Janosch: Mutter sag, wer macht die Kinder

WORUM GEHTS 

Die Maus Tütü und der Maulwurf Diddi Neumann, der beste Küsser der Mäuseschule, erleben miteinander die erste große Liebe ihres Lebens. Und die schlägt ein wie der Blitz! Eine heitere Geschichte, die Aufschluß darüber gibt, wie das funktioniert, das Kinderkriegen nämlich: "Genau wie es die Menschen machen, so machen es die Mäuse.



Die Entstehung eines Babys aufs absolute Minimum reduziert.
 

SARAHS MEINUNG 

In meiner Kindheit habe ich mit 7 Jahren „Peter, Ida und Minimum“ bekommen und fand es damals echt aufklärend, kindgerecht und anschaulich. Nachdem ich von einer befreundeten Autorin dieses Buch zu meiner Schwangerschaft geschenkt bekommen habe, falls sich mein Großer dafür interessiert, landete es im Schrank, da er sich dafür null interessierte und es nach den ersten Seiten als blöd bezeichnete. Nun musste er in der Schule meinen alten Kindheitsklassiker lesen. Das weckte meine Neugier, wie das andere Buch umgesetzt wurde. Schließlich hatte er das Schulbuch nicht als blöd bezeichnet.

Der Leser wird in die Tierwelt von Tütü, einer kleinen Maus entführt. Sie ist mit Didi, einem Maulwurf zusammen. Doch das ist zu Beginn gar nicht so ersichtlich. Die ersten Seiten lernt das Kind erst einmal Tütü und ihre große Mäusefamilie kennen. Der Alltag mit Schule und dem schrecklichen Kater wird genauso beschrieben, wie das Essen und ihre Schlafplätze. Das ermöglicht den Kindern sich besser in die Geschichte einzufinden, und hat mir echt gut gefallen. Tütü stellt an diesem Punkt auch schon die Frage, woher die Babys kommen, jedoch bleibt die Frage auf Grund einer Störung unbeantwortet. Ich ging also davon aus, dass diese Aufklärung durch die Mutter passiert, die sich später wieder daran erinnert.
Doch dann wird man regelrecht überrumpelt. Didi und Tütü, die eigentlich nur beste Freunde sind, fangen an zu Knutschen, weil Tütü sagt, Didi küss mich endlich. Die ersten kindlichen Lieben in der Grundschule schön und gut, aber von Freundschaft zu einer großen Liebe binnen weniger Sätze, fand ich etwas überfordernd und unpassend. Auf Grund der ersten Liebe und der Küsserei kommen sie sogar zu spät zur Schule. Ich finde so etwas nicht lehrreich. Gerade Kinder in dem Alter sollten gezeigt bekommen, wie wichtig Pünktlichkeit im Leben ist.
Und genau in die Schulstunde, in die sie verspätet platzen, handelt von den Bienchen und Blumen. An Hand einiger Bilder wird dem lesenden Kind erklärt, wie eine Kirschblüte mit der Biene harmoniert und eine Kirsche entsteht. Von der Biene geht es weiter zum Hühnchen und ihrem Ei. Auch Mäusekinder werden erklärt, denn diese entstehen wie die lieben Menschlein. An diesem Punkt beginnt die Überleitung zur eigentlichen Aufklärung am Menschen. An Hand einiger Bilder, wo ich finde, dass man kaum etwas erkennen kann, wird schwach erklärt, wie die Babys entstehen. Man kann es verstehen, auch wenn ich finde, dass danach sicherlich die eine oder andere Frage offen bleibt. In diesem Fall finde ich meinen alten Klassiker um Längen besser. Hier bekommt man an einem menschlichen Beispiel alles erklärt.

Der Mensch ist etwas größer als eine Maus“, beginnt der Lehrer. „Wir lieben ihn nicht, denn er raubt unsere Ernte aus den Feldern und stellt Mäusefallen auf. Er unterscheidet sich von der Maus, indem er kein so schönes Fell hat, er kann nicht so schnell laufen und hat hinten keinen Schwanz. Der männliche Mensch hat nur vorne einen Schwanz, den nennt er Pimmel oder Piller...“ (Zitat Seite kann ich nicht nennen, da es keine Seitenzahlen gibt)

Von der Periode über den Eisprung, den Sex, die Befruchtung, den Wachstum des Kindes, die Geburt und ersten Tage danach. Klar, dass in dem Janosch Buch, welches sich nur um die Herkunft kümmert, vieles einfach übergangen wird. Aber das sind die Dinge, die Kinder interessieren. Davon abgesehen, konnte ich die Befruchtung bzw. den Weg des Samens zum Beispiel nur sehr schlecht erkennen. Auch die Beschreibungen und Erklärungen des Lehrers wirkten eher plump. Ich kann absolut nachvollziehen, dass mein Großer das vorliegende Buch einfach nur blöd fand. Nach dem Schulbuch hingegen stellte er Fragen und wollte auch etwas zur Herkunft seines Bruders wissen. Genauso erschreckend fand ich es, dass die Mäuse-Eltern am Abend gleich neue Kinder zeugen gegangen sind. Klar, soll dies den Kindern zeigen, dass auch ihre Eltern Sex haben, aber mir war es einfach zu plump.
Die kurzen Sätze sind auf die Kinder ausgelegt, sodass gerade Lese-Anfänger es selbst probieren können. Zum Vorlesen ist dieser Stil jedoch auch geeignet, denn er erfordert keine 100% Konzentration und überfordert die jungen Zuhörer nicht. Eingebunden in der süßen Geschichte, mit dem typisch zauberhaften Zeichnungen im Janosch-Stil ist Aufmerksamkeit garantiert, und wenn es nur das Entdecken der Bilder am Anfang ist. 

Beide Bücher sind für Leser ab 5 Jahren. Allerdings interessiert es sicherlich eher Kinder ab 7. Mädchen früher als Jungen.

Das Buch bringt einen zum Schmunzeln, aber ganz ehrlich als Aufklärungsbuch woher die Babys kommen, finde ich es nicht unbedingt empfehlenswert. Wer seinen Kind wirklich erklären möchte, wo es herkommt, sollte auf den Klassiker „Peter, Ida und Minimum“ zurückgreifen. Zwar sicherlich nicht so bekannt und liebevoll gezeichnet wie Janosch, aber inhaltlich 1000 mal besser. Wer sich wirklich nicht anders zu helfen weiß und es noch nicht so direkt erklären möchte, wird jedoch mit dem Janosch-Buch glücklich werden.

Autor: Janosch
Titel: Mutter sag, wer macht die Kinder
Verlag: Mosaik Verlag
Erschienen: 1992
ISBN-10: 3576100385
ISBN-13: 9783576100381
Seiten: ca. 44
Kosten: gebraucht ab 2,50€

===Leseinformationen===
Genre: Kinderbuch Aufklärung
Niveau: durchschnittlich
Leserschaft: Kinder zwischen 5-7
Lesedauer: 1 Stunde