empfinde es als zu viel. Zumal andere grundlegende Dinge außer Acht gelassen werden. Zum Beispiel stellt dieses Werk einen Psychothriller dar. Solche Bücher sollen Angst verbreiten. Über 100 Seiten wird das Bild von Amandine aufgebaut und vervollständigt. Danach distanziert sie sich erst von ihr, um dann auf 20 Seiten unwichtige Details einzubauen und auf den letzten 30 Seiten das einbaut, was einen Psychothriller ausmacht. Allerdings muss ich sagen, dass Spannung hier ein Fremdwort ist. Es hätte vollkommen gereicht, Amandine auf 50 Seiten einzuführen, um danach ihr grausames Spiel detailliert zu beschreiben. Stattdessen wird auf wenigen Seiten der „Schwanz eingekniffen“.
Man muss immer abwägen, da es sich schließlich um ein Jugendbuch handelt. Trotzdem bin ich der Ansicht, darf Spannung und Lehrgehalt nicht verloren gehen, wenn ein solches Thema aufgegriffen wird. Es wird auf Diebstähle, falsche Freunde, moderne Familien, Übergewicht, Neuanfänge und vieles mehr geredet. Der Mobbing-Aspekt, der am Ende vermittelt werden soll, wird allerdings so harmlos dargestellt. Die Eltern und der Direktor raten zur Ruhe, und am Ende zieht die Familie sogar weg, weil es sie einfach zu viele Nerven kostet. Einerseits kann man dies verstehen, aber für junge Leser ist dies nicht lehrreich, wenn sie gesagt bekommen, dass sie sich besser nicht wehren sollen. Das zeugt nicht gerade von einem guten Jugendroman. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch nicht an jugendliche empfehlen. Es ist langweilig, verworren, teilweise echt krankhaft und definitiv nicht lehrreich.

===Bewertung===
Krankhafte Ansätze, langatmige Passagen und nicht mal zum Schluss kommt Spannung auf. Der Lehrgehalt ist bei diesem Jugendbuch, trotz der wichtigen Thematik verlorengegangen. Dafür gibt es lediglich einen Stern.