Martin 1973 - Der Samenspender

===Buchdaten===
Autor: Martin 1973
Titel: Der Samenspender
Taschenbuch: 72 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (12. November 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1480290327
ISBN-13: 978-1480290327
Kosten: 7,38€
Serie: Samengeschichten Bd. 1

===Leseinformationen===
Genre: Biographisch
Niveau: trivial
Leserschaft: Frauen
Lesedauer: 1 Stunde

===Autor/in===
Martin B. wurde 1973 geboren. Inzwischen ist er selbst verheiratet, hat eine elfjährige Tochter und lebt in einer 300 Seelengemeinde an der deutsch-dänischen Grenze. Ersten einem kaufmännischen Beruf tätig und hat während seiner Studienzeit liegt Tirol, Mailand, Madrid und London gelebt. Geboren wurde er in einem kleinen, konservativen Dorf in Bayern. Inzwischen hat er zahlreichen Frauen geholfen sich den Kinderwunsch zu erfüllen.

===Optischer Eindruck===
optisch finde ich das Buch sehr ansprechend. Eine Eizelle in Liga, mehrere Spermien, davon eine in Rot gehalten einen kleinen Menschen drauf. Es ist ein sehr treffendes Cover und gefällt mir eigentlich recht gut.

===Zitierter Klappentext===
Ein Samenspender bricht eines der letzten Tabus unserer Gesellschaft, die Kinderwunscherfüllung durch private Samenspende. Für lesbische Paare, ebenso für Hetero-Paare und Single-Frauen, ist dies oft die einzige Chance auf ein eigenes Kind. Nie zuvor hat ein Samenspender das Schweigen gebrochen und so offen von seiner Tätigkeit berichtet. Der Samenspender Martin1973 erzählt seine Geschichten die aus über 15 Jahren Erfahrung stammen. Lassen Sie sich von den kuriosen und abwechslungsreichen Erzählungen mitreißen und treten Sie hinter die Kulissen eines durchaus ungewöhnlichen Lebens. Jeder der beschriebenen Orgasmen hat nur ein Ziel: Der Schrei nach Leben, das Herbeiführen einer Schwangerschaft, um den tiefsten Urinstinkt einer Frau zu stillen. Kommen Sie mit in eine Welt, deren Existenz Ihnen bisher vielleicht nicht einmal bekannt war. (Quelle: Klappentext)

===Leseprobe===
Auf Anfrage hat mir Martin eine kleine Kostprobe erlaubt: ZITAT S. 22: wenige Wochen später rief eine überglückliche Frau mit Schweizer Dialekt bei mir an. „SCHWANGER! „Hörte ich es nur aus dem Handy tönen. Petra war überglücklich, der Fall für mich somit abgeschlossen.


===Sarahs eigene Inhaltsangabe===
Vor 15 Jahren sorgte eine finanzielle Notlage dafür, dass sich Martin als Samenspender anbot. In diesen Jahren hat er unzählige Geschichten erlebt, die er in seinem ersten Band zum Besten gibt. Darunter sind Geschichten wie zum Beispiel: rechtsorientierte Familien mit arischen Kinderwunsch, Single Frauen, lesbische Paare, unfruchtbare Eheleute und Ähnliches. Es sind heitere, aber teilweise auch traurige Geschichten.

===Sarahs Meinung===
Das Thema „Kinderwunsch“ ist bei mir noch gar nicht so lange her. Früher wollte ich nie eigene Kinder haben, aber nach dem ich mit meinem Mann und meinem Stiefsohn über ein Jahr zusammen gewohnt habe, und meine Schwägerin zeitgleich schwanger war, kam auch bei mir der Wunsch nach eigenem Nachwuchs. Dementsprechend kann ich nachvollziehen, wie sich Frauen fühlen, die unbedingt ein Kind haben möchten. Nach jahrelanger Pillen-Einnahme war ich auch enttäuscht, als es nicht im ersten Zyklus funktionierte. Eine ehemalige Arbeitskollegen versuchte schließlich seit Jahren schwanger zu werden. Dass es bei mir so schnell klappte, macht mich auch heute noch froh. Inzwischen hat es auch bei meiner Arbeitskollegen dank hormoneller Behandlungen und einer Fehlgeburt geklappt. Für mich ist es also nicht selbstverständlich, dass sich der Kinderwunsch problemlos erfüllt.

