Asia Bibi: Rettet mich

Die Pakistanerin und Christin Asia Bibi hat während der Arbeit auf einem Feld einen Becher Wasser getrunken und ihn an eine Muslimin weitergereicht. Das war ihr Todesurteil. Nun sitzt sie in Haft. Doch Asia ist bereit, mit allen Mitteln zu kämpfen: für ihre Freiheit, für ihren Mann und für ihre Töchter, die sie seit ihrer Verurteilung nicht mehr sehen durfte. (Quelle: Klappentext)


Autor: Asia Bibi, Titel: Rettet mich

Originaltitel: Blaspheme, Verlag: Weltbild

Erschienen: 2011, ISBN-10: 3863650573

ISBN-13: 9783863650575, Seiten: 192

Kosten: 10,99€







Das Buch habe ich von meiner Mutter geschenkt bekommen nachdem sie es gelesen hat. Schicksale aus den Moslem-Regionen gibt es zahlreich. Meist drehen sie sich um Frauen, die unter ihrer Ehe leiden. In diesem Fall geht es jedoch um eine ganz Situation. Deswegen war ich gespannt.



Asia Bibi ist eine der wenigen Christen in einer Region voller Moslem. Als sie während einer Ernte-Arbeit ihren Becher mit Wasser aus einem Brunnen füllt, denkt sie in dieser Situation nicht nach, und füllt sich einen neuen Becher ein, den sie an eine andere Arbeiterin weiterreicht. Allein durch das zweite Eintauchen des Bechers hat sie das Wasser schon verschmutzt. Doch statt in diesem Fall demütig zu schweigen, wie es sich für eine Christin gehört, lehnt sie sich gegen die anderen Frauen auf, und wettert sogar gegen Mohammed und lobt Jesu Christi. Das sie sich damit Feinde macht, ist ihr sofort klar. Mit dem Gefängnis rechnet sie jedoch nicht. Als sie wenige Tage später wieder bei der Ernte helfen will, wird sie nicht nur verprügelt wie ein reudiger Hund, sondern landet auch im Gefängnis, wo sie zum Tod verurteilt wird. Seit dem Tag der Verurteilung wartet sie auf ihre Begnadigung oder die Vollstreckung.


Ich habe niemals getötet, niemals gestohlen ... Jedoch habe ich nach dem Rechtsverständnis meines Landes etwas viel Schlimmeres getan: Ich bin eine Gotteslästerin. Ich habe das Verbrechen aller Verbrechen begangen, die größte aller Beleidigungen: Man beschuldigt mich, schlecht über den Propheten Mohammed gesprochen zu haben. (Zitat S. 8)


Dieses Zitat stammt aus dem Buch „Rettet mich“ und sagt im Grunde alles aus, was es über den Inhalt zu sagen gibt. Genau deswegen habe ich diese Stelle gewählt. Ob sich das Buch lohnt, oder hier nur wieder auf die Tränendrüse gedrückt wird, lest selbst..

Das sich eine Frau gegen die Ungerechtigkeit auflehnt und um ihr Leben kämpft, ist für mich verständlich. Doch schon auf den ersten Seiten konnte ich nur den Kopf schütteln. Das gesamte erste Kapitel ist einfach nur ein Gejammer. Jeder zweite Satz geht darum, wie ungerecht alles ist, wie schlecht das Gefängnis ist, wie sehr sie ihre Familie vermisst und ähnlich. Ich kann diese Gefühle verstehen, aber als Leser möchte man doch gleich zu Beginn erst einmal die Situation kennenlernen und nicht über so viele Seiten hinweg Jammer-Arien lesen. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Asia endlich auf die Hintergründe dieser Tat eingeht. Anfangs geht man ja nur davon aus, dass es wirklich wegen dieses Becher Wassers ist. Doch schon beim Lesen wird klar, dass es ihre sture, aggressive und meckernde Art ist. Als Leser kann man verstehen, dass man sich irgendwann ärgert und so reagiert, aber wer in diesem Land aufwächst und die Sitten kennt, sollte wissen, dass Muslimen ihre Religion sehr ernst nehmen. In Kombination mit der eigentlichen Demut der Christen, hätte ein solcher Ausbruch nicht passieren dürfen. Dementsprechend kann man an diesem Punkt schon wieder nur den Kopf über so viel Pech, Naivität und Eigenschuld schütteln. An späteren Beispielen zeigt sie immer wieder auf, wie extrem ihre muslimischen Landsleute im Bezug auf die verhassten Christen reagieren. Das da ein Todesurteil ausgesprochen wird, ist zwar nicht unbedingt menschlich und gerecht, aber für diese Kultur verständlich.



Es ist schon ein Schicksal, welches wirklich berührt und man möchte dieser Frau auch helfen, aber an ihrer Stelle hätte ich mir eine andere Autorin für diese Biographie gesucht. Mit dieser Wahl hat sie einen großen Fehler gemacht. 70% des Buches besteht nur aus Gejammer. Emotionen schön und gut, aber kein Leser möchte das Gefühl haben, als würde permanent und übertrieben nur auf die Tränendrüse gedrückt.



Der Stil ist leicht abgehackt, und ist auf Adjektive ausgelegt, damit auch wirklich alles perfekt emotional vermittelt werden kann. Dabei achtet die Autorin auf kurze Sätze, damit auch wirklich niemand groß nachdenken muss, sondern in die richtige Richtung geleitet wird.



Die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart hätten auch besser gewählt werden können. Die Sprünge in die Vergangenheit sollen den Leser zumindest etwas ablenken, damit das Gejammer nicht zu extrem erscheint. Zudem soll der Leser dadurch ein besseres Bild über das Leben der Betroffenen bekommen. Dies gelingt ihr, aber kommt in meinen Augen einfach zu kurz. Sie hätte dieses Leben einfach viel mehr beschreiben müssen, um das Herz der Leser richtig zu berühren.



Zudem fehlen mir einfach Fotos. Das in einem Gefängnis sicherlich keine Fotos möglich sind, ist mir klar, aber von der Familie wie sie früher zusammen gelebt hat, hätte man einbauen können.



Nichtsdestotrotz ist das Schicksal traurig, und man kann nur hoffen, dass hier die Menschenrechte einmal durchgesetzt werden, und die Strafe zumindest auf lebenslang geändert wird. Denn in meinen Augen muss man andere Glaubensrichtungen und Kulturen einfach hinnehmen und sich anpassen. Aber dies zu beurteilen ist nicht meine Aufgabe. Ich hoffe, dass der Autorin gelingt, was sie mit diesem Buch bewirken wollte, auch wenn der Weg, den sie dafür benutzt in meinen Augen die Leute zwar einerseits berührt, aber durch die Umsetzung eher abschreckt.Man hat das Gefühl, dass es der Autorin nur um das Schicksal ging, um damit schnell Geld zu machen. Die Idee ist jedoch empfehlenswert.

 
© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt
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