Martin, Hansjörg - Herzschlag

==Es lebe die NKVP==



===Einleitung===
Heute möchte ich einen Titel vorstellen, den ich mir vor einiger Zeit mit mehreren anderen Werken ertauscht habe. „Herzschlag“ gehörte zu den dünnen Werken, die zwar interessant klangen, mich jedoch intuitiv abschreckten. Ob mein Bauchgefühl stimmte, lest selbst.

===Buchdaten===
Autor: Hansjörg Martin
Titel: Herzschlag
Verlag: Knaur
Erschienen: 1995
ISBN-10: 3426603578
ISBN-13: 9783426603574
Seiten: 270
Einband: TB
Kosten: Damals 12,90DM; heute ab 1,00€ gebraucht
Serie: -

===Autor/in===
Hansjörg Martin wurde 1920 in Leipzig geboren. Schon im Kindesalter entwickelte sich der Berufswunsch Maler, Graphiker oder Illustrator in seinem Kopf. Nach seinem abgeschlossen Studium musste er als Soldat an die Front. Im Anschluss schlug er sich mit diversen Jobs herum, bis er durch einen zufälligen Bucherfolg als freier Schriftsteller tätig wurde. Inzwischen liegen mehr als 90 Werke von ihm vor, die in vielen Sprachen erschienen sind. Verstorben ist der bekannte Schriftsteller 1999 auf Mallorca.

***Weitere Werke***
  • Cordes ist nicht totzukriegen, 1968
  • Süßer Tod, 1987
  • Mit dem Wind gegen das Gesetz, 1988

===Zitierter Klappentext===
Paul Stein ist ein engagierter und erfolgreicher Journalist, der die aktionen der rechtsradikalen NKVP mit Entsetzen verfolgt und bereits einen neuen Unrechtsstaat heraufdämmern sieht. Da erfährt er von seinem Arzt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat. Er hta nichts mehr zu verlieren und beschließt, den Vorsitzenden der NKVP zu ermorden. Mit einer Zeitbombe, getarnt als Tonbandgerät, nimmt er bei einer Wahlversammlung der Rechtsradikalen direkt neben den Rednerpult Platz ...

===Meine Meinung===
Auch wenn Hansjörg Martin schon zahlreiche Werke veröffentlicht hat und sowohl zu seinem Lebzeiten, als auch nach seinem Tod als bekannter Schriftsteller bekannt ist, muss ich zugeben, dass dies mein erstes Werk aus seiner Feder ist.

Paul Stein ist erfolgreich als Journalist tätig, als in die erschreckende Nachricht, unheilbarer Krebs, ereilt. 200, maximal 250 Tage bleiben ihm noch bis zu seinem Ableben. Eine Zeit die er nach einigem Grübeln sinnvoll nutzen will. Statt Reise, ein Drehbuch, Selbstmord oder wilden Sex, möchte er eine Serie veröffentlichen, die sich mit dem Vorsitzenden Schlier der NKVP befasst. Diese möchte er kurz vor dem Wahlkampf herausbringen, um dieser Partei das Handwerk zu legen. Bei seinen Recherchen wird er Augenzeuge einer Parteisitzung, die ihm die Augen öffnet und den Entschluss reifen lässt, dass die Serie allein nicht ausreicht, um Schlier aus dem Weg zu räumen. Stein entwickelt den irrsinnigen Plan bei einer Rede Schlier mittels einer Bombe in seine Einzelteile zu zerlegen.

NKVP bedeutet National-Konservative Volkspartei und somit hat sich der Autor einem Thema gewidmet, dass wohl leider nie an Aktualität verlieren wird. Rechtsradikale Ansichten und Parteien wird es leider Gottes immer geben. Dementsprechend war ich gespannt, wie Hansjörg Martin, der damals Zeitzeuge dieser grausamen Zeit war, sich mit dieser brisanten Thematik auseinandersetzen würde.

Der Einstieg in seine Geschichte beginnt mit der erschreckenden Prognose Krebs, die seinen Protagonisten nur noch wenig Zeit einräumt. Anfänglich ist dieser Protagonist Paul Stein sehr sympathisch. Er denkt rational, handelt logisch und hat einen gewissen Charme. Im späteren Verlauf änderte sich jedoch meine Einstellung der Hauptfigur gegenüber. Seinen gewissen Egoismus in Berufsdingen konnte ich noch nachvollziehen. Seine Denkweise bezüglich Seitensprünge war mir jedoch zu wider, sodass er dadurch sehr an Sympathie verlor.

Hat man erst einmal Paul kennengelernt, wird man langsam aber stetig an die eigentliche Grundthematik, die NKVP, herangeführt. Leider ist dies in meinen Augen sehr trocken. Das mag daran liegen, dass ich es mir deutlich spannender vorgestellt habe. Hansjörg Martin führt in einer ellenlangen Biographie den Vorsitzenden Schlier ein. Sein gesamter Werdegang wird für den eigentlichen Artikel beleuchtet. Das zeigt, wie viel Mühe sich der Autor gemacht hat, rundet das Bild von Schlier ab, aber wirkt auch sehr nüchtern. Nach rund 100 Seiten geht es dann endlich mal Richtung Partei weiter. Dort nimmt man als Leser an Versammlungen teil, erlebt Interviews und lernt die Grundsätze dieser Partei kennen. Es ist interessant einmal solche Einblicke zu bekommen. Aber auch dieser Teil ist irgendwie sehr sachlich gehalten und es kommt keinerlei Spannung auf. Erst als es im dritten Teil des Buches, es ist in drei Hauptkapitel unterteilt, zum Bombenanschlag kommen soll und dieser detailliert geplant wird, kommt zum ersten Mal etwas Spannung auf. Immer mehr wartet der Leser auf den Höhepunkt und kann es nicht erwarten, bis der Tag gekommen ist. Und damit ist auch wieder eine kleine Enttäuschung gekommen. Zwar fand ich die Auflösung dieser Situation sehr schön gewählt, denn sie ist gewaltfrei, was man eigentlich gar nicht erwarten würde, aber der Nachtrag, der eine ganz neue Wendung zum Schluss brachte, war überflüssig und passte in meinen Augen nicht.

Im Großen und Ganzen ist dieses Buch interessant geschrieben und befasst sich in meinen Augen mit einer wichtigen Thematik, die man nie unter den Tisch kehren sollte. Spannung mag da in manchen Augen fehl am Platze sein, ich empfand es jedoch so, als fehlend. Eine so trockene, schockierende und bewegende Thematik kann meines Erachtens nicht ganz ohne Spannung auskommen. Sie zieht den Leser zumindest mehr in den Bann. Nichtsdestotrotz ist es dem Autor gelungen die Thematik anschaulich an den Mann zu bringen, weswegen ich das Buch auch ohne Spannung empfehlen kann.

===Bewertung===

Hansjörg Martin ist mit dem Titel „Herzschlag“ ein aufklärendes Buch rund um die rechtsradikale Szene gelungen, dass stellenweise langatmig und trocken erscheint, jedoch einen wissenswerten Inhalt, anschaulich präsentiert. Fast gänzlich ohne Spannung fesselt der Autor trotzdem, was mir drei Sterne wert ist.