Bentley Little - Fieber

==Der kleingedruckte Horror einer Lebensversicherung==

   

===Buchdaten===
Autor: Bentley Little
Titel: Fieber
Originaltitel: The Policy
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1. Auflage 2009
ISBN-13: 978-3404163250
Seiten: 475
Einband: TB
Kosten: 8,95€
Serie: -

===Autor/in===
Bentley Little wurde 1960 als Sohn einer russischen Künstlerin und eines amerikanischen Pädagogen in Arizona geboren. Er studierte Kommunikation, Englisch und Literatur. Bevor er Schriftsteller wurde, arbeitete er in verschiedenen Jobs als Reporter, Bibliothekar, Zeitungsausträger oder Kassierer. 1990 konnte er seinen ersten Roman „The Revelation“ veröffentlichen und wurde dafür mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet. Damit machte er Stephen King auf sich aufmerksam und gilt seitdem als dessen Meisterschüler. Er schreibt auch unter dem Pseudonym Phillip Emmons. Bentley Little lebt heute mit seiner chinesischen Frau und seinem Sohn in Fullerton, Kalifornien.

***Weitere Werke***
  • Böse
  • Unheil
  • Furcht

===Zitierter Klappentext===
Hunt Jackson führt ein gutes Leben. Bis er eine Lebensversicherung abschließt. Ein Fehler. Denn er hat das Kleingedruckte nicht gelesen: Sollten Sie Drohanrufe von uns erhalten, legen Sie bitte nicht auf. Sollten wir Ihre Wohnung verwüsten, rufen Sie nicht die Polizei. Und sollten wir als Rückversicherung ein Stück Menschenfleisch benötigen: Laufen Sie ruhig. Wir finden Sie überall.

===Meine Meinung===
Fieber“ ist das zweite Buch, welches ich von Bentley Little gelesen habe. Nachdem mich „Böse“ nicht gänzlich überzeugen konnte, sprach mich dieser Inhalt jedoch so sehr an, dass ich dieses Werk unbedingt lesen wollte.

Hunt Jackson hat sich gerade von seiner Frau Eileen scheiden lassen und zieht nun zurück nach Tucson, wo er als Kind aufgewachsen ist. Anfänglich scheint er das Glück gepachtet zu haben. Er findet ein Haus, findet einen Job, trifft seinen besten Jugendfreund wieder und lernt durch ihn Beth kennen und lieben. Mit einem simplen Heckscheiben-Schaden an seinem Auto beginnt jedoch der blanke Horror für ihn. Erst gerät er an einen unfreundlichen Sachbearbeiter und anschließend soll er ganz unwichtige Versicherungen abschließen. Als er dies ablehnt, wird sein Haus verwüstet und die Wiederherstellung seitens der Versicherung stellt sich als Witz heraus. Er zieht zu Beth und gemeinsam stellen sie fest, dass mit Versicherungen nicht zu spaßen ist. Ein undichtes Dach und die Kündigung der eigenen Stelle sind nur einige der Punkte, die sie mit einer richtigen Versicherung hätten abwenden können. Bald stellen sie fest, dass sie Versicherungen angeboten bekommen und sofern sie es ablehnen, der Fall eintritt, bei dem sie die Versicherung gebraucht hätten. Nicht nur bei Hunt und Beth häufen sich die Besuche des Versicherungsvertreters. Auch bei seinem Jugendfreund, Joel, und seinen Arbeitskollegen, taucht dieser Mann ständig auf und möchte ihnen wichtige Versicherungen verkaufen. Als Menschen sterben und sogar ein Baby verstümmelt wird, beschließen die Freude etwas zu ändern und kommen den dunklen Machenschaften der Versicherungsgesellschaft auf die Schliche.

