Wolfgang und Heike Hohlbein - Das Buch

==Die Buchhandlung des Schreckens==
   

===Buchdaten===
Autor: Wolfgang Hohlbein
Titel: Das Buch
Verlag: Ueberreuter
Erschienen: 2007
ISBN-13: 978-3800053254
Alter: ab 12
Seiten: 854
Einband: HC, aber auch TB
Kosten: 2,31€ gebraucht
Serie: -

===Zitierter Klappentext===
Leonie stammt aus einer altehrwürdigen Buchhändlerfamilie. Wie schon ihre Großmutter ist auch sie eine "Hüterin der Wirklichkeit". Ihre Aufgabe ist es, über ein riesiges Archiv auf der "anderen Seite" zu wachen, in dem Scriptoren - hässliche Gnome - damit beschäftigt sind, minutiös Buch über das Leben jedes einzelnen Menschen zu führen. Als ihre Eltern ein Buch aus dem Archiv entwenden, muss sich Leonie einem gefährlichen Kampf um die einzig gültige Wahrheit stellen, denn die beiden schreiben die Wirklichkeit um - mit katastrophalen Folgen!

===Meine Meinung===
Wolfgang Hohlbein ist ein sehr wechselhafter Autor, dem es mal gelingt die brillantesten Werke zu verfassen und andere Bücher würde man am Liebsten in den Müll verfrachten. Als absolute Leseratte war ich auf dieses Buch natürlich sehr erpicht, denn es dreht sich alles um mein Hobby Bücher.

Leonie ist mit Büchern groß geworden. Schließlich hat ihre Großmutter einen Buchladen. Leider kann sie selbst mit dem geschriebenen Wort wenig anfangen. Wozu gibt es MP3-Player, Gameboys und Co. Doch für Leonie ändert sich alles rapide, als ihre Großmutter sie als Erbin der Buchhandlung einsetzt und ihre Mutter überspringt. Kurz nach dem Notar-Termin kommt die Großmutter bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben. Für die Familie bedeutet dies eine große Umstellung, denn die Großmutter hatte ein altes Geheimnis. Sie war die Hüterin der Wirklichkeit und dieses gilt es nun um jeden Preis zu schützen.

Der Einstieg in die Geschichte ist nicht unbedingt leicht. Hohlbein hat die Angewohnheit bei seinen langen Werken, dieses hat über 800 Seiten, die Einführung sehr ausführlich zu gestalten. In diesem Fall benötigte ich rund 100 Seiten bis ich die Situation grob erfasst und mit der Hauptfigur Leonie etwas warm wurde. Die genauen Hintergründe über das Geheimnis, welches schon im Klappentext erwähnt wurden, bleiben jedoch auch zu diesem Zeitpunkt noch verborgen und werden erst später aufgedeckt. Bei solchen Einführungen würde ich mir wünschen, dass Hohlbein seine Werke auf rund 500 Seiten kürzen würde. Was nützt eine detaillierte Geschichte, wenn der fesselnde Punkt erst sehr spät erscheint und man zu lange benötigt, um die Handlung begreifen zu können!?

Für die 864 Seiten habe ich ganze vier Tage benötigt und Wolfgang Hohlbein hat es mal wieder geschafft, dass ich von einem seiner Werke alles andere als begeistert war. Stellenweise hatte ich sogar große Lust Passagen zu überspringen oder sogar ganz das Buch abzubrechen. Die Idee ein Buch zu verfassen, dass sich mit Büchern befasst, fand ich sehr gelungen. Der Ansatz erinnerte mich stark an die unendliche Geschichte – Fantasie die sich auf Grund von Büchern aufbaut. Was nützt es aber, wenn die Idee spannend und interessant ist, der Autor sie jedoch nicht umsetzen kann!? Ellenlange Wiederholungen stehen hier an der Tagesordnung. Zwar sind es keine direkten Wiederholungen, sondern ähnliche Szenen, aber man hat ein Déjà-vu. Dies ist nicht auf einen Bereich beschränkt, sondern tritt in vielen Gebieten auf. Ständig kommt es zu Streitigkeiten, brutalen Schlachtszenen und dem Auftauchen der kleinen Maus. Das Problem ist, dass diese Szenen alle ähnlich verlaufen und nur mit anderen Worten beschrieben werden. Irgendwann ist es einfach nur langweilig. Auch Floskeln werden zum Erbrechen wiederholt und spätestens hier merkt man, dass Hohlbein drastisch in die Länge zieht. Das Länge nicht unbedingt Qualität bedeutet hat er leider noch nicht begriffen.

Beschreiben tut Hohlbein sehr ausführlich. Egal ob neue oder fremde Ort, Protagonisten oder Gedankengänge. Dadurch ist sein Stil sehr lebendig, modern und bildhaft. Ich hatte an keiner Stelle ein Problem mir neue Protagonisten oder Orte im Kopf vorstellen zu können. Leider umschreibt Hohlbein auch unwichtige Randfiguren so detailliert, dass man sie oft als wichtige Charaktere ansieht und dann feststellen muss, dass sie plötzlich nicht mehr weiterverfolgt wird. Das fällt nicht nur bei den Figuren auf, sondern auch im Bereich der Wendung und des Ansatzes. Oft werden Aspekte aufgegriffen, der Leser lässt sich darauf ein, und plötzlich lässt Hohlbein diesen Gedanken wieder fallen. Dadurch mangelt es bei Handlungen und einigen Situationen oft an Logik.

Auch wenn es oft langweilig wurde und mir die Logik oft fehlte, kam eine gewisse Grundspannung auf, dass ich wissen wollte, wie nun die Geschichte zu Ende geht. Zwar ist diese Spannung auf einem sehr flachen Level und wird auch gerne durch unnötige Darstellungen unterbrochen, aber es weckt zumindest die Neugier. Aus diesem Grund bin ich besonders über den Schluss enttäuscht. Hohlbein hat ein Ende gewählt, was im Bezug auf die vorhergegangenen Erlebnisse aus der Luft gegriffen wirkt. Ich hatte das Gefühl, dass ihm zu seiner eigentlichen Geschichte kein Schluss einfällt und er einfach irgendwas ausgedacht hat, um die Handlung halbwegs spannend abzuschließen. Fragen bleiben offen, Logik ist hier fehl am Platze und es wirkt gänzlich erzwungen. Hätte ich vorab gewusst, wie es ausgeht, ich hätte das Buch nach 200 Seiten abgebrochen und definitiv nichts verpasst.

Eine Empfehlung auszusprechen, fällt mir an dieser Stelle sehr schwer. Nicht mal für eingeschweißte Hohlbein-Fans ist dieses Buch ein Highlight. Sicherlich ist es eine Frage des Geschmacks, aber mir hat es persönlich keinen Lesegenuss verschafft, sodass ich es nicht empfehlen kann.

===Bewertung===

Hohlbein greift eine interessante und spannende Idee auf, verliert sich jedoch in zahlreichen Wiederholungen, die die Spannung auf ein Minimum reduzieren. Für mich kein Meisterwerk des Autors und bekommt daher nur zwei Sterne.


===Leseprobe===
Wer trotzdem Neugierig ist, kann hier einen Blick in das Buch werfen und einige Seiten lesen.