Rezension - Das gekaufte Leben

Mein Haus, mein Boot ...

Habt ihr euch schon einmal vorgestellt, wie es wäre ein anderes Leben zu leben? Schon als Kind habe ich mir manchmal Häuser angeschaut an denen ich vorbeigefahren bin und mir vorgestellt, was sie zu erzählen haben. Sicherlich keine schlechte Basis, um Bücher zu schreiben. In dem Buch, was ich euch heute ans Herz lege, geht es nicht nur um die Geschichte in einem Haus, sondern darum sie selbst zu erleben. Klingt komisch? Ach lest selbst. 



EIN PAAR FAKTEN
Autor/in - Tobias Sommer
Verlag - dtv
Seiten - 336
Preis - 20€
Schauplatz - Zaun
Zeit - Gegenwart 
Genre -  Drama, Krimi 

EINBLICKE IN DIE GESCHICHTE
Clemens Freitag ist ein absoluter Versager, der nur dank dem Tod seiner Eltern Geld hat. Als sein altes Leben in Berlin ihm über den Kopf zusammenstürzt, bietet er kurzer Hand bei einer Auktion mit. Götz verkauft nach einer Trennung alles: Haus mit See, Ferienhaus, Boot, Auto, Freunde und sogar einen Job mit guter Bezahlung. Für 250.00,51€ erhält Clemens den Zuschlag und tritt direkt sein neues Leben an. Doch schon bald merkt er, dass jeder Mensch Geheimnisse hat. 

FÜR EUCH ABGECHECKT
Als ich den Klappentext gelesen habe, war es um mich geschehen. Dunkle Geheimnisse, Spannung und Drama. Genau mein Geschmack. Das hätte ich bei dem farbenfrohen und schlichten Cover nie vermutet. Das wurde in meinen Augen falsch gewählt. Aber sei es drum. 

Da haben wir Clemens Freitag, den perfekten Versager. Ich habe ihn bildhaft vor mir gesehen und mich gefragt, wie wird er es versauen? Denn genau davon geht man aus, wenn man in die Geschichte einsteigt. Auf der anderen Seite ist da dass perfekte Leben, idyllisch und ein Haus, dass auch nur gefallen würde. 

Mit Clemens lerne ich Dorf und Leute kennen, erfahre etwas über den Vorbesitzer und dessen Frau, die sich plötzlich trennte. Und man fragt sich, ob hier alles mit rechten Dingen zuging. Hat Götz seine Frau ermordet? Wessen Finger schwamm dort im See? Und was für ein Geheimnis hatte Götz? Viele Fragen und ich denke es geht in Richtung Krimi, aber auf eine eher ruhigere Art mit jeder Menge Drama.

Durch den Stil war ich schon gut in der Geschichte. Etwas nüchtern, aber dank vieler Gedanken nah am Geschehen. Manchmal aber etwas verwirrend. Aber da passte auch alles, denn Clemens wirkt auf mich wie einer, der gerne mal trinkt. 

Mit der Zeit kippt die Fassade und ich als Leser überlege wie dass Buch wohl ausgeht. Welches Geheimnis am Ende zu Tage befördert wird. Mit der düsteren und recht einsamen Waldkulisse am See einfach ein authentisches Setting. Das könnte ich mir gut auf Netflix vorstellen.

Aber dann kommt der Schluss und hier hat mich der Autor leider verloren. Nicht mit der Auflösung, warum Götz alles verkauft hat, sondern vielmehr weil es wirr wurde. Ein kleines Beispiel in meinen Worten. Er ruft bei der Polizei an und weiß nicht mal sein Geburtsdatum. Sie möchten einen Einbruch melden, sind aber nicht Götz. Ich bin Götz. Aber Sie rufen von Celments Nummer an. Ja, aber ich bin Götz. Sind sie sich absolut sicher. Solche Szenen häufen sich am Ende sehr. Das wirkte alles nicht authentisch in meinen Augen. Auch mit den Nachbarn und Co. Auf mich wirkte es so, als wolle man hier den Leser überraschen, verwirren und ihm etwas ungewöhnliches bieten. Das wäre aber auch der Fall gewesen, wenn die Nachbarn die Verkäufer gewesen wären oder ein anderer Ansatz. Mit war dass einfach zu übertrieben und fiel. 

LESEEMPFEHLUNG?
Ja, dass auf alle. Ein spannendes Buch, das tiefe Einblicke in die Menschen und ihre Fassaden bietet und dich fragen lässt, welche Leichen haben deine Nachbarn im Keller. Starker Anfang, spannender Mittelteil und leider ein verlierender Schluss. 


BEWERTUNG 
 COVER  💜
 GRUNDIDEE  💜💜💜💜
 FIGUREN 💜💜💜💜
 DETAILS 💜💜💜
 TEMPO 💜💜💜💜
 EMOTIONEN 💜💜💜💜💜
 STIL  💜💜💜💜💜
 SPANNUNG 💜💜💜💜
 GESAMT 💙💙💙


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