Das Schattenhaus / Mascha Vanessa

Ich liebe es, wenn der Briefträger einen dicken Umschlag bringt, und ich dann voller Vorfreude überlege, welches Buch wohl enthalten sein könnte. Gerade an Tagen, wo ich nichts erwarte, ist das immer ein besonders schweres Unterfangen. Auch diesmal hätte ich nicht gewusst, was im Umschlag ist. Zeitgleich muss ich sagen, dass mich das Buch aus dem Piper Verlag wirklich erfreut hat. Nachdem ich erst vor einigen Tagen ein Debüt mit ähnlicher Vergangenheits-Idee lesen durfte, war ich neugierig, wie diese Geschichte umgesetzt sein würde.


'''o0o WORUM GEHT ES IM BUCH? o0o'''
2013: Als Anna vom Tod ihrer Mutter erfährt, lässt sie alles stehen und liegen, verliert sogar lieber ihren Job, als auch nur eine Bahn später zu nehmen. Nicht der plötzliche Tod treibt sie zurück an den Ort ihrer Kindheit, sonder Rike, ihre 14jährige Tochter, die bei ihrer Mutter aufgewachsen ist. Sie war selbst noch halb Kind, als sie ungewollt schwanger wurde, und von ihrer Mutter zur Geburt genötigt wurde. Nach der Geburt verschwand sie in Richtung Hamburg und steht nun vor einer großen Tochter, die nie verstanden hat, warum ihre Mutter damals einfach verschwunden ist, und sich nie viel gemeldet hat. Noch überraschender ist jedoch für Anna die Tatsache, dass ihre Mutter ein Haus im Tessin besessen hat. Zusammen mit Rike begibt sie sich dort hin, um sich auf der einen Seite näher zu kommen, aber auch um das Haus auf der anderen Seite zu verkaufen. Doch vor Ort verliebt sie sich in das urige Haus, und toleriert mehr oder weniger die schrullige alte Dame, die wie ein Gespenst oben im Haus seit vielen Jahren wie ein Einsiedler lebt. Doch dann verschwindet Rike und Anna muss mit dem schlimmsten rechnen. Erst kurze Zeit zuvor hat sie Briefe ihrer Mutter entdeckt, die auf ein dunkles Geheimnis schließen lassen. Ein Geheimnis, das Rike nun vielleicht das Leben kosten kann.

1963: Charlotte ist 16 Jahre alt und mit ihren Eltern über den Sommer im Tessin. Ihr Verehrer ist zwar hübsch, aber total langweilig, und als sie die Amerikanerin Amanda kennenlernt, beginnt der Urlaub endlich Spaß zu machen. So lernt sie auch George kennen und verliebt sich sofort in ihn, obwohl er eine Liebschaft mit Amanda hat. Als er Amanda jedoch stehen lässt und mit ihr eine Romanze beginnt, ist Charlotte wunschlos glücklich. Zumindest bis zu dem Tag, als sie jäh aus ihren Träumen gerissen wird. Der Urlaub neigt sich dem Ende zu, und ihr ist klar, dass sie George verlieren wird. Zeitgleich erpresst sie ihr alter Verehrer, der sie heimlich beobachtet hat. Charlotte ist klar, sie muss mit George durchbrennen, aber wie?

'''o0o MEINE LESEEINDRÜCKE o0o'''
Das Schattenhaus“ ist ein Roman, der die tragische Geschichte dreier Frauen erzählt, die ungewollt miteinander verwoben sind. Auf Grund der vielen positiven Meinungen auf Amazon.de wurde meine Neugierde auf das Buch nur angestachelt. Leider kann ich die Euphorie der anderen Leser in Bezug auf dieses Werk nicht ganz teilen.

ZITAT – ERSTER SATZ
Sie sitzt auf dem Hocker, während es draußen hell wird, und betrachtet das Blut, das sich mit all der Farbe mischt.

Mascha Vanessa gelingt es mit diesem Einstieg nicht nur Fans von blutigen Thrillern in den Bann zu ziehen. Generell wird es nur wenige Leser geben, die nicht wissen möchten, wer gestorben ist, wer diese durchgeknallte Frau ist und wie es mit dem Klappentext zusammenhängt.

Aufgebaut ist der Roman in zwei Zeiten und Perspektiven, die das Geheimnis nach und nach Lüften sollen. In der Gegenwart wird die Geschichte von Anna, ihrer Tochter und dem Umbau des Hauses dominiert. Während ihr mit Rike eine jugendliche Figur gelungen ist, die sofort eine Bindung wecken kann, schafft es die Autorin nicht, mich mit ihrer Hauptfigur Anna zu reizen. Im Gegenteil, Anna ist eine Persönlichkeit, die mich in den Wahnsinn treibt mit ihrem Wesen. Das liegt nicht nur daran, dass ich als Mutter nicht nachvollziehen kann, wie man sein Kind einfach weggeben kann, sondern an vielen weiteren Punkten. Mal hysterisch, mal naiv, ging sie mir nach rund 100 Seiten gewaltig auf die Nerven. Generell ist die Gegenwart kein schillerndes Highlight, sondern wirkt in meinen Augen wie ein Lückenfüller. Stilistisch eher einfach und teilweise sogar langweilig, schafft sie es einfach nicht Tessin, seine Leute oder das Geheimnis von Annas Mutter zum Leben zu erwecken.
Die Vergangenheit wird von der noch nicht einzuordnenden Figur Charlotte dominiert, die hingegen sehr authentisch dargestellt wird. Rebellisch, egoistisch und verliebt, wie es oft nur noch unschuldige Mädchen sein können. Ihr gelingt es diese Verliebtheit einzufangen und lebendig zu präsentieren, das man als Leser selbst an seine erste große Liebe erinnert wird. Schön fängt die Autorin ebenfalls die Folgen manch unsinniger Handlung aus Liebe ein.

Die Tragik und der Tiefgang der hieraus zeugt, ist wohl das Highlight des ganzen Buches. Zu sehen, wie eine Entscheidung das ganze Leben negativ verändern, und wie ein Unfall die jugendliche Unbefangenheit zerstören kann, ist schon Grund allein das Buch zu lesen. Der Spannungsfaktor, der eigentlich im Vordergrund stehen sollte, verblasst allerdings recht schnell. Das liegt daran, dass jeder geübte Leser schon nach nicht mal 50 Seiten, die Zusammenhänge deuten kann.

Alles in allem hat mich das Buch nur auf Grund von Charlottes Leidensweg gefesselt. Sonst kann die Autorin mich zumindest mit diesem Werk nicht überzeugen.

'''o0o ALLGEMEINE FAKTEN ZUM BUCH o0o'''
'''Buchfakten'''
Autor: Mascha Vanessa
Titel: Das Schattenhaus
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (11. August 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492303250
ISBN-13: 978-3492303255
Preis: € 9,99
Genre: Thriller, Drama
Gelesen in: 2 Tagen

''' Zum Schluss zusammengefasst '''
Pro: Charlottes Tragik
Contra: Anna, Gegenwart
Empfehlung: Nein
Sterne:2