Das Martin so offenherzig über ein Tabuthema spricht, fand ich sehr interessant, so dass ich mir das Buch holen musste. Schließlich ist eine Samenspende für manche Frauen die einzige Möglichkeit. Manche Frauen bevorzugen es anonym, andere wollen zumindest den Spender kennen, und andere Frauen suchen sich einfach Opfer mit denen sie eine Scheinbeziehung eingehen, um nach der geglückten Schwangerschaft eigene Wege zu gehen. Dementsprechend war ich neugierig, was Martin so zu erzählen hat.

Der Einstieg in das Buch beginnt neben zahlreichen Kontaktadressen mit einer kleinen Einleitung. Danach erzählt er in kurzen Kapiteln verschiedene Geschichten. Dabei achtet er auf einen sachlichen, dennoch nur vollen Stil. Darin möchte ich sagen, dass er versucht die Fakten nicht langweilig, sondern emotional und leicht witzig herüberzubringen. Auch wenn die Situationen nicht zum Lachen sind, bleibt bei einigen Geschichten das Auge nicht trocken. Trotzdem sollte nicht vergessen werden, dass hinter diesem Geschichten reale Schicksale stecken. Und es gibt wirklich Geschichten, wo ich mich frage, wie man diese veröffentlichen kann. Damit möchte ich nicht auf das Kapitel Totgeburt eingehen, sondern auf die arische Familie. Selbst nach Jahren hätte ich als Autor bzw. Samenspender Angst zu sagen, dass ich Geld genommen habe und das Sperma mit Salz versehen habe. Schließlich weiß man, wie solche Leute reagieren können. Es sind solche Geschichten, die Fragen aufwerfen, wie zum Beispiel: sind sie wirklich real. Damit möchte ich nichts unterstellen, aber ich kenne keinen Menschen, der in diesem Punkt ein Risiko eingehen würde. Auch hätte ich persönlich, Geschichten wie zum Beispiel, eine vorgetäuschte Samenspende, weggelassen. Obwohl diese nachvollziehbar ist, muss man damit rechnen, dass die Empfängerin dieses Buch liest, und sich betrogen fühlt.

Trotzdem sind es Geschichten, die Frauen ihre Angst vor einem solchen Schritt nehmen können. Aus diesem Grund finde ich es auch mutig darüber zu sprechen. Allerdings sehe ich auch die Kehrseite dieses Buches. Viele Männer könnten dies als Ansporn nehmen, auf diese Art und Weise ihr Geld zu verdienen. Bei all den kinderlosen Frauen sicherlich nicht verkehrt, aber es lockt auch Betrüger und kranke Menschen an. Wie oft hört man schließlich, dass sich eine Erotikdarstellerin mit HIV angesteckt hat, weil die angeblichen Atteste nicht korrekt waren. Auch wenn ich weiß, wie die Bürokratie an Deutschland funktioniert, finde ich Samen Banken, wo alles wirklich genau geprüft wird, einfach sinnvoller. Zumindest sollten genaue Nachforschungen über den Spender und dessen gesundheitlichen Zustand angestellt werden, bevor man privat auf einen Spender zurückgreift.

Zur Einteilung des Buches. Biografien fallen für mich in die Kategorie Sachbuch, aber dieses Exemplar ist schon recht humorvoll für ein Sachbuch. Als Tipp an den Autor: ich würde noch ein paar lustige Karikaturen einbauen, um das ganze noch mehr aufzulockern, und es so noch etwas vom Bereich Sachbuch Weg locken. Ebenfalls hätte ich mich gefreut, zu Beginn mehr allgemeines über Samenbanken und Möglichkeiten im Bereich Kinderwunsch in Deutschland zu bekommen. Viele Geschichten handeln schließlich von Dänemark, Österreich oder sogar Afrika. Es klärt zwar dadurch gut auf, aber Deutschland im Allgemeinen wird rechts außen vor gelassen. Hier ein paar Fakten mehr und das Buch wäre perfekt.

Alles in allem ist es jedoch ein sehr interessantes Buch, das ich Frauen einem unerfüllten Kinderwunsch wirklich ans Herz legen kann.

===Abschließendes Fazit===


Pro: Idee, Stil, Cover
Contra: wenig Fakten für Deutschland, manche Geschichten
Empfehlung:Ja, 4 Sterne