Nicci French - Der falsche Freund

Eine kurze Liebesaffäre entwickelt sich zu einem mörderischen Alptraum: Mirandas neuer Freund schleicht sich in ihr Leben, verfolgt sie, bedrängt sie und verbündet sich mit ihrer Familie. Ihre Warnungen vor dem Psychopathen bleiben wirkungslos, denn alle halten Miranda für krankhaft eifersüchtig und hysterisch. Erst als ihr kaum noch Luft zum Atmen bleibt, schlägt sie mit dem Mut der Verzweiflung zurück. (Quelle: Klappentext)


Autor: Nicci French, Titel: Der falsche Freund
Originaltitel: Secret Smile, Verlag: Goldmann
Erschienen: 2003, ISBN-10: 3442461766
ISBN-13: 9783442471980, Seiten: 383
Kosten: 7,00€

 
Nachdem ich schon ein Werk aus der Feder von Nicci French gelesen hatte, kam ich um dieses Exemplar nicht herum. Es versprach mir große Spannung, pure Angst und ein packendes Leseerlebnis. Wer das Autorenpaar, welches sich hinter dem Pseudonym verbirgt, kennt, weiß, dass Spannung garantiert ist.
„Du hast einen schönen Mund.“ Er rückte noch ein Stück näher an mich heran. Ich spürte seinen säuerlich riechenden Atem auf meinem Gesicht. „Und ich musste daran denken, dass ich in diesem Mund gekommen bin.“ ( Zitat S. 67)


Dieses Zitat stammt aus einem Psychothriller, den ich gerade gelesen habe. Es handelt sich um eine der kranken Sätze eines Stalkers, der mit einer Trennung nicht klarkommt. Dieses Zitat soll euch zeigen, welch beängstigende psychologischen Spielereien beim Lesen auf euch warten. Wenn ihr näheres wissen wollt, lest am Besten weiter.

Der erste Gedanke, der mir beim Lesen in den Sinn kam, war „So etwas ähnliches hast du schon gelesen“. Bei meinem Bücherkonsum und ohne Internet war es jedoch unmöglich nachzusehen, wie dieses Buch hieß. Trotzdem muss ich sagen, dass mir diese Ähnlichkeit bis zum Schluss keine Ruhe mehr gelassen hatte, und ich mit Internet sofort nachschlagen werde, welches Buch dies war.

Nichtsdestotrotz beginnt das Buch mit der Kennenlernphase von Brendan und Miranda, die dem Leser sofort zeigt, ganz normal, harmlos und etwas was täglich irgendwo auf der Welt passiert. Eine kurze Liebesgeschichte, der einen Person wird es zuviel bzw. sie fühlt sich bedroht, und verlässt den Partner. Diese harmlose Szene nimmt Nicci French zum Anlass einen Psychothriller zu schreiben, der durch eine durch seine schleichende Angst, viel bedrohlicher wirkt, als ein Roman der auf pure Gewalt setzt. Hier wird gänzlich auf blutrünstige Schilderungen verzichtet. Die Angst und Spannung, die hier geschürt wird, ist jedoch wesentlich brutaler als jede aufgeschlitzte Leiche eines Serienmörders. Es ist die Angst, dass auch dem Leser so etwas passieren könnte. Dafür ist der Ansatz einfach zu realistisch, alltäglich. Solche Psychopathen gibt es leider Gottes überall, und wer schon mal ein Blind Date oder Date übers Internet hatte, weiß, dass man mit allem rechnen muss, bis man den Menschen besser kennt.

Nachdem der Leser die Grundsituation kennengelernt hat, kennt er Brendan und Miranda schon um einiges besser. Allerdings muss ich sagen, dass mir die Protagonistin Miranda trotz ihrer lebenslustigen, freundlichen Art alles andere als sympathisch war. Ihre durchweg logischen Handlungsstränge, Emotionen und Gedanken passen zu ihr, aber sie sprach mich einfach nicht an. Auch wenn mir persönlich die Protagonistin alles andere als gefiel, lässt sich das Buch trotzdem gut lesen. An einigen Stellen hat man jedoch das Gefühl, dass man selbst anders reagiert oder mehr nachgebohrt hätte, auch wenn ihre Handlung logisch konzipiert ist. Gerade zum Schluss hin, wird sie mir immer suspekter und man fragt sich, wieso sie so handelt.

In kurzen Kapiteln baut das Autorenduo ein Szenario auf, welches keine Frau erleben möchte. Man möchte die Familie nicht enttäuschen, merkt aber, dass dieser Mann ein falsches Spiel spielt, doch wie soll man es beweisen. Es ist beängstigend, wie realistisch diese krankhaften Gedankenspiele sein können.

Bis zu dem Punkt, als der Psychopath beginnt über Leichen zu gehen, ist das Buch beängstigend gut. Die Angst wird mit jeder Seite mehr aufgebaut und geschürt. Dadurch wird irgendwann der Punkt erreicht, wo man sich mit normaler Angst nicht mehr steigern kann. Genau an diesem Punkt wird es, dramatischer und gewalttätiger. Irgendwie passt es, aber man denkt sich, dass man darauf hätte auch verzichten können. Einmal angefangen kann damit bis zum Schluss nicht mehr aufgehört werden. Dieser Schluss ist Nervenkitzel pur und spielt mit den Ängsten der Leser, wodurch er mehr als gelungen ist. Logisch, spannend und die beste Möglichkeit.

Auch wenn ich der Meinung bin, dass es mit jeder Seite spannender wird, hätte gut und gerne auf 60-100 Seiten verzichtet werden können. Vieles wirkt einfach zu ausführlich und das eine oder andere Familientreffen zu langatmig, auch wenn es wichtig für den Verlauf der Handlung ist. So wäre es noch knackiger und kerniger gewesen.

Besonders sticht der Schluss des Buches ins Auge, denn damit wird der Leser kaum gerechnet haben. Nicci French hat in diesem Fall eine so gelungene Wendung eingebaut, dass es eine richtige Freude war diesen Schluss zu lesen.

Im Großen und Ganzen konnte mich das Autorenduo Nicci French mit dem Roman „Der falsche Freund“ überzeugen. Spannend, beängstigend und trotzdem realistisch. Trotzdem hätte das Werk für mich eine Spur kürzer sein können, auch wenn ich das Buch an einem Abend durchgelesen habe. Bei dem lockeren und bildhaften Stil, kann man eben nur schwer aufhören. Trotz negativ auffallender Protagonistin, kann ich das Buch empfehlen.


© Eure CQ für Sarahs Bücherwelt