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In den Augen der anderen / Jodi Picoult

Insgesamt drei Bücher von Jodi Picoult habe ich von meiner Mutter geschenkt bekommen, und nachdem ich angefangen habe, wollte ich auch schnell den dritten Band lesen, der ebenfalls sehr interessant klang. Gerade in der Schwangerschaft bin ich zwar kein Fan von so traurigen Büchern, aber ich war echt neugierig. 


==ooo BUCHFAKTEN ooo==
Autor: In den Augen der anderen
Titel: Jodi Picoult
Taschenbuch: 688 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe 
Jahr: Auflage: Aufl. 2013 (21. Juni 2013)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404168240
ISBN-13: 978-3404168248
Originaltitel: House Rules
Preis: € 9,99
Genre: Drama, Familie, Krankheit
Gelesen in: 10Tagen

==ooo AUTORENPORTRAIT ooo==
Die gebürtige New Yorkerin Jodi Picoult eroberte im Sturm die Herzen ihrer Leser. Vor allem ihr Talent , mit Feingefühl vielschichtige zwischenmenschliche Beziehungen zu beschreiben, schätzen ihre Fans. Die 1967 geborene Autorin lebt heute mit ihrem Mann und ihren Kindern in Hanover, New Hampshire. Bereits während ihres Studiums widmete sie sich dem Schreiben und arbeitete zunächst als Texterin und Lehrerin. Ihren ersten Roman verfasste sie 1992, als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war. Damit sie für ihre Bücher effektiv recherchieren kann, hat ihr Mann seinen Beruf aufgegeben. Jodi Picoult kann so die Schauplätze ihrer Romane besuchen, um eine genaue und authentische Beschreibung zu liefern. Kein Wunder also, dass man mit ihren Romanhelden jedes Mal mitfiebert, als ob sie wirklich wären. (Quelle: Amazon,de)

==ooo DAS COVER ooo==
Passt zu allen Werken der Autorin. Blau-Grauer Himmel als Hintergrund, eine Frau mit Locken im Vordergrund, mit zerzausten Haaren. Ein Gerichtstermin oder ein sortierter Kleiderschrank hätte mir besser gefallen.

==ooo DIE WICHTIGSTEN FIGUREN IM ÜBERBLICK ooo==
Jacob – Intelligent, Asperger Authist
Emma – Mutter, die alles für ihren Sohn tut
Theo – Der jüngere Bruder von Jacob
Oliver – Anwalt der Familie

==ooo INHALTLICHE FAKTEN ooo==
Ort: USA
Zeit: 2010er
Perspektive: Diverse Perspektiven 
Alter der Figuren: 16-40

==ooo AUSGEWÄHLTES ZITAT FÜR DIE VERANSCHAULICHUNG DES STILS ooo==
Alles in Jacobs Zimmer ist so präzise angeordnet wie in einem Artikel von Architectural Digest. Alles hat seinen Platz. Das Bett ist gemacht, und die Stifte auf dem Schreibtisch liegen exakt im rechten Winkel zur Maserung. Jacobs Zimmer ist der Inbegriff der Ordnung. (Zitat S. 105)

==ooo INHALT IN EIGENEN WORTEN ooo==
Jacob ist anders als die meisten Jugendlichen. Er ist sehr intelligent, unterhält sich am Liebsten zur Zeit über Forensik, stellt gerne Tatorte nach, hat keine Freunde, kann niemanden in die Augen sehen, hat für jeden Wochentag eine andere Farbe und braucht einen 100% geregelten Tagesablauf. Geht nur einer zu falschen Zeit über die Ampel oder knüllt ein Blatt Papier, könnte das schon für ihn zu viel sein. Daraus resultiert ein Anfall, der mehr oder weniger heftig ist, denn Jacob leidet am Asperger Syndrom. Dahinter versteckt sich ein Autismus, der ganz besonders ist, denn das Kind ist nicht in sich gekehrt, sondern kann nur mit Emotionen nichts anfangen. Alles in Jacobs Leben ist geregelt. Mittwochs ist zum Beispiel der gelbe Tag. Alles vom Essen bis zur Kleidung muss gelb sein. Sein 16jähriger Bruder ist davon natürlich schon etwas genervt, aber so langsam bessert sich Jacobs Leben, denn Jess, eine Studentin, hilft ihm gewisse Brücken zu überwinden. Doch dann kommt es zwischen ihm und Jess zu einem großen Streit. Als er zur nächsten Sitzung zu ihr geht, passiert etwas. Was genau verrät Jacob nicht. Jess ist auf jeden Fall tot, er konstruiert einen seiner Tatorte und wird leider überführt. Seine Mutter glaubt an seine Unschuld, sein Anwalt will zumindest verhindern, dass er ins Gefängnis muss, und sein Bruder versteht die Welt an manchen Tagen nicht mehr. Hat Jacob wirklich seine „Freundin“ Jess kaltblütig ermordet?

