Maiken Nielsen: Das Haus des Kapitäns

 KLAPPENTEXT

Aline ist eine ungewöhnliche junge Frau. In einem Haus an der Elbe zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgewachsen, hat sie nur einen großen Wunsch: Sie möchte Ärztin werden. Doch ihre Eltern haben ganz andere Pläne mit ihr: Sie soll reich heiraten und der Familie das Vermögen wieder zurückbringen, das sie verloren hat. Aline aber hat schon lange ein Auge auf den Studenten Nathan geworfen.


SARAHS MEINUNG
Das Haus des Kapitäns“ habe ich nur als Kurzfassung in der Readers Digest Sammlung gelesen. Nachdem ich von „Die Schuld“ aus dieser Sammlung gelesen hatte, war ich trotz zahlreicher positiver Kritiken eher skeptisch. Gerade da ich mir nicht vorstellen konnte, dass die gekürzte Fassung gelungen sein soll.
Der Autorin ist mit ihrem romantischen Werk, welches in der Zeit der Weimarer Republik spielt, ein einmaliges Werk gelungen. Sie lässt den Leser in eine längst vergangene Welt eintauchen, und lässt diese so realistisch erscheinen, dass man das Gefühl hat, als wäre man dabei gewesen oder würde sie erst selbst vor wenigen Jahren erlebt haben. In diese Welt baut sie eine bezaubernde, liebevolle und starke Protagonistin ein. Aline ist vom ersten Augenblick an sympathisch. Genauso charakterstark wie Aline, sind auch die anderen Charaktere geworden. Die dicke Köchin Bertha möchte man als Mutter haben, während ihr Verlobter einfach nur Schauder erzeugt.
Man fiebert mit der Protagonistin und ist dadurch regelrecht gefesselt. Zeitgleich lernt man ein echtes Stück deutsche Geschichte kennen, denn Ereignisse wie der Erste Weltkrieg oder die große Inflation werden sachlich und fachlich in diese Liebesgeschichte eingebunden.
Während des Lesens merkt man gar nicht, dass es sich um die gekürzte Fassung handelt. Im Gegenteil man hat sogar das Gefühl, dass unwichtige Stellen gekürzt wurden, und die Geschichte dadurch einen perfekten Lesefluss bekommen hat. Ich könnte jetzt nicht sagen, wo etwas weggelassen wurde. Für mich war es so perfekt.

So gingen die Jahre dahin. Mal war die Elbe erquickendes Badewasser, dann wieder ein scillerrndes Gebirge aus Eis. Alines Leistungen in der Schule waren tadellos, und so wurde ihr der Besuch einer höheren Mädchenschule gestattet ( Zitat S. 194 Readers Digest)

Unterstützt wird die Geschichte durch einen beschreibenden, für die damalige Zeit modernen und authentischen Stil. Er lässt in jedem Bereich ein Kopfkino entstehen. Genauso wünscht man sich mehr Bücher.
Einmal angefangen merkt man gar nicht, wie schnell die Seiten voranschreiten. Stattdessen fragt man sich, wie diese Liebesgeschichte weitergeht, wenn bedenkt vor welchem Hintergrund dieses Buch endet. In meinen Augen ein guter Abschluss. Die Geschichte selbst ist abgeschlossen, macht aber gekonnt Lust auf die Fortsetzung. Mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten, da ich sonst zu sehr auf den Schluss eingehen müsste.
Egal ob als gesamtes Werk oder als Kurzfassung, ich liebe diese Geschichte. Aus diesem Grund kann ich das Buch nur empfehlen. Wer nach den ersten Seiten merkt, dass es gefällt, sollte unbedingt die Fortsetzung „Die Tochter des Kapitäns“ dazu kaufen, damit er nicht so lange pausieren muss.

Autor: Maiken Nielsen, Titel: Das Haus des Kapitäns, Verlag: Readers Digest
Erschienen: 2004, ISBN-10: 3426626799, ISBN-13: 9783426626795
Seiten: 384, Kosten: 7,95€