Tomb Raider (2013) im Test



Die wohl heißeste Frau des Universums ist zurück. Doch eigentlich kann man diesmal nicht von einer Rückkehr sprechen, denn eigentlich befasst sich der neue Teil mit dem, was Lara zu der Sexsymbol gemacht hat. Im Reboot muss die noch sehr empfindsame Lara über sich hinauswachsen, um sich und ihr Team zu retten.

Das Abenteuer beginnt
Das neue Abenteuer beginnt auf den Meer. Eine Forschungsreise zum sogenannten Drachendreieck wir der 21jährigen Lara Croft, ihrem Mentor und einer Crew aus Kollegen und Freunden zum Verhängnis. Auf der Suche nach den Überresten einer alten Zivilisation namens Yamatei gerät die Expedition in einen übernatürlichen Sturm und das Schiff sinkt. Ein kleiner Teil kann sich auf eine Insel retten, die jedoch von Mitgliedern einer mysteriösen Sekte besetzt ist. Lara wird niedergeschlagen und ist von nun an allein auf sich gestellt. Völlig verängstigt, hungrig und mit nichts außer ihren Sachen am Leib, macht sie sich auf die Suche nach den anderen.

Kämpft mit Lara ums Überleben
Zunächst muss Lara jedoch erst einmal ihre Schüchternheit und Ängstlichkeit ablegen, denn ohne Tiere oder Menschen zu töten, kann sie ihre Freunde nicht retten. Bevor es dazu kommt, läuft sie schluchzend,wie ein Häuflein Elend durch den Wald und gelangt an ihre erste Waffe, einen Bogen mit massenhaft Pfeilen, die im Spielverlauf an jeder Ecke stehen. Später kommen andere Waffen, wie zum Beispiel eine Pistole oder ein Schrotgewehr hinzu, welche Lara mit Bergungsgut von zahlreichen Wracks verbessern kann. Immer am Lagerfeuer hat sie später die Möglichkeit ihre Fähigkeiten und Waffen zu verbessern. Doch erst einmal heißt es Nahrung suchen. Ein Punkt, der leider später nicht mehr aufgegriffen wird. Anscheinend hat Lara dieses eine Mal gereicht, denn das Thema Nahrung ist trotz reichlich Vorkommen abgehakt. Schließlich entschuldigt sie sich noch freundlich bei dem ausgeweideten Hirschen. Doch schon wenige Spielminuten später verliert sie ihre Scheu vorm Töten und ballert alles ohne Skrupel nieder, was ihr an Gegnern vor die Nase läuft. Genau dies macht auch die neue Umsetzung von Tomb Raider aus – Töten. Dabei ist die Entwicklung von der verzweifelten Mimose am Anfang wirklich beeindruckend, denn man merkt den Überlebenskampf und Willen mit jeder Spielsekunde. Lara ist eine ernstzunehmende und intelligente Persönlichkeit, die sich in dem klassischen Deckungs-Shooter völlig einbringt. Sie springt automatisch in Deckung, kann an hohen Wänden hochspringen und ist in absoluter Topform. Zielsicher, obwohl sie vorher noch nie kämpfen musste, erinnert sie immer mehr an den Abenteurer Nathan Drake, der uns schon immer überzeugen konnte. Allerdings hätte es sicherlich einigen Fans gefallen, wenn sich Lara auch im Bereich schießen hätte entwickeln können, und nicht von Anfang an ein Ass gewesen wäre. Ein erschwertes Zielen am Anfang, dass mit der Anzahl der getöteten Feinde sich verbessert, wäre in unseren Augen perfekt gewesen. Doch auch so macht es Spaß, sich durch Massen von Gegnern zu schießen.

Neben der heißen Action kommt das Erforschen, was Tomb Raider sonst ausmachte, definitiv zu kurz. Hier muss man wissen, ob man Action a lá Drake mag oder das alte Tomb Raider. Trotzdem gibt es hier in den weitläufigen Arealen genug zu entdecken und auch gewisse Aufgaben können nebenbei erfüllt werden. So kann man verschiede USB-Sticks mit Geocache-Koordinaten finden, oder Artefakte entdecken. All das bringt Erfahrungspunkte, die Lara, wie eingangs erwähnt, mit der Zeit einen neuen Fähigkeitspunkt bringen. So könnt ihr sicher sein, dass ihr mit den stärker werdenden Gegnern problemlos fertig werdet. Unterstützt wird das Ganze mit einer gesegneten Gesundheit, die sich mit der Zeit, sofern man nicht getroffen wird, regeneriert. Ab und an kommt es zwar zu einer Verletzung, die Lara auf ihrem Weg bewusst einschränkt, sodass ihr nicht an Wänden hochspringen könnt oder ähnliches, aber dies beschränkt sich nur auf diesen Bereich von körperlichen Aktivitäten. Sobald Lara eine Waffe zückt, ist sie munter wie ein Fisch im Wasser. Auch hier hätte man sich gewünscht, dass die Zielsicherheit etwas eingeschränkt ist, aber das ist nur ein nebensächlicher Wunsch.

