Zach & Bauer: Morbus Dei - Inferno

Quelle: Haymon Verlag
Tyrol 1704 mitten im Winter: Johann List, Elisabeth und ihr Großvater konnten noch rechtzeitig fliehen. Auf ihren Weg kommen sie bei einem altbekannten Bauern vorbei, der betrügt, tötet und absolut hinterhältig ist. Als List bemerkt, dass er zahlreiche Leichen im Keller hat, lässt er ihn laufen, jedoch ohne Schuhe und warme Kleidung. Sie selbst übernachten in seinem Haus und machen sich am nächsten Tag weiter auf den Weg. Als sie seine Leiche unterwegs entdecken, werden auch sie entdeckt – von Wölfen. Wie Gott will, kommt Hilfe in Form von Pater Freising, der die Wölfe verjagt. Allerdings nicht rechtzeitig, denn der Großvater lässt sein Leben, um Elisabeth zu schützen. Was keiner wusste, er war mit der Krankheit infiziert. Ein Biss und auch Elisabeth bekommt diese Krankheit. So wie ihr Opa, hält auch sie es geheim. Sie schließen sich den Pater an, und mit ihm einer Pilgergruppe, denn ohne Papiere sind sie aufgeschmissen. Auf ihrer Reise Richtung Siedesbühren, wo noch Ruhe ist, verschaffen sie sich neue Papiere und überstehen so manchen Angriff und Überfall. Trotz dieser Sachen läuft es sehr gut, doch dann hört List von Prankh und dem Preußen, die beide in Wien sind. Klar, dass List nun erst einmal nach Wie muss. Dort gerät jedoch alles aus den Fugen und es kommt wie es kommen muss. Elisabeth gibt die Krankheit weiter, die sich im dreckigen Wien wie die Pest ausbreitet. Zu allem Übel ist Prankh im Blutrausch und möchte List um jeden Preis töten. Elisabeth, Johann, der Preuße und seine Josefa sind in tödlicher Gefahr.

===Sarahs meine Meinung===
Mit Begeisterung habe ich den ersten Teil dieser Trilogie gelesen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mich nur noch an einige grundlegende Dinge erinnern konnte. Details nach 1,5 Jahren sind natürlich verblasst. Trotzdem kam ich schnell in die Handlung wieder hinein. Viele Einwürfe seitens der Autoren frischen das Gedächtnis auf. Quereinsteiger erfahren einige Punkte, allerdings werden sie mit vielen Anspielungen nichts anfangen können, denn wer zum Beispiel der Bauer ganz am Anfang ist, werden sie hier nicht entnehmen können. Aus diesem Grund sollte das Buch nur gelesen werden, wenn man den ersten Band kennt.

Ansetzen tut die Geschichte an den Punkt, wo das andere Buch aufgehört hat – mit der Flucht. Und mit diesem Einstieg wird der Leser merken, dass hier ein rasantes Tempo angesagt ist. Eine heikle Situation reiht sich an die nächste. Gewalt steht an der Tagesordnung, so wie man sich Tyrol im Jahre 1704 vorstellen würde. Dabei ist es nicht grausam oder unrealistisch. Ganz im Gegenteil man merkt sofort, dass hier erstklassig recherchiert wurde, und die Zeit sehr authentisch dargestellt wurde. Die Autoren gehen dabei nicht nur auf das Allgemeine ein, sondern richten ihr Augenmerk besonders auf die Machenschaften der Kirche, deren Greultaten und die käuflichen Wach- und Staatsleute. Die Fakten und Stimmung dieser Zeit sind einfach unglaublich plastisch umgesetzt, sodass ich oft das Gefühl hatte, live dabei gewesen zu sein.

In dieser historischen Umsetzung sind es aber auch die Protagonisten, die herausragen. Ausdrucksstark, logisch, lebendig und authentisch. Die gesamte Bandbreite von Charakterzügen ist in den zahlreichen Figuren vertreten. Dabei entwickeln sie sich durchweg konsequent weiter. Ihre Sprache ist der damaligen Zeit angepasst, und trotzdem zeitgemäß und keineswegs anstrengend.

Durchweg wird für diese historische Werk ein illustrativer, moderner und detaillierter Stil verwendet, der sich jedoch keinesfalls in überflüssigen Beschreibungen verliert. Einmal angefangen fliegt der Text an einem vorbei, so angenehm ist er zu lesen. Allerdings gibt es diesmal ein Seitenblick in Richtung Lektorat, denn Fehler fallen schon ins Auge. Es sind allerdings nur kleine, nicht gravierende Satzfehler, die nicht störend sind.

Ein weiteres Highlight ist der Schluss. Das Autorenduo weiß, wie man sich Leser warm hält. Spannend und absolut passend, und leider an einem Punkt, der noch viel Spannungspotential bietet und den Leser neugierig auf den letzten Band warten lässt.

Auch wenn ich immer noch nicht weiß, in welches Genre ich das Buch einordnen soll, es spielt zwar in einer historischen Zeit, aber man kann es nicht als Horror, Thriller oder Mystery einteilen, kann man sagen – ein besonderes Buch, dass mich rundum überzeugt hat.