Burkowski, Ursula: Weinen in der Dunkelheit


==Meine qualvolle Kindheit in einem DDR-Heim==




Ich war froh, nach fast sechs Jahren mit Pflegeeltern nun wieder für mich zu sein. In den letzten Jahren hatten mich meine Pflegeeltern Wochenende für Wochenende geholt, einschließlich des Urlaubs und der Feiertage, aber ich fühlte mich dort nie zu Hause. Später bin ich nur noch mitgegangen, wenn ich eine Freundin mitnehmen durfte. In all den Jahren hatte mich meine Pflegemutter nicht ein einziges Mal in die Arme genommen oder gedrückt. (Zitat S. 89)


Dieses Zitat stammt aus einem Schicksalsroman aus dem Hause Bastei Lübbe. Als Kind habe ich zusammen mit meiner Mutter zahlreiche Werke dieser Reihe gelesen. Inzwischen wurde diese Reihe in dieser Form eingestellt und daher freue ich mich wieder, wenn ich ein Exemplar ertauschen kann oder es mir geschenkt wird. Nun möchte ich euch das Schicksal von Ursula näher bringen.

===Buchdaten===
Autor: Ursula Burkowski
Titel: Weinen in der Dunkelheit
Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: 1994
ISBN-10: 3404612442
ISBN-13: 9783404612444
Seiten: 256
Kosten: gebraucht ab 1€
Serie: Bastei Lübbe Erfahrungen

===Zitierter Klappentext===
Als die zweijährige Ursula Burkowski und ihre Geschwister im Winter 1953 von ihrem Großvater gefunden werden, ist ihre Mutter schon eine Woche verschwunden. Sie hat sich aus Ostberlin in den Westen abgesetzt. Die Kinder sind halbverhungert, die Haare der Jüngsten an den Gitterstäben des Kinderbettchens festgefroren.Ursula wird in das Kinderheim Königsheide eingewiesen, eine Vorzeigeanstalt der DDR. Hier erfährt sie die Einsamkeit der Gruppenerziehung: Stubenappelle und Stubenarrest, Politdrill und Fähnchenschwenken bei Staatsfeiern, homosexuelle Praktiken eines Erziehers und die Schwangeschaft einer dreizehnjährigen Freundin. Sie lernt früh, daß von Erwachsenen nicht viel zu erwarten ist, und sie lernt, sich zu wehren ...

===Meine Meinung===
Schicksalsromane gibt es wie Sand am Meer. Einen wirklich guten Roman herauszufischen ist bei der Masse gar nicht so leicht. Aus diesem Grund habe ich stets gerne Werke aus dem Bastei Lübbe Verlag gelesen, denn hier gibt es abwechslungsreiche Schicksale, die auch nach vielen Jahren das Herz bewegen.

Das Leben in einem Heim ist nie leicht, wie es sich in der DDR jedoch verhält, ist für einen „Westdeutschen“ noch fremder. Nach der Wende versuchte Ursula Burkowski ihr Schicksal den „Wessis“ aufzuzeigen.

Ihre Autobiographie beginnt mit einer Zeit, an die sie sich nicht wirklich erinnert. Sie ist zwei Jahre alt, als ihr Opa sie und ihre anderen Geschwister allein zu Hause, halb erfroren und ohne Essen findet. Ihre Mutter ist einfach in den Westen geflohen. Ursula kommt kurzer Hand in ein Heim. Damit beginnt für sie eine Kindheit und Jugend voller Entbehrungen, Neid, Qualen und vor allen Dingen ohne Liebe. Auf der Suche nach Liebe wird sie immer wieder ausgenutzt und ist am Ende im Alter von 17 Jahren ungewollt schwanger. Damit beginnt die Heimgeschichte für ihren Sohn von Neuem.

Wenn man sich den Klappentext durchliest, dann bekommt der Leser einen kleinen Vorgeschmack auf ein brutales und schockierendes Kinderleben in einem Heim. Wer ein solches Buch schreibt, der muss schon mit solchen Schilderungen aufwarten, um einen Leser zu berühren. Krebs, Aids oder Missbrauch wurde schon so häufig aufgegriffen, dass ein solches Schicksalsbuch schon eher selten ist. Leider blieb es bei einer guten Idee, denn das Schicksal, welches Ursula als qualvoll und grausam angibt, ist zwar bewegend, aber definitiv nicht qualvoll oder grausam. Die wirklich schockierenden Aspekte wurden schon in der Kurzbeschreibung genannt. Aus diesem Grund zog sich das Buch auch nur in die Länge. Ihr Schicksal unterscheidet sich in meinen Augen überhaupt nicht von anderen Schicksalen. Da gibt und gab es sicherlich tragischere Kindheiten. Um diese aufzuzeigen, geht sie neben ihrer Geschichte stets auf Freundinnen und ihre Probleme ein.
In kurzen Kapiteln geht die Autorin auf wesentliche Zeitpunkte ihres Lebens ein. Dabei achtet sie auf eine chronologische Reihenfolge. Von ihren ersten Tagen im Heim, der Einschulung, dem ersten Kuss, Parteitreffen, dem ersten Sex bis zur Geburt ihres Sohnes. Über die DDR selbst erfährt der Leser einige Informationen, die aber im Nachhinein betrachtet eher oberflächlich sind.
Stellenweise geht die Autorin auf so unwichtige Dinge ein, oder versucht zu zeigen, wie unterschiedlich die Kindheiten in Ost und West verliefen, dass man einfach nur gelangweilt den Kopf schütteln kann. Kinder aus dem Westen wurden sicherlich nicht wie Könige behandelt. Auch dort hatten es die Kinder in den Heimen mehr als schwer. Sie haben die gleichen Probleme und Ängste. Die Autorin stellt dies aber so dar, als wäre es in einem Ost-Heim alles viel tragischer gewesen.
Gerade die langweiligen Passagen, wo es dann um unwichtige Partys und Ausflüge geht, möchte man das Buch am Liebsten aus der Hand legen. Nichtsdestotrotz ließt man das Buch zu Ende, um einfach zu erfahren, wie es weitergeht, oder Dinge zu erfahren, die man wissen möchte.
Der Stil von Ursula Burkowski trägt nicht gerade zu einem Bestseller bei. Obwohl sie schon wesentlich älter ist, und einen ganz anderen Blickwinkel auf bestimmte Dinge hat, beschreibt sie ihr Leben aus einer naiven Sichtweise. Ihr Stil erinnert mich an das Tagebuch einer 13jährigen Schülerin. Es lässt sich zwar flüssig und leicht lesen, aber der gewisse Pepp fehlt einfach. Zudem gibt es in dem gesamten Buch nicht ein einzige Foto. Selbst in Zeiten der DDR gab es schon Fotos, die man hätte einbinden können.

Im Großen und Ganzen ist das Buch eher nur mittelmäßig. Eine gute Idee reicht definitiv nicht aus. Wer ein flaches Schicksal lesen will, wird hingegen glücklich.

===Bewertung===
Kindlicher Stil, naive Sichtweise, fehlende Fotos und stellenweise langatmige Passagen, da können nicht einmal die tragischen Momente einen guten Ausgleich bieten. Für mich schwache drei Sterne.

Pro: Idee
Contra: langatmige Passagen, naiv, wenig interessant
Empfehlung: nein