James Finn Garner: Gute Nacht Geschichten

KLAPPENTEXT 

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Der amerikanische Autor James Finn Garner präsentiert 13 der berühmtesten Märchen unter anderem von Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm in einer politisch radikal korrekten Version: Da begegnet uns Rumpelstilzchen nicht als buckliges Männlein, sondern als "vertikal geforderter Mensch", der "arme Müller" als "ökonomisch arg unterprivilegiert", und endlich erfahren wir, was sich hinter der haarsträubend unkorrekten Rede vom Rattenfängerstädtchen Hameln wirklich verbirgt: "eine Gemeinde mit ungiftiger Industrie, einem funktionierenden Verkehrsverbund und einer ausgewogenen ethnisch-religiösen Vielfalt". (Quelle: Klappentext)


SARAHS MEINUNG 

Grimms Märchen dürften jeden von uns ein Begriff sein. Als Kind habe ich diese Märchen geliebt und jetzt als Mutter sehe, lese oder höre ich sie mir auch immer noch gerne an. Dieses Buch ist jedoch ausnahmsweise nicht für junge Leser, sondern richtet sich an die ältere Generation. James Finn Garner hat 13 Märchen einfach mal politisch korrekt umgestaltet.

Da trifft Rotkäppchen zwar ebenfalls auf den Wolf, der ihre Großmutter gefressen hat, aber der Holzfäller, der ihr zur Hilfe eilt, ist in diesem Fall der wahre Übeltäter. Rumpelstilzchen hingegen hilft der armen Tochter aus und zeigt, wie aus Stroh wirklich Gold werden kann. Bei den drei Ziegen und dem Troll wird das Märchen zur Schuldanerkennung umgewandelt. Während Rapunzel keine Lust mehr hat sich ausbeuten zu lassen.

Es war einmal eine junge Person namens Rotkäppchen, die mit ihrer Mutter am Rande eines Waldes wohnte. Eines Tages bat ihre Mutter sie, einen Korb mit frischen Früchten und Mineralwasser zum Haus ihrer Großmutter zu bringen – wohlgemerkt nicht etwa, weil das zu den Aufgaben speziell von Frauen gehörte, sondern weil dieses Tun von Großzügigkeit zeugte und dazu beitrug, ein Gefühl der gemeinschaftlichen Verbundenheit zu erzeugen. (Zitat S. 7)

Wie man erkennt, sind diese Märchen wirklich nichts für Kinder und tatsächlich auch politisch angehaucht. Es ist eine Sichtweise der Märchen, wie sie mir noch nie in den Sinn gekommen ist, und genau damit überzeugt der Autor seine Leser. Er achtet darauf, dass alle Texte frei von Vorurteilen sind. Dabei geht er auf Themen, sie Sexismus, Emanzipation, Ökonomie, Größenverhältnisse, Demokratie, Schuldeingeständnis und vieles mehr ein. Wer die ursprünglich Werke kennt, dort wo es eigentlich politisch nicht korrekt ist, wird das Gefühl haben die Geschichte zu kennen, aber trotzdem eine ganze neue Märchengeschichte präsentiert zu bekommen. Da geht Rotkäppchen nicht zu ihrer Großmutter, weil diese krank ist oder es sich für eine Frau gehört, sondern eben weil großzügig ist. Auf eine solche Idee überhaupt zu kommen, ist schon faszinierend, sodass es dem Autor damit gelingt, seine Leser schon durch die ersten Zeilen zu fesseln.

Er regt mit seinen Texten nicht nur zum Nachdenken an, sondern macht neugierig, wie die anderen Märchen aussehen könnten, um politisch wirklich korrekt zu sein. Aus diesem Grund ist genaues Lesen sehr wichtig. Sonst ist es schwer den Sinn hinter den Worten zu verstehen.

Für mich war das Lesen dieser politisch korrekten Märchen ein absoluter Lesegenuss. Der Stil ist leicht, wobei man jedoch einige Fremdworte kennen sollte, um auch lachen zu können. Und Schmunzeln kann man trotz der Ernsthaftigkeit hinter den Satiren auf jeden Fall. Für mich definitiv ein Buch, dass auf seinen 96 Seiten alles hat, um gut zu sein.Aus diesem Grund kann ich das Buch auch jeder Zeit weiterempfehlen. 

KURZ GESAGT:  Interessante, zeitlose und nachdenklich Märchen für Erwachsene.
 
Autor: James Finn Garner,Titel: Gute Nacht Geschichten,
Originaltitel: Politically Correct Bedtime Stories, Verlag: Goldmann, Erschienen: 1995
ISBN-10: 3442436400, ISBN-13: 9783442436408
Seiten: 92, Kosten: gebraucht ab 2,91€

FRAGE AN EUCH:
Bevorzugt ihr die Kindermärchen oder lest ihr auch gerne mal Erwachsenen-Versionen?