Camilla Way - Schwarzer Sommer

   

===Buchdaten===
Autor: Camilla Way
Titel: Schwarzer Sommer
Originaltitel: The Dead of Summer
Verlag: rororo
Erschienen: 2. Auflage 2008
ISBN-13: 9873499247507
Seiten: 204
Einband: TB
Kosten: 8,95€
Serie: -

===Autor/in===
Camilla Way, Jahrgang 1973, lebt in London, wo sie als Redakteurin für eine Zeitschrift arbeitet. «Schwarzer Sommer» ist war erster Roman. (Quelle: Buch)

===Zitierter Klappentext===
Die dunkle Seite der Unschuld Anita ist gerade erst nach London gezogen, als die Schulferien beginnen. Ein langer, heißer Sommer ohne Freunde erwartet sie. Im Haus gegenüber wohnt Kyle. Anita ist fasziniert von dem schweigsamen Jungen, den ein Geheimnis umgibt: Vor einem Jahr ist seine kleine Schwester spurlos verschwunden. Anita genießt die endlosen Streifzüge an seiner Seite – durch verrottende Industriegebiete entlang der Themse und stillgelegte Minen. Keiner ahnt, dass diese Gruben bald Schauplatz des schrecklichsten Verbrechens sein werden, das die Londoner Vorstadt seit langem erlebt hat. „Ein Buch voller komplexer Emotionen und schockierender Ereignisse, am Ende steht eine Tragödie … Sehr verstörend und sehr gut.“ (The Bookseller)

===Meine Meinung===
Der Verlag „rororo“ steht bei mir für interessante Kinder- und Jugendbücher. „Schwarzer Sommer“ hingegen gehört zum Genre Psychothriller und ist somit eher etwas für Erwachsene oder ältere Jugendliche. Schon der Klappentext macht Lust auf mehr.

Anita zieht kurz vor den Schulferien nach London. Ihre Mutter ist verstorben, der Vater lässt sich hängen, die Schwestern entwickeln sich zu bekannten Schlampen und auch der Bruder ist nicht zu gebrauchen. Am Tag ihres Einzugs sieht Anita Kyle zum ersten Mal. Er ist ihr Nachbar und 13 Jahre alt. Über Denis, einen leicht zurückgebliebenen Jungen, mit dem sie sich in der Schule anfreundet, lernt sie Kyle näher kennen. Auch Kyles Familienverhältnisse sind eher erschütternd. Der Vater ist weggezogen, die kleine Schwester verschwand spurlos, seine Mutter ist kränklich und sein Großvater verdorben. Kein Wunder das Kyle wütend, mordlüstern und unberechenbar ist. Anfangs schließt Kyle Anita noch aus. Doch ein zufälliges gemeinsames Erlebnis lässt die Freundschaft endgültig entstehen. Während der Sommerferien erleben sie total verrückte Dinge, die für drei Menschen tödlich enden.

Der Aufbau des Buches wirkt anfänglich auf den Leser eher verwirrend. Seit diesem besagten Sommer sind viele Jahre vergangen und Anita ist inzwischen eine Frau von 20 Jahren. Sie arbeitet in einer Fabrik, hat einen jungen Mann kennen gelernt und lebt in einer kleinen, aber feinen Wohnung. Rückblickend erzählt sie einem Dr. Barton was in diesem Sommer 1986 wirklich passiert ist. Zeitgleich bekommt der Leser kleine Auszüge aus der Polizeiakte von damals. All diese Schnipsel musste ich mir beim Lesen zusammensetzen, da nicht sehr deutlich zwischen Vergangenheit und Gegenwart getrennt wird. Lediglich die Polizeiakte, die in einer anderen Schrift festgehalten wurde, war immer sofort ersichtlich.
Durch den Klappentext wusste ich von der Freundschaft zu Kyle und empfand es daher als langgezogen bis sich diese Freundschaft endlich richtig entwickelt hat.
Zudem wirkte Anita anfänglich sehr farblos auf mich. Ihre Situation konnte ich nachvollziehen, aber sie selbst blieb trotz ausführlicher Beschreibung sehr blass. Diese drei Faktoren kombiniert, haben den Einstieg eher fad wirken lassen. Wer sich jedoch bis zu diesem Punkt durchkämpft, wird urplötzlich fesselt ohne es richtig zu merken. Zumindest erging es mir so. In der einen Minute hätte ich das Buch gerne aus der Hand gelegt und in der nächsten Minute hatte es mich gepackt.
In den Abschnitten der Polizeiakte wird es brutal und die Autorin suggestiert dem Leser den Gedanken, was ihn am Ende erwarten wird. Ein geschickter Schachzug der Autorin, denn am Ende musste ich feststellen, dass auch sie mich mit ihren Worten aufs Glatteis geführt hat und ich auf ihr Können hereingefallen bin. Die Wendung kommt überraschend und ich fragte mich, ob ich einen Wechsel der Erzählperspektive nicht mitbekommen hatte. Einerseits bin ich begeistert davon, wie dem Buch durch diese überraschende Wendung ein genialen Schluss verliehen wurde. Auf der anderen Seite ist dieser Schluss hart, brutal, schockierend und regt zum Nachdenken an. Am Ende konnte ich nur eins sagen: Genialer Psychothriller. Der Schluss ist logisch konstruiert, beantwortet wirklich alle Fragen und macht Lust mehr von dieser Autorin zu lesen. Die anfängliche Blässe von Anita wird an diesem Punkt aufgehoben und das Bild vervollständigt sich gänzlich. Ob dies beabsichtigt war oder es einfach nur ein Nebeneffekt war, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Vom Alter her, empfehle ich Jugendlichen eigentlich immer Bücher, in denen die Protagonisten in diesem Alter sind. In diesem Fall sind die Protagonisten erst 13 Jahre alt und doch schon so eiskalt. Auf der einen Seite können hier jugendliche Leser sehen, was in Leuten vorgeht, die sie aus den unterschiedlichsten Gründen ausgrenzen. Auf der anderen Seite ist der Schluss doch etwas brutal und daher kann ich es eher Lesern ab 16 empfehlen. Die komplexen Emotionen, der grausame Schluss und die authentische Beschreibung könnten sonst nicht ihre ganze Ernsthaftigkeit entfalten.

Empfehlen kann ich dieses Buch höheren Klassen, aber auch jeder Leseratte, die sich mit einem dramatischen Thema beschäftigen will, dass täglich real werden könnte.

===Bewertung===
Anfänglich schwächelt die Autorin. Sie verwirrt und vermag auf den ersten Blick nicht zu fesseln. Schnell wird aber deutlich, dass Camilla Way genau weiß, wie sie einen brillanten Psychothriller zu verfassen hat. Brutal, schockierend und an keiner Stelle unrealistisch, befasst sie sich mit einem Thema, welches stets Realität werden könnte. Für mich trotz des Einstiegs fünf Sterne.

===Leseprobe===
http://www.rowohlt.de/fm/131/Way_Schwarzer_Sommer.pdf