Kellen, Erik: Dragonsoul Bd.1

==Fantasy-Fans aufgepasst==





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Mein Bruder wurde im Meer geboren. Unter den Wellen! Ich bin seine Schwester und liebte ihn von dem Moment an, als ich ihn zum ersten Mal halten durfte. Sein Blick gleicht jener Linie am Horizont, wo Himmel und Meer aufeinander treffen. Er weiß es noch immer nicht. Ich aber wusste, dass ich für ihn sterben wollte, jederzeit und überall. Und das tue ich gerade - ich sterbe! Zwei Pfeile stecken in meiner linken Seite, einer davon dreht sich noch immer gnadenlos in meine Lunge, voller Gift, und deshalb spucke ich Blut. (ZITAT. S. 9)



So beginnt der Prolog des neuen Fantasy Romans aus der Feder von Erik Kellen, und lässt den Leser auf großes Hoffen. Wie der Autor den Rest des Buches umgesetzt hat, könnt ihr nun hier nachlesen.
===Zitierter Klappentext===
Als ein steinerner Sarkophag aus den Tiefen des Nordmeeres gehoben wird, erwachen die dunklen Schatten einer uralten Vergangenheit zu neuem Leben. Das lang eingesperrte Böse greift erneut nach der Macht und bahnt sich einen Weg bis zu Nilah van Arten, einer jungen Frau aus Hamburg, deren Leben sich dabei für immer verändern wird. Aus einer Reise nach Irland wird ein Mysterium. Eine unheimliche Begegnung offenbart Nilah ein Band, das bereits lange vor ihrer Zeit geknüpft wurde. Dieses Band ist Liran, ein keltischer Krieger der legendären Fianna. Er wurde einst zu ihrem Anam Ċara erwählt und steht ihr nun als Leibwächter zur Seite.Zurück in Hamburg hat sich Nilahs alte, vertraute Welt aufgelöst. Sie gerät in einen Kampf, der über zwei Jahrtausende ruhte, nun aber umso erbitterter wieder aufgeflammt ist. Sie muss kämpfen, sie muss fliehen, sie muss unbedingt am Leben bleiben und sich der fanatischen Kraft des Bösen stellen - denn nichts Geringeres als die Schöpfung selbst steht auf dem Spiel.

===Meine Meinung===
Dragonsouls“ ist ein Fantasy-Roman der optisch ein echter Eye-Catcher ist. Der düstere Blick eines Kriegers und die zarte Frau mit dem Schiff, welches den Titel umrandet, hätten nicht besser gewählt werden können. Dieses Cover verspricht genau wie der Klappentext Spannung, Nervenkitzel und eine große Portion Fantasy. Lediglich die Beschreibung „Eine Hoffnung: Eine junge Frau aus Hamburg“ führt anfänglich zu Schmunzlern, denn irgendwie passt eine solche Protagonistin weniger ins Bild eines gelungenen Fantasy Romans.

Erik Kellen entführt seine Leser in ein magisches Abenteuer, dass nicht mit Vampiren, Werwölfen, Elfen oder Feen vollgestopft ist, wie es zur Zeit bei vielen Romanen üblich ist. Nilah, eine junge Hamburgerin, ahnt noch nicht, dass ein steinerner Sarkophag, der aus dem Nordmeer geborgen wird, ihr Leben auf den Kopf stellen wird, denn dieser Sarkophag lässt die alten Mächte erwachen und lässt das Böse, welches sich in ihm befindet wieder frei. Nilah gerät zwischen die Fronten eines unerbitterlichen Kampfes, der 2000 Jahre ruhte, um nun endlich ihren Höhepunkt zu erleben. Nilah bleibt nichts anderes übrig, als um ihr Leben zu kämpfen, denn es steht die Schöpfung auf dem Spiel, und nur sie kann dies alles verhindern.