Der Einstieg in die Geschichte beginnt mit der Rückkehr des frischgebackenen Singles. Ich lernte Hunt in wenigen Seiten kennen und bekam ein lebendiges Bild von dem Protagonisten. Bei der Einführung achtet der Autor darauf, dass er nicht zu ausschweifend beschreibt, sondern nur relevante Details einbaut. Binnen weniger Seiten kommt Bentley Little zum eigentlichen Geschehen der Geschichte – dem Horror mit den Versichungsgesellschaften. Die Idee finde ich persönlich super gewählt.
Mal ehrlich, wer hatte nicht schon einmal Ärger mit einer Versicherung, weil etwas nicht abgedeckt war, oder hat sich nicht jeden noch so kleinen Punkt im Vertrag durchgelesen. Hinterher kommt das Erwachen und das Ärgernis. Genauso ist es alltäglich, dass Versicherungsvertreter anrufen, vor der Tür stehen oder bei einem Schadensfall eine weitere unnütze Versicherung anbieten möchten. Wie man sieht, ist der Grundgedanke realistisch und wirkte dadurch noch packender.
Um den Leser noch besser zu packen und zu verwirren, setzt der Autor auf regelmäßige Wechsel der Perspektive. In der Regel wird die Geschichte aus Sicht von Hunt erzählt und dabei wird auf die Erlebnisse eingegangen, die ihm und seiner Frau widerfahren. Nebenher erlebt der Leser jedoch auch Situationen, die seinen Freunden passieren. Dies sind Situationen, die sich daraus ergeben, wenn sie keine der zusätzlichen Versicherungen abschließen.
Teilweise ist es schockierend, gruselig und beängstigend. Wer möchte schon zum Zahnarzt gehen und plötzlich alle Zähne gezogen bekommen und gegen silberne Implantate ersetzt bekommen, oder zur Geburt ins Krankenhaus fahren, um dann zu erleben, wie dem eignen Baby der Penis abgeschnitten wurde, damit man als Strafe ein Mädchen in den Armen hält. Viele Ideen sind harmlos, aber andere sind wirklich krank. Bei jeder neuen Versicherung fragte ich mich sofort, was nun schreckliches passieren würde. Es ist wirklich spannend und sobald sich die Geschichte nach rund 50 Seiten aufgebaut hat, konnte ich gar nicht mehr aufhören. Ich wollte einfach wissen was hinter dieser Gesellschaft steckt. Für ein Horror-Buch ist dies genau die richtigen Mischung aus Schrecken und Grausamkeit. Ich fand es sehr faszinierend, wie Bentley Little immer neue Ideen einbaut. Es sind kranke Ideen, die mich an „Saw“ erinnern.
Zwar wartete ich stets auf die angekündigten Dinge aus dem Klappentext, aber ich merkte schnell, dass dies nur Beispiele waren, um den Leser neugierig zu machen.
Die Geschichte ließ sich flüssig lesen und der lebendige, bildhafte und moderne Stil, der sich auf das Wesentliche in den kurzen Kapiteln beschränkt, konnte mich überzeugen.

Überzeugen konnte mich trotz alledem ein wichtiger Aspekt dieser Lektüre nicht. Der Schluss zeigt wieder, dass Bentley Little ein Schriftsteller ist, der zwar fesseln kann und gute Ansätze hat, diese aber nicht treffend beenden kann. 400 Seiten lang habe ich mitgefiebert, wie es nun ausgehen würde. Bei einem so authentischen Thema erwartete ich auch eine realistische und logische Auflösung. Stattdessen verliert sich der Autor in einem Gemisch aus Fantasy und Sci-Fi. Am Ende baut er sogar eine Hexe, Zauber und einen Zwerg ein. Sorry, aber das passte alles überhaupt nicht zum restlichen Teil des Buches. Ein offener oder trauriger Schluss, wäre mir lieber gewesen, als dieser zusammengeschusterte Fantasy Abschluss.

Trotzdem habe ich unter Kopfschütteln das Buch zu Ende gelesen. Empfehlen kann ich das Buch. Der Einstieg und Mittelteil ist in meinen Augen perfekt für einen Roman des Horror Genres. Auf Grund der Ideen, die Little hier umsetzt, würde ich das Buch nur jugendlichen ab 16 Jahren empfehlen.

===Bewertung===
Ein authentisches Thema, das die Ängste der Menschen schürt, ist mit einem packenden, modernen und bildhaften Stil ideal umgesetzt. „Fieber“ fesselt den Leser mit abwechslungsreichen Ideen und einem flüssigen Stil. Lediglich der übertriebene und unpassende Schluss zerstören das anfängliche Werk und sorgen dafür, dass es nur drei Sterne bekommt.

===Leseprobe===