[Rezension] Septemberjunge - Lara Ried

Rezension - Septemberjunge

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Keiner, nicht im Jungvolk, nicht in der Hitlerjugend, nicht in der Ausbildung. Keiner hatte ihnen gesagt, dass es auch sie treffen kann.  (S.52)  
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Genre: Tatsache 



Buch Fakten

Autor/in:
Lara Ried 
Verlag:
Tradition
Erschienen:
2026
ISBN:
9783384717061
Seiten:
563
Format:
Tb 
Serie:
-
Preis:
17,99€

Worum geht es in dem Buch

1942 - der Krieg tobt und ist auf seinem Höhepunkt, als der Junge aus Oschatz mit gerade einmal 18 Jahren zum Kriegsdienst einberufen wird. Zusammen mit seinen Kameraden ist er am Anfang noch voller Vorfreude. Ein Abenteuer, dessen Tragweite ihm jedoch schnell klar wird. Schon der Weg an die Ostfront zeigt, was sie wirklich erwartet. Pure Grausamkeit an dessen Ende oft nur der Tod wartet.  Doch es gibt auch Lichtblicke in der dunklen Zeit. Freundschaften und sogar die erste Liebe.

Meine Leseeindrücke

Der Septemberjunge ist ein Buch, das auf wahren Begebenheiten beruht. Hierfür hat die Autorin einen inzwischen 101 jährigen Mann an Bord holen können, dessen Erlebnisse und Fotos in diesem Buch unvergessen bleiben. Für mich ein Herzensbuch, denn wer meinen Blog verfolgt, der weiß, dass meine Mutter 1938 geboren wurde. Ihre Kindheit verbrachte sie mit Bomben, Sirenen, Hunger und Angst. Sie starb letztes Jahr und für mich war es eine Möglichkeit ihr wieder näher zu sein. 

Erzählt wird die Geschichte eines Jungen, der zum Kriegsdienst einberufen wird. Die Jahre 1942-1945. Wer genau dieser Junge ist, über den geschrieben wird, zeigen ein paar Fotos am Ende des Buches. Nicht meine Lieblingsstelle, denn ich persönlich bevorzuge sie zwischendrin, aber im Grunde ist es eine Frage des Geschmacks. Hier allerdings wäre es tatsächlich sinnvoll gewesen, die Bilder an den Anfang oder zwischendrin zu streuen, denn tatsächlich wird in der Geschichte immer von dem Jungen gesprochen. Obwohl ich jeden Schritt begleitete, blieb ich außen vor. Der Fokus liegt weniger auf Emotionen und Nähe, sondern der Bewahrung der Geschichte. 

Das musste ich mir beim Lesen öfters ins Gedächtnis rufen, denn die Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie es damals vielen jungen Männern ging. Sie ist traurig, lustig, ehrlich, aber nicht einfach zu lesen. Das liegt nicht am Inhalt, sondern am Stil, den ich die meiste Zeit ehrlich gesagt anstrengend fand. 

Den Stil muss man wirklich mögen. Ich persönlich hatte mit zwei Merkmalen wirklich Schwierigkeiten, weshalb ich nicht nur länger las, sondern auch oft doppelt. Mein erstes Problem: Das Buch ist in einem Fließtext geschrieben. Zwischendrin gibt es nur Absätze, wenn eine Szene endet. Dialoge und alles sind hintereinander weg. Dadurch fand ich es schwieriger den Dialogen zu folgen. Mir ist gleichzeitig bewusst, dass die Autorin sich dafür entschieden hat, weil das Buch sonst locker 200 Seiten mehr gehabt hätte. Der zweite Punkt sind die verschachtelten Sätze und Wortwiederholungen. Das sorgt regelmäßig für Stolperer beim Lesen. Es muss nicht immer kurz und bündig sein, aber es gibt Verschachtelungen, die ich persönlich auf die Dauer anstrengend finde. Da mein Mann es ähnlich empfindet, hier ein Beispiel, damit ihr wisst, was ich meine. 

Beispiel Zitat S. 11: Zwischen Ihnen kam es selten zum ernsthaften Streit, eigentlich nie, bloß in einem Vorfall aus ihrer gemeinsamen Zeit als Pimpfe beim Jungvolk konnte sich der Junge erinnern, da wäre es fast auseinandergegangen mit ihrer Freundschaft, aber da waren sie noch halbe Kinder gewesen und weniger nachtragend, deshalb war die Sache längst vergeben.

Deshalb sollte vorab überlegt werden, ob der Stil zusagt. Fakt ist jedoch, wenn man sich durchkämpft, darf man Teil einer wichtigen Geschichte sein. Ich selbst finde solche Zeitzeugen-Bücher immer spannend und wertvoll. Dieses genauso. Auf jeden Fall kann ich sagen: Das Buch und die Geschichte des Jungen wird mir immer im Gedächtnis bleiben. 

Fazit

Septemberjunge ist ein Stück zeitlicher Geschichte. Die Erinnerung eines Zeitzeugen an eine traurige Zeit. Wertvoll und spannend. Ein Buch das auf jeden Fall im Gedächtnis bleibt. Allerdings ist der Stil eine Frage des Geschmacks. Verschachtelt, einfach, mit Wiederholungen und Dialogen im Fließtext. Ich empfand es daher eher schwierig zu lesen.  

Leseempfehlung für Leser von ..

  • Zeitzeugenberichte
  • Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg 
  • Biographien mit Fotos 

Bewertung

Cover ⭐⭐⭐⭐⭐
Grundidee ⭐⭐⭐⭐⭐️
Stil & Sprache
Fotos  ⭐⭐⭐️⭐️⭐️
Tempo ⭐⭐⭐
Spannung ⭐⭐⭐️⭐️
Schluss ⭐⭐⭐⭐️⭐️
Gesamtbewertung ⭐⭐⭐

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