Charlotte Link: Die Stunde der Erben

Charlotte Link ist eine großartige Autorin, die mit „Die Stunde der Erben“ ihre Sturmzeit-Trilogie abschließt. Obwohl ich begeisterte Leserin ihrer Werke bin, ist dies mein erster Band aus der Reihe. Da es sich jedoch auch ohne Probleme einzeln lesen lässt, habe ich mich nicht irritieren lassen.
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Der Leser wird in die Welt von Felicia und ihren Enkelkindern Alexandra und Chris entführt. Durch ihre Eltern, die in die USA ausgewandert sind, kommen sie direkt aus den USA ins West-Deutschland der 70er Jahre. Das ein kleiner Stamm der Familie ihre Zweige in der DDR hat, erfährt der Leser in Form von kleinen Einwürfen über deren Fluchtversuche.
Felicia, die inzwischen die 80 Jahre weit überschritten hat, möchte ihren Anteil der Spielzeugfabrik in sicheren Händen wissen, und entscheidet sich für Alexandra, die neben ihrer Jugendliebe Dan, die Firma leiten sollt

Doch mit der Übernahme geht es in Alexandras Leben langsam immer mehr bergab. Sie stürzt sich in die Arbeit, um die Probleme mit ihren Mann zu verdrängen, kümmert sich wenig um ihre Tochter und muss letzten Endes sogar den Selbstmord ihres Mannes verkraften. Sie stürzt sich noch tiefer in die Arbeit und nimmt dadurch ein riskantes Unternehmen an Bord, dass die Spielzeugfirma ihrer Großmutter in den Ruin treiben kann.

Dies ist in groben Zügen die Handlung des Buches. Leider kann mich die Umsetzung überhaupt nicht überzeugen. Obwohl das Buch zu 80% in den 80er Jahren spielt und ich diese Zeit aus eigenen Augen betrachten kann, konnte mich das Buch nicht fesseln. Es beginnt schon mit den Charakteren. Sie sind keinesfalls blass oder werden durch die vorherigen Bände vorausgesetzt. Im Gegenteil sie sind abwechslungsreich und werden perfekt eingeführt. Allerdings gelang es mir nicht mich mit den Figuren zu identifizieren. Vielleicht liegt es einfach daran, dass sie eine gehobenere und zerrüttetere Erziehung genossen haben. Viele Handlungen waren für mich oft nicht nachvollziehbar. Dazu trug auch das Bild von West- und Ost-Deutschland bei. Ich selbst bin in Westdeutschland aufgewachsen, aber habe zahlreiche Verwandte und eine Ostdeutsche Mutter. In Kombination mit einigen Büchern bin ich der Meinung, dass ich mir ein recht authentisches Bild machen kann.Hier wird jedoch nur auf Klischees gesetzt. Fließend Wasser gab es vielleicht wirklich bei einem Hinterwäldler nicht, aber das gab es auch hier im Westen. Und hier wird oft der gesamte Osten als rückständig dargestellt.

Auch sonst konnte mich die Handlung diesmal überhaupt nicht fesseln. Während Charlotte Link sonst eher für einen Hauch Thriller und eine angenehme Spannung bekannt ist, muss ich sagen, dass ich dieses Werk langweilig fand. Der Kampf in der Firma, das zerrüttete Eheleben - all dies kann definitiv eher für langatmige Dramatik sorgen, aber nicht im Ansatz für einen Hauch Spannung. Hinzu kommen die ganzen zeitlichen Sprünge, die viele Jahre auslassen, während andere maßlos in die Länge gezogen werden.

Stilistisch kann sie zwar mit einem lockeren Stil überzeugen, aber da sie ständig unnötige Details einbaut, wirkt der Stil stellenweise doch sehr zähflüssig.

Neben Thriller lese ich auch gerne Bücher über die Geschichte Deutschlands oder Werke über mehrere Generationen. Dementsprechend bin ich nicht auf Thriller fixiert, aber dieses Exemplar kann nicht überzeugen.