Magdalena 24h / Magdalena Nirva

Tiefe Einblicke ...

das ist bei dem Titel schon klar. Als mich die Autorin fragte, ob ich ihr Werk rezensieren möchte, war ich schon neugierig. Für mich wäre das keine Tätigkeit, aber die Welt fasziniert natürlich trotzdem. Ebenfalls neugierig geworden, dann mal schauen, ob das Buch was für euch ist.



FAKTEN ZUM BUCH 
Autor: Magdalena Nirva
Titel: Magdalena 24h
Taschenbuch: 379 Seiten
Verlag: Independently published (28. Juli 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1521865701
ISBN-13: 978-1521865705
Preis: € 13,90
Genre: Biographie, Prostitution
Gelesen in: Tagen

WORUM GEHT ES IN DEM BUCH  
Magdalena wächst in schwierigen Verhältnissen auf. Geld kennt sie nur in absoluter Knappheit. Zusammen mit ihrer Mutter wohnt sie in einer 1 Zimmer Wohnung, muss viele Stunden zur Schule laufen und Essen gibt es auch nur wenig. Ihre einzige Abwechslung im Alltag ist die Freude am Sex. Ihr erster Freund ist deutlich älter, verheiratet und bringt sie sogar zur Abtreibung. Später heiratet sie einen Bad Boy von der Straße mit türkischen Wurzeln. Mit ihm bekommt sie ihren Sohn, merkt jedoch bald, dass ihr Mann sie nur kontrollieren will. Sie lässt sich scheiden und fängt noch einmal von vorne an. Doch noch immer ist das Geld knapp und als ihr klar wird, dass sie für Sex Geld bekommen kann, überlegt sie es sich. Erst mit Eagle lässt sie sich richtig auf das Geschäft ein. Sie verdient erst in Bulgarien und später in Österreich und Deutschland ihr Geld mit Sex. 24 Stunden am Tag steht sie zur Verfügung und was sie dort erlebt, schreibt sie in dieser Biographie. 

SARAHS LESEEINDRÜCKE 
Warum geht eine Frau anschaffen? Manche sind blind vor Liebe, andere wollen das schnelle Geld. Man gehe nur einmal in Hamburg über die Reeperbahn bzw. durch die Seitenstraßen. So viele Frauen, so viele Schicksale und so viel Angst, Geld zu verlieren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich auf den Weg zum Hafengeburtstag war und mich mit einem Freund auf dem Kiez verabredet hatte, da man dort halbwegs dicht parken konnte. 18.00 ich stand da an einer Ecke und es dauerte keine 10 Minuten bevor man angesprochen wurde. Nicht nur für Sex, sondern keine fünf Minuten später von einer Prostituierten und kurz darauf von ihrem Zuhälter, die damit ein Problem hatten, dass ich dort wartete. Sogar mein Kumpel wurde von mir weggezerrt, weil sie dachten, ich würde mit ihm weggehen. So kann es laufen. Damals stellte ich mir die Frage, wie man als Frau nur auf eine solche Idee kommen könnte. 

Magdalena schildert am Anfang abwechselnd über ihre Arbeit in Österreich und ihren Werdegang in Bulgarien. Später verschmilzt es zu einem Erzähl-Strang, ehe sie nach Deutschland reisen muss. Magdalena versucht den Leser an ihrem Alltag teilhaben zu lassen. Es sind lustige, traurige und manchmal sogar nette Anekdoten, die sie als Prostituierte so erlebt. Gekonnt zusammengestellt, sodass es nicht langweilig wird, obwohl es sich im Grunde immer um das gleiche handelt. Geldkassieren, Extras herausholen, Kundenwünsche herausfinden, lecken, blasen, Sex, reinigen und zum nächsten Kunden. Aus dem Grund widmet sie sich nicht sonderlich viel dem Akt selbst. Leser die sich erotische Einblicke mit viel prickelnder Erotik erhoffen, um sich daran aufzugeilen, werden diese in diesem Buch nicht finden. Es ist viel mehr eine aufklärende Lektüre, die den Alltag zeigt. Hier empfiehlt es sich jedoch zwischen den Zeilen zu lesen. Das liegt zum einen daran, dass Magdalena vieles sehr schön redet und vor allen Dingen in der Regel ihren Spaß daran hat. Zumindest behauptet sie es. Liest man jedoch zwischen den Zeilen, dann wird schnell klar, dass es keine Goldgrube ist, es einfach belastend ist und nicht jeder Kunde ein Adonis ist. Verheiratete Männer, Unsauberkeit und unmögliche Fantasien sind nur drei dieser Dinge.

