Pfaue, Justus: Die Kirschenkönigin


Schon mit 18 Jahren weiß Ruth genau, was sie will. Und sie will Landfrau werden. Folgerichtig heiratet sie Albert von Roll, einen verarmten Gutsherrn, dem sie in den armseligen Ort Bleichrode am Rande des Harzes folgt. Dort wird die Landwirtschaft ihr Lebensinhalt, und das Veredeln der gemeinen Sauerkirsche zur Schattenmorelle bringt ihr viel Geld ein. Glückliche Zeiten, insbesondere, weil Ruth den aus Kalkül gewählten Ehemann bald zärtlich liebt. Doch politische Entwicklungen und persönliche Schicksalsschläge lassen das Glück nicht von Dauer sein. (Quelle: Klappentext)

Eine jüdische Geschichte mal anders.


SARAHS MEINUNG 

Die Kirschenkönigin“ ist nicht nur ein Buch, welches bei Amazon über zahlreiche positive Kritiken verfügt, sondern auch als Verfilmung erfolgreich ist.

Meine Gefühle bei dem Buch sind jedoch eher gemischt. Es beginnt schon mit der Tatsache, dass hier die Geschichte auf einem Klischee beruht, dass Juden reich sind. In diesem Fall kommt der Reichtum von einem riesigen Geldgewinn bei einer Lotterie und nicht aus übertriebenen Handel, aber trotzdem fand ich damit ein Klischee hervorgerufen.

Abgesehen von diesem Klischee muss ich persönlich sagen, dass mir die Protagonistennicht sehr sympathisch erschien. Für die damalige Zeit zur Weimarer Republik ist es sicherlich beispielhaft. Mich konnte diese Naivität und das Verständnis gegenüber ihrer rotzfrechen Schwester nicht überzeugen. Ihre sonst starke Seite geht durch diese empfindsame Seite unter. Auch später wirkte sie eher wie das behütete Mädchen, dass von der kalten, brutalen Welt die Augen verschließt. Wobei es damals einige Juden gab, die sicherlich bis zum letzten Moment die Augen verschlossen haben.


Ruth knuddelte Käthe. „Ich verspreche dir, dass du nicht vom Dach springst, Käthe, du dumme Socke! Natürlich verzeih ich dir nicht! Ich habe die Vögel nicht gerade geliebt, aber ich habe fünf Jahre lang gebraucht, um sie zu züchten...“ (Zitat S. 30)

Der Stilselbst ist auf der einen Seite ungewöhnlich, da er stellenweise sehr sachlich wirkt und trotzdem so voller Details und Emotionen steckt. Dabei ist es eine einfache Wortwahl, die gerade durch ihre Leichtigkeit und Sprüche, wie zum Beispiel „Dumme Socke“ so herrlich kindlich wirken. Dieser Kontrast zu den sachlichen Beschreibungen in der Familienordnung sind so unterhaltsam, dass es sich trotz mancher langatmiger Strecken angenehm flüssig und leicht zu lesen ist.

Spannendist das Buch im Verlauf auf seine ganz eigene Art und Weise. Man zittert trotz der Naivität der Protagonistin und hofft, dass sie das Nazi-Regime überleben wird. Dadurch ist es in einer gewissen Art und Weise spannend, auch wenn kein Mord oder ähnliches passiert.

Der historische Aspekt des zweiten Weltkrieges jedoch fand ich persönlich nicht so besonders gut umgesetzt. Landschaften und andere Schauplätze sind einwandfrei beschrieben, sodass man sich sogar von Ortschaften, wo man noch nie war, ein klares Bild machen kann. Jedoch hätte ich die Hintergründe des zweiten Weltkrieges oder gar den Verlauf nicht 100% nachvollziehen können. Für mich wichtige Details werden einfach außen vor gelassen. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon zahlreiche Werke aus dieser Zeit gelesen habe, und ich mir einfach etwas mehr erhofft habe.

Nichtsdestotrotz ist das Buch durchweg interessant, durch seine Schicksalsschläge, seine Überraschungen. Aus diesem Grund kann ich das Buch auch empfehlen, obwohl es mich nicht gänzlich überzeugen konnte.

 
Autor: Justus Pfaue
Titel: Die Kirschenkönigin
Verlag: Weltbild
Erschienen: 2009
ISBN-10: 3828995241
ISBN-13: 9783828995246
Seiten: 431
Kosten: 10,95€ Neu

===Leseinformationen===
Genre: Belletristik Zweiter Weltkrieg
Niveau: anspruchsvoll
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 3 Tage