J. D. Salinger - Der Fänger im Roggen


Der Fänger im Roggen ist ein Kult-Klassiker, den ich immer wieder in Filmen erwähnt fand, sodass ich ihn auch lesen wollte. Leider wusste ich dank fehlendem Klappentext nicht worum es ging. So machte ich mich zum ersten Mal seit Jahren wieder blind ans Lesen. Es ist ungewohnt nicht zu wissen, was einen erwartet, obwohl ich oft genug beschwert habe, dass andere Klappentexte zu viel verraten.

Der Leser wird in die Welt des 16-jährige Holden Caulfie entführt. Es ist kurz vor Weihnachten als er aus dem vierten Internat fliegt, weil er seine Leistungen unterdurchschnittlich sind. Statt den Beginn der Ferien abzuwarten, haut er mitten in der Nacht ab und macht sich auf den Weg nach New York. Da seine Eltern von der neuerlichen Pleite nichts wissen, quartiert er sich in einem Hotel ein. Dort gerät er jedoch in eine Schlägerei mit einem Zuhälter, der mehr Geld für seine Prostituierte einfordert. Aus Angst zeiht Holden am nächsten Tag aus, und stellt seine Sachen im Bahnhof unter. Doch auch die nächsten Tage sind alles andere als erfreulich. Er trifft eine alte Freundin mit der er sich jedoch zerstreitet, mit seiner kleinen Schwester, die er aufsucht ist es auch nicht so einfach, und ein ehemaliger Lehrer, der ihm Unterschlupf gewährt, weckt die Angst vor sexuellem Missbrauch, sodass Holden den kalten Bahnhof vorzieht. Er beschließt endgültig abzuhauen. Doch seine Schwester will ihn begleiten, und das muss er abwenden.
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Es ist ein Thema, dass ich auf den ersten Blick sehr interessant fand. Tiefgründige Bücher mit jugendlichen Protagonisten finde ich immer gut. Doch dieses Buch ist in meinen Augen einfach nur eintönig, obwohl es so vielseitig ist. Erzählt wird das Buch aus Sicht des coolen, abgeklärten und harten Holden. Inzwischen befindet er sich in einer Therapie und berichtet über seine vorweihnachtlichen Erlebnisse und Gefühle.

Oberflächlich gesehen lernt der Leser einen Jungen kennen, der auf Schule keinen Bock hat, sehr cool und hart wirkt. Doch wie es auch im echten Leben ist, ist der innere Kern sehr weich und verletzlich. Dies erfährt der Leser an Hand von zahlreichen Gesprächen, die er mit verschiedenen Personen führt. Zum Beispiel einem Taxifahrer, einer Prostituierten, einer Mutter oder einer Freundin. Es sind Fremde oder Bekannte und trotzdem versteckt er sich bei jeder Person hinter einem Lügennetz, um selbst nicht verletzt zu werden. Dies ist sicherlich interessant, aber man muss stark zwischen den Zeilen lesen und wirklich darüber nachdenken, was damit gemeint ist. Denn oberflächlich gesehen, sind es oft harmlose Gespräche, wie zum Beispiel wohin die Fische gehen, wenn der Teich zufriert. Das er damit auch sich selbst meint, ist für oberflächliche Leser nicht ersichtlich.

Obwohl ich den Sinn des Buches, die Verzweiflung, Ängste und Gefühle nachvollziehen konnte, konnte mich das Buch nicht vom Hocker hauen. Anfänglich lag es definitiv am Protagonisten und der Tatsache, dass ich den Inhalt nicht mal an Hand einer Richtung kannte. Holden war mir anfangs so unsympathisch, bis ich den Sinn dieser übertrieben Person erkannte.

Nichtsdestotrotz fand ich das Buch trotz genauem Lesen besonders im Mittelteil einfach zähflüssig. Es werden immer neue Protagonisten eingeführt, mit denen er sich unterhält, obwohl mir persönlich schon klar war, worauf es hinausläuft. Im Grunde wird im jugendlichen Stil mit jugendlichen Ansichten der 50er Jahre vermittelt, wie das Erwachsenenwerden sich anfühlt, wie das Thema Sexualität betrachtet wird und vieles mehr. Auf Grund des Stils habe ich es zu Ende gelesen und da ich einfach wissen wollte, ob noch etwas bahnbrechendes passiert, aber im Grunde konnte mich das Buch einfach nicht überzeugen. Eigentlich dachte ich, dass die negativen Kritiker es einfach nicht verstanden haben. Ich habe es begriffen, und finde es sicherlich nicht schlecht, aber es gibt bessere Bücher. Was vielleicht auch an der Übersetzung liegen mag, denn das Original kenne ich nicht.