Auf der anderen Seite sollte jedoch auch zwischen den Zeilen gelesen werden, denn in meinen Augen übertreibt die Autorin leicht. Es sind Kleinigkeiten, die dem Buch nicht schaden und versuchen es interessanter zu machen. Zum Beispiel geht sie auf einen Kunden ein, einen prominenten Kunden, der anatomisch sehr gut bestückt ist. XXL ist mir bekannt, zumindest in der Länge und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Jedoch eine Bestückung mit einem Durchmesser einer Weinflasche, wo nur mit zwei Händen herum gefasst werden kann. Man stelle sich einmal die nötige Blutmenge vor, die dann das Gehirn unterversorgen würde. ;) Genauso ist es mit den Fakten über das Geld. Da variieren die Gewinne auch ganz schön. Mal ist die Rede von über Summen über 10.000€, die sie mit ihrem "Zuhälter" teilt, dann heißt es später, dass sie oft nur 6.000€ verdient. 

Ob wirklich jeder Kunde eine Prostituierte lecken will? Zumal auch so, wenn auch in sehr geringer Prozentzahl das HIV-Virus übertragen werden kann. Blasen meist mit Gummi, Sex nie ohne, aber da ... 

Ob und inwiefern übertrieben wurde, kann ich aber als Laie einfach nicht ehrlich beurteilen, deswegen sind das nur meine Eindrücke. Es ist jedoch interessant, einmal in den Alltag einer osteuropäischen Dame zu blicken, die mit der natürlichsten Sache der Welt Geld verdient. 

Kommen wir aber nun von persönlichen Empfindungen noch einmal zum Allgemeinen zurück. Das Cover passt in meinen Augen sehr gut und stellt vielleicht in der Tat die Autorin dar. Wer kann das schon sagen.

Auch der Stil ist sehr angenehm zu lesen. Man kann eintauchen in die Geschichte, findet zwar viele Wortwiederholungen gerade im Bereich der gekauften Stunde(n), aber für ein Debüt auf jeden Fall angenehm zu lesen. Zumal sie in dem Buch selbst noch kaum Deutsch spricht. Trotzdem muss ich auch fairerweise sagen, dass das Buch sich manchmal auch eher wie eine Statistik liest, also oft nicht den Spannungsbogen einhält, den es haben könnte. Emotionen wirken recht blass und das ist schade. Hier wäre definitiv noch Potential zum Ausbauen.

Zurück bleibt die Fragen, ob sie den Absprung geschafft hat, wie viele Jahre der Inhalt zurück liegt, denn ehrlich gesagt spricht die Autorin auch privat in ihren Mails perfektes deutsch (Eine Freundin, die nun ungefähr 9-10 Jahre in Deutschland ist, spricht trotz Sprach-Abitur nicht so gut deutsch). Außerdem bleibt auch die Frage nach dem Sohn offen, denn mir als Mutter würde es das Herz zerreißen mein Kind nicht bei mir zu haben. Das heißt -  Es schreit nach einer Fortsetzung mit Antworten.

FAZIT Interessant, nicht niveaulos, faszinierende und teilweise recht lustige Einblicke. 

COVERGESTALTUNG💜💜💜
ORIGINALITÄT DES INHALTS       💜💜💜💜
SCHREIBSTIL💜💜💜💜
UMSETZUNG DER FIGURENUnwichtig
SPANNUNG UND TEMPOUnwichtig
HUMOR💜💜💜💜
ROMANTIKUnwichtig   
GESAMT💙💙💙💙