Paul Kearney: Der Weg nach Babylon

Blasse Fantasy-Welt vs. Depressiven Autor


Michael Riven war ein gefeierter Fantasy-Autor und lebte auf der Sonnenseite des Lebens, bis er bei einem Ausflug in den Bergen abstürzte und seine geliebte Frau starb. Nach dem Unglück zog Riven sich allein in ein kleines Landhaus zurück - voller Zweifel an sich und der Welt. Plötzlich taucht ein seltsamer Fremder auf und führt Riven nach Minginish - in seine eigene Fantasy-Welt. (Quelle: Klappentext)



SARAHS MEINUNG 

Als ich das Buch damals in dem Fantasy-Buchpaket ersteigerte, hat mich die Aussage, dass der Autor in seine eigene Fantasy-Welt entführt wird, so angesprochen, dass es auf Anhieb, zu meinen favorisierten Büchern gehörte. Obwohl ich noch nie was von dem Autor gehört, geschweige denn gelesen hatte, war ich überzeugt, erstklassige Fantasy-Kost serviert zu bekommen.

Der Einstieg in das Buch beginnt auf eine Art und Weise, die ich persönlich so nicht gewählt hätte. Man wird mitten in die Situation nach dem Absturz geworfen und muss eine Person kennenlernen, die so in Gips, Klemme, Verbände und Stützen verborgen ist, dass sie nicht sprechen kann. Man lernt den Protagonisten nur über die anderen Figuren und vor allen Dingen über seine Gedanken kennen. Sicherlich eine interessante Umsetzung. Doch zu erst ist es gar nicht so ersichtlich, dass es sich um Gedanken handelt. Dies wird erst im Verlauf der nächsten 50 Seiten deutlich. Und auch dann ist das Bild alles andere als rund, denn die Gedanken sind zwar manchmal verständlich, aber oft wirr. Dazu kommt, dass viele andere Figuren ebenfalls nur über seine Gedanken beschrieben werden und dadurch völlig fremd wirken. Man kann nicht zwischen wichtigen Figuren unterscheiden, und für mich blieben es trotz einiger Erklärungen fremde Gestalten, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte, noch von denen ich ein Bild bekam.

Nicht nur die Protagonisten sind schwach beschrieben. Gerade am Anfang musste ich kämpfen, um zu begreifen, wo ich mich befand. Klinik, dass war mir nach dem Unfall verständlich, aber oft wurde es wie ein Seniorenstift beschrieben. Viele alte Menschen vervollständigten dieses Bild.

Nach und nach verschwimmt dann die Realität mit der Fantasy-Welt, die der Autor erschaffen hat. Anfangs fragt man sich noch, ob er wirklich dahin geht oder ob es nur die Gedanken sind, die vor der Realität flüchten. Man hofft mehr über diese Welt zu erfahren, die man sich auf Grund des Covers so unglaublich schön vorstellt. Pustekuchen. Die Welt ist langweilig. Er versucht Spannung und Magie aufkommen zu lassen, aber mit dem langatmigen und verwirrenden Einstieg hat er eher dafür gesorgt, dass diese Distanz auch in der Fantasy-Welt bestehen bleibt. Für mich war einfach alles fremd.

Den Hintergrund, dass ein Mensch nach einem so tragischen Unfall und Verlust mit einem solchen Absturz rechnen muss, ist nachvollziehbar, aber der Autor hätte einfach mehr Leben in dieser Geschichte einbauen sollen, statt alles so blass darstehen zu lassen. Fantasy ist für mich eben farbenfroh, lebendig und magisch.


Die fehlende Spannung kann ich noch tolerieren, da nicht alle Fantasy-Romane auf Spannung ausgelegt sind, aber hier ist es weder romantisch, noch witzig und schon gar nicht spannend. Nach gut 280 Seiten hatte ich die Nase voll und muss zugeben, dass ich das Buch abgebrochen habe. Zwar habe ich noch den einen oder anderen Blick diverse Seiten später riskiert, aber da sich weder was am schwachen Stil, noch am Inhalt etwas verbessert hat, hab ich es gelassen, normal weiterzulesen.

Autor: Paul Kearney
Titel: Der Weg nach Babylon
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1994
ISBN-10:3404202341
ISBN-13: 9783404202348
Seiten: 477
Kosten: 4,95€

===Leseinformationen===
Genre: Fantasy
Niveau: mittel
Leserschaft: Erwachsene
Lesedauer: 3 Tage