An einigen Stellen kommt das alte Tomb Raider jedoch durch. Versteckt und nur durch Symbole gekennzeichnet, befinden sich Grabkammern, die Lara zu erkunden hat. Knifflige Aufgaben erwarten hier den Spieler, die die Herzen von alten Fans höher schlagen lassen. Lasst euch von diesem Highlight überraschen, denn in unseren Augen ist es ein Highlight. Zumal hier die größte Abwechslung zum Dauerfeuer besteht. Auch hier kann man eine starke Parallele zu Uncharted sehen.

Grafik und Sound
Bei all der Action wird die Frage bezüglich der Technik immer größer, doch auch hier kann man nur löbliches von sich geben. Das Spiel hat kurze Ladezeiten, keine Ruckler und die Atmosphäre ist atemberaubend, durch zahlreiche, gut platzierte Lichteffekte. Auch sonst ist alles sehr detailliert und liebevoll gestaltet, wenn man sich die Zwischensequenzen, Figuren und einige Details betrachtet. Allerdings trifft das Ganze auf leicht verwaschene Oberflächen, die manchmal hätten schöner dargestellt werden können. Im rechten Licht und Blickwinkel kommt ihre Schönheit jedoch wieder zum Tragen, und so kann man von einer gelungenen, modernen Grafik sprechen, die nur an einigen, großen stellen verbesserungswürdig ist.

Besonders der Sound kann jedoch überzeugen. Der Soundtrack sorgt für eine dezente Hintergrundbeschallung, die jedoch auch mit einem ordentlichen Bumbs, wenn es in den Überlebensmodus geht, überzeugen kann. Das Beste ist jedoch die deutsche Synchronisation, denn Nora Tschirner, als Laras Stimme, haucht ihr glaubwürdig Leben ein. Man merkt in jeder Situation, dass die Schauspielerin sich mit ihr identifiziert und sich in sie hineinversetzen konnte. Hier können sich andere Entwickler gerne eine Scheibe abschneiden, denn bei der Synchronisation bemängeln wir oft, die fade Sprache, wie zum Beispiel bei DMC.

Nicht immer allein
Im Übrigen kann Tomb Raider nun auch mit einem Mehrspielermodus punkten. So kämpft man in einer Gruppe gegen Sektenmitglieder oder muss einen Geretteten zu einer Art Sammelpunkt eskortieren. Wer also lieber mit Freunden spielt, kommt nun auch bei Tomb Raider in den Genuss.

Gibts auch Schwächen?
Obwohl in unseren Augen Tomb Raider nicht mehr viel mit den alten Spielen zu tun hat, sondern eher die weibliche Umsetzung von Uncharted darstellt, kann uns das Spiel überzeugen. Es gibt zwar einige Punkte, die man hätte noch besser machen können, besonders im Bereich „Logik“, aber hier sind es Kleinigkeiten, die wahrscheinlich nicht vielen Spielern auffallen. So nimmt Lara, sofern sie die Fähigkeit erlangt hat, beim Durchsuchen der Leichen, ihre alten Pfeile wieder mit. Nur schade, dass beim näheren Hinsehen, uns ist es bei den Wölfen am Anfang bewusst aufgefallen, die Pfeile auch nach dieser Aktion noch in dem Tier stecken. In einem anderen Fall klettert sie eine Leiter hoch und kommuniziert mit dem Funkgerät, ohne die Tasten zu drücken, worauf sonst penibel geachtet wurde.

In unserem Fall sind wir sogar auf einen kleinen Bug gestoßen, der uns einige Minuten geärgert hat. An einer Stelle muss eine hängende Lampe angezündet werden, die eine weitere anzündet, um ein Netz mit Strandgut anzuzünden. Nachdem wir jedoch den Fehler des Falsch-Schwingens gemacht haben, ließ sich die erste Lampe nicht wieder anzünden, und erst als wir versehentlich die zweite Lampe herangezogen hatten, mussten wir feststellen, dass die erste doch brannte, obwohl sie als aus angezeigt wurde. Allerdings ist das auch der einzige Bug, den wir gefunden haben.

Alles in allem
Alles in allem konnte uns das Spiel mit seinen rund 13 Stunden Spielzeit trotz kleiner Anmerkungen überzeugen, und ein gutes Gefühl hinterlassen hat. Obwohl oder vielleicht auch weil es neue Wege einschlägt, kann es punkten, denn Lara wirkt zum ersten Mal, abgesehen von ihrem Schießtalent, authentisch. Zudem sind wir große Fans der Uncharted-Reihe. Trotzdem würden wir uns bei einer Fortsetzung über ein Mehr an Rätseln freuen, denn Lara ist eine Entdeckerin, die Nahrung braucht.


Gameplay: 10 von 10 Sternen
Steuerung: 10 von 10 Sternen
Grafik: 9 von 10 Sternen
Sound: 10 von 10 Sternen
Multiplayer: 9 von 10 Sternen

GESAMT: 96%  

ProContra
Detaillierte Grafikgrößere Flächen wirken je nach Lichtverhältnis matschig
toller Sound, authentische Synchronisationkleinere Bugs
viele Waffen und EntwicklungsmöglichkeitenSchüchterne Lara von Anfang an Perfekt im Umgang mit Waffen
13 Stunden toller Spielspaß a lá Unchartedwenig Rätsel, wie sonst bei Tomb Raider
Große Insel, auf der man sich frei bewegen kannManchmal kleine Logikschwäschen
Bezaubernde und spannende Story

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