==ooo MEINE LESEEINDRÜCKE ooo==
„In den Augen der anderen“ ist wieder ein typischer Picoult. Sie setzt auf verschiedene Perspektiven, die zwar klar getrennt sind und auch gute Einblicke in alles gewähren, aber manchmal weniger, dann doch besser wären. Hinzu kommt ein interessantes Thema, das Mütter zu Tränen rührt und bewegt. 

Diesmal befasst sie sich mit dem Asperger-Syndrom. Gehört habe ich davon schon, jedoch nie so ausführlich darüber etwas gelesen. Gerade als Schwangere fragt man sich schon, ob es wirklich Zusammenhänge zwischen dieser Krankheit und dem Impfen vorhanden sind, denn schließlich muss ich mir die Frage bald wieder stellen. Darum geht es jedoch nicht, sondern, um die Krankheit selbst und die Frage, ob ein solcher Mensch zu einem Mord fähig ist und in dem Fall schuldfähig ist.

Der Leser wird langsam in Jacobs Welt eingeführt und lernt die Krankheit so gut kennen, wie sie manche Dokumentationen auch vermitteln würden. Auswirkungen von Nahrungsmitteln auf den Verlauf, Dinge die zu Ausrastern und Anfällen führen, die Sichtweise der Menschen und vieles mehr. So ein Buch sollte schon Pflichtlektüre sein, denn diese Art von „Behinderung“ ist nicht unbedingt selten, und das Buch schafft es mit seiner Umsetzung mir sehr deutlich zu machen, wie diese Menschen ticken. Ein besserer Umgang mit ihnen ist dadurch garantiert, und deswegen empfand ich das Buch als sehr wertvoll, aber eben auch beängstigend, wenn man beim Lesen selbst schwanger ist.

Schon zu Beginn deuten viele Indizien auf verschiedene Schuldige hin. Es könnte Jacob gewesen sein, denn es gab schon häufiger Ausraster, es könnte der Bruder gewesen sein, der gerne in andere Häuser einbricht, oder der Freund von Jess gewesen sein, der sehr gewalttätig ist. Ich muss zugeben, dass ich den Fall schon sehr früh gelöst habe, aber sicherstellen wollte, ob ich auch richtig lag. Der Weg ist lang, und gerade in der Mitte ist es immer wieder so, dass es stellenweise langatmig wirkt. 

Obwohl ich wusste, worauf das Buch mit großer Wahrscheinlichkeit hinauslaufen wird, wollte ich immer wissen, ob ich richtig liege, und Jacob nun schuldig oder unschuldig ist. Nach einer gewissen Seitenzahl stellt sich das Buch jedoch nicht mehr dieser Frage, sondern es geht nur noch darum dafür zu sorgen, dass Jacob nicht schuldfähig ist. Lediglich Jacob geht es um die Wahrheit und seine Unschuld. Klar lernt man dadurch diesen Typ von Autismus kennen und das besser, als wenn man nur über den Mord selbst reden würde, aber es enttäuscht einen sehr, dass alle davon ausgehen, das die Fakten nur auf ihn hindeuten. Immer wieder spricht Jacob davon, dass die Wahrheit gesagt werden muss, aber niemand fragt ihn, was denn in seinen Augen die Wahrheit ist. Erst zum Ende des Buches wird dieses innerhalb von wenigen Seiten abgehakt. Extra noch einmal mit einer Portion Verwirrung, um dann später etwas zu erklären. Muss denn das sein? Vom Anwalt und der Polizei erwartet man das so, aber von der eigenen Mutter, da hätte ich mir etwas mehr Feingefühl gewünscht. 

Das Buch endet wieder so, wie man es von der Autorin gewohnt ist, in einem kleinen Wutanfall, denn die Autorin schafft es nicht ihre Werke wirklich präzise zu beenden, sondern beantwortet alles sehr wage und lässt unglaublich viel Freiraum für Spekulationen. Und das hat mich an diesem Buch mal wieder richtig gestört. Obwohl man deutlich weiß, wer nun der Schuldige ist, möchte man doch nach dem langen Prozess auch wissen, wie der Rest des Prozesses weiterläuft und wie die Polizei und Staatsanwaltschaft den Fall nun endgültig aufklärt, aber auch wie es für die anderen Figuren weitergeht. Spekulationen sind ja nicht schlecht, aber es nervt schon etwas, wenn man bei allen Büchern alles etwas offen hält. 

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