Der Einstieg in das Buch beginnt mit einem Prolog, der den Leser in den eigentlichen Kampf 2000 Jahre zuvor entführt. Viel zu schnell wird man jedoch in die heutige Zeit zurückgeworfen. Während die Vergangenheit noch spannend war, verwirrte mich die Gegenwart eher. Es bedarf einiger Seiten und Kapitel, bis der Leser wirklich in das Geschehen hineingezogen wird. Die Verwirrtheit, die beim Lesen entstand ging nicht nur von den zahlreichen Sprüngen hervor, sondern lag hauptsächlich an dem Stil, den der Autor gebraucht. Trotz vieler Adjektive und zahlreicher Details kam bei mir nur schwerlich ein Bild von Protagonisten, Situationen oder Schauplätzen in den Kopf. Obwohl ich als gebürtige Hamburgerin sicherlich einiges erkennen sollte, kam das Erkennen oft erst im Nachhinein. Teilweise entstand bei mir das Gefühl, dass ich den Text gelesen hatte und zwei Seiten später gar nicht mehr wusste, was ich gelesen hatte. Mir fehlte einfach die Visualisierung, die Worte sonst bei mir hervorrufen. Vielleicht liegt es daran, dass teilweise einfach zu viel beschrieben werden muss und es dadurch langatmig und trotz der vielen Adjektive blass bleibt.
An diesem Punkt war ich schon kurz davor, dass Buch aus der Hand zu legen, aber zum Glück habe ich diesem Drang widerstehen können. Je mehr man liest, desto mehr lichtet sich der Nebel um das Kopfkino und die Bilder entstehen. Die Protagonisten werden verständlicher und die Handlung nimmt Gestalt an. Ab diesem Zeitpunkt, rund 80 Seiten später, baut sich in meinen Augen endlich die Spannung. Zwar ist vorher sicherlich auch genügend Action vertreten und der Autor hat von Anfang an auf Spannung gesetzt, aber mir persönlich geht gerade durch die schlechte Visualisierung am Anfang die Spannung verloren. Das mag sicherlich bei anderen Lesern nicht der Fall sein. Wer von Anfang an in die Geschichte findet, wird auch die anfängliche Spannung, die sich zum Schluss hin sichtbar steigert, spüren.

Neben der eingebauten Spannung setzt der Autor nicht nur auf Magie oder Liebe, denn die fehlt in kaum einem Buch, sondern auch auf einen angenehmen Humor, der den einen oder anderen Schmunzler hervorruft, wenn es um die Figur Tok geht.

Nachdem ich den Punkt überwunden hatte, und das Buch endlich genießen konnte, konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Die Kombination aus Liebe, Humor, Magie und Action ist bis zum Schluss fesselnd. Durch den logischen Schluss, der in meinen Augen sehr gut gewählt ist, bekommt der Leser Lust auf mehr. Da schon der Klappentext aufklärt, dass es sich um Band 1 handelt, stellt sich nun die Frage, wann der Leser in den Genuss des nächsten Bandes kommen wird. Hier bleibt stark zu hoffen, dass der Einstieg diesmal gleich gelingt.

Auch die innere Gestaltung des Buches finde ich sehr ansprechend. Kurze Kapitel und kleine Zeichnung, wie es der Leser schon vom Cover her kennt, bieten kurze Ruhepole oder gute Unterbrechungen, wenn man, wie ich, nicht an einem Stück lesen kann.

Lediglich das Buchformat finde an der Gestaltung etwas negativ, da es einfach sehr unhandlich ist, wenn man nur eine Hand zum Halten des Buches frei hat. Aber ohne dieses übergroße Format, hätte das Taschenbuch auch doppelt so viele Seiten gehabt, und wäre mit deutlich höheren Druckkosten verbunden gewesen.

Im Großen und Ganzen ist Erik Kellen ein Fantasy Roman gelungen, der zumindest bei mir nicht sofort auf Jubelschreie stieß. Die Protagonistin Nilah war mir lange Zeit fremd, Beschreibungen zu langatmig und blass, und manche Dinge waren so belanglos formuliert, dass man ganz vergaß, was man gerade gelesen hatte. Nichtsdestotrotz schaffte es der Autor auch mich letzten Endes von diesem Buch zu überzeugen, denn nach 80 Seiten beginnt man schlagartig in die Handlung zu kommen, Beschreibungen nehmen Formen an und die Spannung, die am Anfang noch untergeht, kommt endlich zum Vorschein, und hat ihren Höhepunkt am Schluss erreicht, wobei zahlreiche actionreiche Szenen zwischendurch ebenfalls viel Freude bereiten.
Bei einem so komplexen Fantasy-Roman kann man gerne über den schweren Einstieg hinwegsehen, denn Protagonisten müssen eingeführt werden, und manchmal bedarf dies alles eben ein paar Seiten mehr.

===Bewertung===
Dragonsoul – Die Rückkehr des Kriegers“ ist ein Fantasy-Roman, der trotz eines gewöhnungsbedürftigen und teilweise schwächelnden Einstiegs, noch zu Höchstformen anläuft. Für einen ersten Band, der zum Schluss voller Spannung und Action steckt, kann man nur hoffen, dass der zweite Teil dort weitermacht, wo der erste aufgehört hat. Mir ist dieser drei Sterne wert, da der Anfang definitiv für mich zu schwach war.


Pro: Schluss, Spannung, Action, Idee
Contra: Die ersten 80 Seiten
Empfehlung: Ja, wenn die ersten 80 Seiten akzeptiert werden



Autor: Erik Kellen, Titel: Dragonsoul, Verlag: BoD, Erschienen: 2011

ISBN-10: 3842382367, Seiten: 268

Kosten: 14,90€





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