Corrie ten Boom - Die Zuflucht

===Buchdaten===
Autor: Corrie ten Boom
Titel: Die Zuflucht
Originaltitel:The Hiding Place
Verlag: Brockhaus
Erschienen: 2004
ISBN-10: 3417208173
Seiten: 240
Einband: TB
Kosten: 9,95€
Serie: -

===Inhaltsangabe===
Corrie wird 1892 geboren und wächst mit ihren Geschwistern zusammen bei ihren Eltern auf, die ein Uhrmachergeschäft besitzen. Nachdem ihre große Liebe sie einfach „sitzen lässt“, heiratet sie nie, sondern lebt mit ihrer Schwester weiterhin bei ihrem Vater. Als der zweite Weltkrieg ausbricht, ist für sie klar, dass sie sich der Juden annehmen. Mit Codewörtern versucht die Familie ten Boom herauszufinden, ob es noch „freie Plätze“ auf dem Land gibt, bauen einen geheimen Raum bei sich im Haus, um selbst Juden zu verstecken. Alles geht über lange Zeit gut, bis sie verraten werden. Danach beginnt der Leidensweg, der vom Gefängnis bis zum Todeslager Ravensbrück führt. Doch Corrie gibt auch hier nicht auf und kämpft tagtäglich gegen den Tod.

===Meine Meinung===
Der zweite Weltkrieg ist ein Thema, welches oft in Büchern vorkommt und für viele Menschen einfach ein wichtiges, aber überredetes Thema ist. Trotzdem lese ich seit meiner Kindheit gerne Bücher mit dieser Thematik, da meine Mutter selbst in diesem Krieg aufgewachsen ist.
Mit Holland und dem zweiten Weltkrieg verbindet man in der Regel „Anne Frank“. Doch diese Frau kennt die andere Seite und ist eine wahre Heldin. In diesem Buch wird der Zeitrau, 1892-1945 behandelt.

Die Biographie beginnt mit der Hundertjahrsfeier des Uhrenladens ihres Vaters und springt danach zu Corries Einschulung. Diesen Sprung finde ich nicht sehr gelungen. Ich hätte es persönlich besser gefunden, wenn ihre Geschichte gleich mit der Einschulung begonnen hätte. So wären die Personen später bei der Hundertjahrsfeier vertrauter. So musste ich sie erst einige Seiten lesen, bis ich wusste an welchem Zeitpunkt der Einstieg genau war. Nachdem ich aber bei ihrer Kindheit weiterlesen konnte, war ich mitten in ihrem Leben. Am Anfang fragte ich mich immer, warum sie noch im hohen Alter bei ihrem Vater lebte. Nach dem ich von Karel und der erlebten Enttäuschung gelesen hatte, konnte ich es irgendwo nachvollziehen. Spannend, authentisch und sehr bildhaft schildert sie, wie sie den Beginn des zweiten Weltkrieges erlebt und wie ihre „Zusammenarbeit“ mit den Juden beginnt. Sie ist eine bemerkenswerte Frau, die trotz der ernsten Situation immer eine Portion Humor und Lebenslust versprüht. Ab dem Punkt, wo sie verraten wird und die Familie im Konzentrationslager landet, war ich so vertraut mit Corrie, dass ich richtig mitgelitten habe. Klar wusste ich, durch die Buchangaben, dass sie überlebt hat, aber trotzdem sind die Schilderungen so grausam und real, dass man innerlich leidet. Auch wenn man, wie ich schon viele Bücher mit diesem Thema gelesen hat, ist die Brutalität eines KZ's immer wieder schockierend. Die Autorin vermittelt dem Leser das Gefühl, selbst vor Ort gewesen zu sein. Die Hoffnungen, Ängste und den Mut erläutert sie plausibel. Man fällt aus allen Wolken, als dann alle Hoffnungen wie Seifenblasen platzen. Aber die „Verräter“ haben damals aus politischer Überzeugung gemacht, wie sicherlich viele.

Ständig habe ich mir die Frage gestellt, wie ich reagiert hätte, ob ich auch so mutig gewesen wäre.

Leider gibt es einen Kritikpunkt, der mir gerade bei Biographien besonders störend auffällt. Auch diese Biographie beinhaltet keine Fotos. Zwar gibt es auf der Rückseite ein Bild von ihr, aber ich hätte mich hier sehr gefreut von der Familie, dem Haus, dem Laden oder zumindest der Straße Bilder zu sehen. Klar wurde vieles vernichtet, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass wirklich alles vernichtet wurde.

Was diese Frau, und auch der Rest ihrer Familie erlebt hat, ist so interessant geschildert, dass ich das Buch an drei Tagen gelesen habe. Inhalt und Thema fesseln, sodass es schwer ist mit dem Lesen aufzuhören. Leider hatte ich nicht die Zeit, um es in einem Zug zu lesen. Kapitel gibt es 18 inklusive dem Vorwort. Der Kapitelname verrät, worum es in dem Kapitel geht. Es gibt genügend, und ich konnte so einfach gut gewählte Pausen einlegen, ohne mitten in einem wichtigen Teil pausieren zu müssen.

Empfehlen kann ich dieses mitreißende, einfühlsame und zugleich bewegende Schicksal jedem, der sich für diese Zeit interessiert und einmal die Sicht der Helfer erfahren möchte, die trotzdem auch die Sichtweise der Juden / Versteckten gut beleuchtet. Wer sich für die politischen Dinge zur damaligen Zeit interessiert, sollte sich dieses Buch nicht holen, da es um die menschliche Seite geht.

===Bewertung===
Von mir bekommt die Lektüre volle fünf Sterne. Sie ist anschaulich, einschneidend und glaubwürdig. Für eine Biographie über dieses „abgegraste“ Thema, ist sie sehr empfehlenswert. Ähnlich zu vergleichen mit „Meine Zeit mit Anne Frank“ von Miep Gies.