Klinger, Ralf - Geige zu verschenken

==Geige zu verschenken==



===Einleitung===
Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches seit einigen Wochen in meinem Regal steht. Ich habe es von einer befreundeten Autorin geschenkt bekommen. Es handelt sich um eine Sammlung von Kurzgeschichten, die im Jahre 1995 veröffentlicht wurde. Als bekennende Ungern-Leserin von Kurzgeschichten, ist es natürlich interessant, wie mir diese gefallen haben.....

===Buchdaten===
Autor: Ralf Klinger
Titel: Geige zu verschenken. Und andere Kurzgeschichten. Großdruck
Verlag: Verlag der St.-Johannis-Druckerei 1995
Erschienen: 1995
ISBN-13: 978-3501012659
Seiten: 127
Einband: TB
Kosten: gebraucht ab 0,01€ bei Amazon
Serie: -

===Autor/in===
Ralf Klinger wurde 1929 in der Nähe von Danzig geboren. Er studierte Theologie an der Universität in Mainz und in Marburg. Nach seinem Schuldienst und einer Laufbahn im Pfarramt hat sich der Autor in den Ruhestand zurückgezogen, den er in Garstedt genießt.

===Zitierter Klappentext===
»Geige zu verschenken« und andere Kurzgeschichten.
Der Autor berichtet in seinem neuen Buch von Begegnungen mit verschiedenen Menschen, die ihn ein Stück seines Lebensweges begleiteten. Dabei macht er immer wieder die Erfahrung, daß das Wichtigste die Zusage Gottes bleibt, daß er mit uns geht.

===Meine Meinung===
Kurzgeschichten sind ein Bereich in der Literatur, die ich zwar lese, aber nicht unbedingt bevorzuge. Was aber nicht heißen soll, dass mich manche Sammlungen mit Kurzgeschichten nicht sogar gefesselt haben. Für unterwegs oder zwischendurch sind Kurzgeschichten ideal, aber ich finde es stets schade neugewonnene Freunde gleich wieder zu verabschieden.

Auf dieses Buch hatte ich mich irgendwo gefreut. Der Titel klang recht lustig und der Großdruck macht das Lesen sogar sehr angenehm. Insgesamt warten 18 Kurzgeschichten auf den Leser. In der einen Geschichte geht es zum Beispiel um die Thematik des Teilens. In einer weiteren Kurzgeschichte befasst sich der Autor mit einer Nachtwanderung. Und in einer ganz anderen geht es um die Erlebnisse einer Klassenreise. Wer einen Blick auf das Inhaltsverzeichnis wirft und sich die Titel anschaut, wird die Vielfalt feststellen und sich auf heitere Anekdoten aus dem Leben von Ralf Klinger freuen.

Leider währt diese Vorfreude nur sehr kurze Zeit. Schon nach den ersten beiden Kurzgeschichten verging mir die Lust am Lesen. Leider kam diese auch bis zum Schluss nicht wieder. Ralf Klinger hat in meinen Augen kein Talent Kurzgeschichten zu verfassen. Eine gute Kurzgeschichte sollte all das haben, was ein gutes Buch auch hat. Einen schnellen Einstieg, einen guten Mittelteil und einen knackigen Schluss. Protagonisten sollten kurz und lebendig geschildert sein, dabei sollte der Inhalt spannend, lustig oder interessant sein, sodass der Leser aus irgendeinem Grund mitgerissen wird. Auf jeden Fall sollte sie zusammenhängend und am Ende abgeschlossen sein. Jeder Autor weiß, dass aus diesen Gründen Kurzgeschichten eine Art Herausforderung darstellen. In einem normalen Buch kann der Autor abschweifen, längere Erklärungen einbinden und detaillierter schildern. In einer Kurzgeschichte muss hingegen alles auf den Punkt gebracht werden und dabei noch Spaß beim Lesen bereiten.
Und da liegt in meinen Augen das Problem. Ralf Klinger verliert sich, kommt nicht auf den Punkt und konnte mich weder fesseln noch zum Schmunzeln bringen. Nehmen wir zum Beispiel die Geschichte, die sich um die Nachtwanderung dreht. Es handelt davon, dass seine Konfirmanden sich auf ihren Ausflügen stets eine Nachtwanderung wünschen. Statt von einem solchen Erlebnis zu berichten, was sicherlich spannend gewesen wäre, erzählt er recht allgemein etwas von der Faszination Nachtwanderung, was er mal als kleiner Junge erlebt hat und wie andere Nachtwanderungen ausgesehen haben. Ständig wechselt er die Zeit, wirft immer wieder neue Ansätze ein, die aber alle zusammen eher langatmig sind. Hätte er eine Anekdote ausgewählt und diese geschildert, wäre es deutlich besser geworden, wie zum Beispiel in der Titelgeschichte. Dort geht es um einen alten einsamen Mann, dessen Frau verstorben und sein Sohn ins Ausland gegangen ist. Durch einen Zufall kommt er auf eine Idee, wie er Kontakte mit der Außenwelt knüpfen kann und setzt diese bis zu seinem Tod glücklich ein. Dies ist eine der wenigen Geschichten, die mir wirklich gefallen hat, weil er einfach bei einem Thema und einer Anekdote bleibt und nicht ständig andere Dinge einwirft.

Was alle Kurzgeschichten gemeinsam haben, ist die Verbindung mit Religion. Eingeworfene Bibelsprüche oder Bezüge auf eine Geschichte in der Bibel bringt der Autor regelmäßig. Da er diese angekündigt hat, war ich als Leser darauf eingestellt und war ehrlich gesagt überrascht, wie der Autor versucht es in Grenzen zu halten. Es kommt vor, aber nicht so, dass sich Leser, die nicht an Gott glauben, gestört fühlen würden.

Was die Empfehlung für dieses Werk betrifft, so bin ich sehr unentschlossen. Jede Geschichte hat etwas lehrreiches oder regt den Leser zumindest zum Nachdenken an. Leider sind nur wenige Kurzgeschichten wirklich gut, sodass ich das Buch wirklich nur Leuten ans Herz legen kann, die keine lustigen oder spannenden Anekdoten erwarten, wie es bei mir der Fall war.


===Bewertung===

Geige zu verschenken“ ist ein Buch in Großdruck, welches 18 mehr oder weniger gute Kurzgeschichten enthält, die den Leser zum Nachdenken anregen. Weder spannend noch wirklich heiter kommen die Anekdoten aus Ralf Klingers Leben daher. Für mich zwei Sterne

===Zitat zum Einblick in den Stil S. 9===
Warum wollten meine Konfirmanden unbedingt eine Nachtwanderung machen? Manch einer denkt bei solchen Wegen: Wie gut, daß ich nicht allein bin. Die anderen, die bei mir sind, machen mir Mut. Noch tröstlicher