Schinko, Barbara: Feengabe



==Eine Autorin die man sich merken
sollte==




Wer
aus mir trinkt, der wird ein Fuchs!“, flüsterte Mavie und bereute
es sofort – denn ihre Stimme klang so unheimlich und rau, als hätte
wahrhaftig das Wasser gesprochen.
Sorley
zog die Hand zurück. Er legte den Kopf schief und musterte Mavie aus
wachen grauen Augen. „Die verhexen dich, wenn du bei ihnen
trinkst!“, warnte sie. „Drum nehm ich ja vorher noch ’nen
kräftigen Schluck.“ Er schöpfte erneut aus dem Rinnsal, und
diesmal führte
er
die Finger tatsächlich zum Mund. Mavie beobachtete bange, wie er
schlabberte und schlürfte. Als ihm jedoch kein Pelz wuchs, konnte
auch sie ihren Durst nicht mehr bezähmen.
(Zitat
aus der Leseprobe S. 7 (http://www.mondwolf.at/Die_Feengabe.html))

  


===Buchdaten===
Autor:
Barbara Schinko
Titel:
Feengabe
Verlag:
Mondwolf
Erschienen:
2011
ISBN-10:
395030021X
ISBN-13:
9783950300215
Seiten:
300
Kosten:
14,55€
Serie:
-



===Zitierter Klappentext===
Mitternacht und
ein Jahr! Der Feenbann wird dünner und noch ehe der Geisterer ihn
erneuern kann, verschwindet das ersteMädel. Zusammen mit ihrem
Freund Sorley macht sich Mavie auf, um ihr Schwesterherz zubefreien.
Doch wer den Feen verfallen ist, den kann nur wahre Liebe retten.


===Meine Meinung===
Barbara Schinko
ist eine junge Autorin, die schon mit der recht kurzen
Fantasy-Geschichte „Rabenfeder“ ihr Können unter Beweis gestellt
hat. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sich an einem weiteren
Fantasy-Werk versuchen würde. Endlich ist es soweit und ein 300
seitiger Fantasy Roman für Leser ab 16 Jahren wartet nun auf den
Leser.


Doch auf den
ersten Blick wirkt das Buch eher enttäuschend. Die düsteren Farben
vom Cover passen gar nicht zu einem so farbenfrohen Buch, wie es die
Kurzbeschreibung erwarten lässt. Der Klappentext lässt sich auf
Grund der ähnlichen Farbe nur schlecht lesen, sodass man als Leser.
Kein Vergleich zu den vorherigen Werken der Autorin. Man konnte nur
hoffen, dass sie zumindest in ihrem gewohnt bildhaften Stil ihre
einmaligen Ideen festgehalten hat.


Der Leser wird in
die Welt der Schwestern Stella und Mavie entführt. Sie sind die
Töchter des Gouverneurs von Dalin, einer kleinen Insel. Während
Stella nur von Kleidern, Prinzen und Romantik träumt, ist Mavie
genauso abenteuerlustig wie ihre Großmutter Grainne. Den Sommer
haben sie bei ihrer Großmutter verbracht und müssen nun zurück.
Doch irgendetwas scheint nicht zu stimmen. Wie es scheint wird der
Bann der Geister schwächer und die Feen gelangen in die Welt der
Schwestern. Zeitgleich lernt Mavie Sorley, den Sohn eines Abdeckers
kennen. Stella lernt hingegen den Prinzen der Feen kennen und
begleitet ihn. Für Mavie bedeutet es, dass sie mit Hilfe von Sorley
und Grainne ihre Schwester retten muss. Doch die Reise und Rettung
gestaltet sich schwerer als erwartet und sie müssen zahlreiche
Abenteuer bestehen.


Wie ihr merkt, ist
die Geschichte komplex, aber inhaltlich ein ansprechendes
Fantasy-Abenteuer für jugendliche Leser. Mit diesem Werk spricht
Barbara Schinko jedoch nicht nur jüngere Leser an, sondern hat auch
junggebliebene Leser wie mich überzeugt.


Anfänglich schien
mir der Einstieg etwas schwer, sodass meine Bedenken vom Cover her
stetig wuchsen. Als Leser wurde ich einfach zu schnell in diese
komplexe Geschichte geworfen und wusste gar nicht wo ich mich genau
befand. War es noch die reale Welt, in die später Magie kommen würde
oder war es doch schon eine ausgedachte Welt?! Zudem waren die
Charaktere zwar bildhaft beschrieben, aber es dauerte einige Seiten
bis sie mir vertrauter waren und ich mich besser in sie
hineinversetzen konnte. Irgendwann ist jedoch der Punkt erreicht, an
dem es Barbara Schinko schafft, eine fantasievolle, märchenhafte
Stimmung zu schaffen. Gerade die märchenhafte Stimmung kommt
besonders gut durch. Immer wieder kommt bei mir dieser Aha-Effekt,
dass ich ein altes Märchen im Ansatz wiedererkenne. Das macht die
Geschichte gleich noch liebenswerter. Dabei gibt sich die Autorin
sehr viel Mühe, wenn es um liebevolle Details geht. Man sieht die
farbenfrohen Schauplätze und ulkigen Figuren direkt vor seinem
inneren Auge.
Wer jetzt jedoch
ein langweiliges Märchenbuch erwartet, wird enttäuscht oder besser
gesagt überrascht. Mit jeder Seite baut die Autorin geschickt
Spannung auf, die sie durch verschiedene Wendungen und Überraschungen
auf einem angenehmen und konstant ansteigenden Level hält. Durch all
diese Faktoren merkt der Leser gar nicht, wie schnell die Seiten an
ihm vorbeifliegen. Es lässt sich einfach leicht und flüssig lesen.
Ihre gelungene Handlung und der lebendige Stil werden mit einem
krönenden Schluss abgerundet. Er ist authentisch, märchenhaft,
spannend, logisch und passt perfekt zu der vorangegangenen Story. Zum
Schluss hatte ich Mavie durch ihre liebe, chaotische Art, so sehr ins
Herz geschlossen, dass ich etwas traurig war, als das Buch endete.
Aber auch die anderen Charaktere sind nicht nur individuell, sondern
so ansprechend, dass man sie einfach nur ins Herz schließen kann.
Für jeden Leser ist mindestens eine Figur dabei, die ihnen gefallen
wird. Vom coolen Held, über den trotteligen Prinz bis hin zur bösen
Königin ist alles dabei. Hier hat die Autorin viel Kreativität an
den Tag gelegt.


Im Großen und
Ganzen wirkt das Buch auf den ersten Blick eher abschreckend, aber
verzaubert jung und alt durch einen märchenhaften Inhalt. Mich
konnte Barbara Schinko erneut mit ihrem lebendigen, detaillierten,
liebevollen und erfrischenden Stil überzeugen.


===Bewertung===
Barbara Schinko
glänzt als junge Autorin mit einem besonders modernen und frischen
Stil. Ihre Werke sind einmalig fantasievoll und suchen ihresgleichen.
Da nimmt man das düstere Cover gerne in kauf. Von mir gibt es fünf
Sterne.


Pro:
Stil, Handlung, Märchenanteil
Contra:
Cover, Klappentext
Empfehlung:
definitiv