Harry Mazer - Das Mädchen seiner Träume


===Buchdaten===
Autor: Harry Mazer
Titel: Das Mädchen seiner Träume
Originaltitel: The Girl of his Dreams
Verlag: Beltz & Gelberg
Erschienen: 1999
ISBN-13: 978-3760723716
Alter: ab 14
Seiten: 220
Einband: TB
Kosten: Damals 14,90€, jetzt gebraucht ab 0,01€
Serie: -

===Autor/in===
Harry Mazer hat zahlreiche Jugendbücher, manche davon gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Norma Fox Mazer, geschrieben. Die beiden wohnen in Jamesville, New York, und in New York City. (Quelle: Buch)

***Weitere Werke***
  • Herzschlagen, 1989
  • Marcus Rosenbloom und die Liebe, 1991
  • Vermisst: Lisas Mutter, 1997

===Zitierter Klappentext===
Willis hat eine genaue Vorstellung von seiner Traumfrau - ist aber ein verschlossener Einzelgänger. Eine leise, behutsame Liebesgeschichte mit viel Gefühl.Wenn Willis sich aus seinem grauen Großstadtalltag träumt, hat er eine Freundin, die aussieht wie ein Model und er ist ein gefeierter Langstreckenläufer. Aber die Realität ist anders. Willis ist ein verschlossener Einzelgänger, und als er ein verletztes Hundeweibchen zu sich nimmt und liebevoll gesund pflegt, bedeutet das für ihn einen großen Schritt. Eines Tages begegnet ihm Sophie, die auch einsam ist, aber überhaupt nicht seinen Vorstellungen entspricht. Und doch ist es eben die bodenständige und unbefangene Sophie, die ihn ermutigt und ihm hilft, seinen großen Traum zu erfüllen: einmal gegen den Langstreckenmeister Aaron Hill anzutreten.

===Meine Meinung===
Schon als Jugendliche habe ich immer wieder gerne eine zarte Liebesgeschichte zwischendurch gelesen. Man kann so herrlich träumen, entspannen und wird oft vom tristen Alltag abgelenkt. Obwohl dies schon viele Jahre her ist, lese ich auch heute immer noch wieder gerne Liebesgeschichten, egal für welche Altersstufe.


In diesem Buch wird der Leser in die Welt von Willis (18) und Sophie (22) entführt. Sophie ist gerade von zu Hause, einer kleinen abgeschiedenen Farm, in die große Stadt gezogen. Ihr Bruder wird zum dritten Mal Vater und hat nun keinen Platz mehr für seine Schwester auf der Farm. Willis ist selbst erst seit einigen Monaten in einer eignen Wohnung. Vorher hat er mit seinen Eltern in einem kleinen Wohnwagen gelebt, bis er es nicht mehr ausgehalten hat. Sie arbeitet als Zeitungsverkäuferin; er als Lagerist im Betrieb nebenan. Sie verliebt sich sofort in den schüchternen Langstreckenläufer; er hat in all den Jahren der Einsamkeit ein ganz anderes Bild von einer Traumfrau. Doch dann überschlagen sich die Dinge...

Wenn man sich den Klappentext durchliest, dann hat man das Gefühl den Protagonisten Willis schon genau zu kennen. Schüchtern, auf seine Art und Weise hübsch und einsam. Doch dann kam der Schock. Viele äußere Faktoren, wie der Verlag, das empfohlene Alter und auch der Klappentext ließen mich darauf schließen, dass der Protagonist ein Schüler von ungefähr 16 Jahren ist. Dies wird schon auf den ersten Seiten widerlegt, denn er arbeitet in einer Firma, hat seine eigene Wohnung und die Highschool abgeschlossen. Das passte so gar nicht in mein Bild. Zudem kam bei mir die Frage auf, wie alt Willis denn nun tatsächlich sei. Diese Frage wird erst nach rund 70 Seiten geklärt. Für mich war diese Auflösung inzwischen nicht mehr überraschend, aber doch irgendwie unpassend. Willis ist in dieser Geschichte 18 Jahre und Sophie ist 22. Im Lese-Alter von 14 Jahren fand ich persönlich Protagonisten stets besser, die sich maximal 2 Jahre über mir befanden. Dies hat sich bis heute auch so gehalten. So kann sich der Leser in meinen Augen auch besser mit den Figuren identifizieren.

Neben dieser Frage ist auch der Aufbau des Buches gewöhnungsbedürftig. Statt alles aus Sicht von Willis zu erzählen, wechselt der Autor immer mit einem neuen Kapitel die Erzähl-Perspektive. Mal begleitete ich Willis, dann lief ich an der Seite von Sophie durch die Welt. Deutlich wird dieser Wechsel immer nur beim Lesen. Erst als sich die Geschichte der beiden Figuren verbindet, werden die Erlebnisse auch aus einer Sichtweise erzählt.

Der Erzähl-Stil kann die Geschichte in meinen Augen nicht hervorheben. Dabei ist die Grundidee sogar sehr gelungen. Oftmals haben Menschen einen bestimmten Typen vor Augen in den sie sich verlieben möchten, dabei verlieren sie oft die Realität aus den Augen. Das ist nicht nur im Schulalter so, sondern auch im hohen Alter. Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht oder verliebt sich erst nach längerer Zeit. Ich finde dieses Thema sehr wichtig, denn mit einer solchen Geschichte können Jugendliche sehen, dass man sich auch in den besten Freund oder einen unmöglichen Menschen verlieben kann. Diese Kombination ist oftmals sogar besser als das Bild vom Traummann. Leider wird genau dieser Aspekt nicht besonders gut vermittelt. Kurze Kapitel, die sich hauptsächlich um das Thema „Langstreckenlauf“ drehen. Zwischendurch bahnt sich langsam die Liebesgeschichte an und entwickelt sich mit menschlichen, beziehungstechnischen Höhen und Tiefen. Eigentlich ist dies ein guter roter Faden, den der Autor sich ausgesucht hat. Nur was nützt ein guter Leitgedanke, wenn Harry Mazer mit seinem langatmigen, abgehackten Stil alles ruiniert. Entweder verrennt er sich in belanglose Details, oder er kürzt wichtige Szenen drastisch ab. Es kommt weder Spannung, noch Romantik oder ähnliches auf. Für mich ist diese Geschichte richtig flach.
Anfänglich hat man die Hoffnung, dass es bald besser wird. Ehe man sich versieht, hat man die Hälfte des Buches gelesen, aber wirklich gefesselt war ich an keiner Stelle. Man leidet nicht mit den Protagonisten, muss an keiner Stelle mit zittern... Mit jeder neuen Seite, einem neuen Streit oder ähnlichem kommt die Hoffnung auf, dass nun doch etwas passiert. Diese Hoffnung blieb bei mir bis zur letzten Seite und wurden durch einen interessanten Schluss zerstört. Der Schluss selbst ist nicht schlecht, aber ließ bei mir Fragen offen und wirkte auf mich nicht gut durchdacht. Wenn ich selbst in dieser Situation wäre, würde ich ganz anders handeln. Logisch war es für mich nicht. Aber dies wird jeder Leser selbst betrachten müssen.
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===Bewertung===
Schlecht ist dieses Buch nicht, denn es zeigt die Liebe aus einem alltäglichen Blickwinkel und beschönigt nichts. Es ist interessant, aber das alleine genügt nicht, wenn der Stil versagt. Daher kann ich persönlich das Buch nicht empfehlen. Zwei Sterne für die Idee.