The Institution - Helen Fields

 Rezension - The Institution 

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Fötusraub
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Genre: Thriller 



Fakten zum Buch 

Autor/in: Helen Fields
Verlag: dtv
Erschienen: 2023
Dauer: 14:39
Sprecher: Michaela Gaertner
Format: Hörbuch

Worum geht es in dem Buch 

Dr. Connie Woolwine wird in ein abgelegenes Hochsicherheitsgefängnis für psychisch Kranke Serientäter gerufen. Sie soll Undercover den Fötusraub an einer Krankenschwester innerhalb der Mauern aufklären. Jeder ist verdächtig, deshalb wird sie zusammen mit einem Kollegen eingeschleust. Er als Patient, sie als seine Ärztin. Connie fängt an zu ermitteln und kommt schnell hinter den Ablauf, aber den Täter kann sie einfach nicht finden. Der Wettlauf gegen die Zeit wird immer enger, als plötzlich ihr Handy verschwindet, eine weitere Leiche auftaucht und sich ihre PTBS meldet. Kann sie unter den Vorraussetzungen überhaupt das Baby finden?

Meine Leseeindrücke  


Ich habe The Institution als Hörbuch gehört und fühlte mich sofort in der Geschichte gefangen. Ein brutaler Fötusraub bis ins Detail beschrieben. Nichts für schwache Mägen. Dazu das Setting eines Hochsicherheitsgefängnisses in Form einer Psychiatrie. Definitiv spannende Voraussetzungen, denn nicht nur die Insassen können die Tat begangen haben, sondern auch jeder Mitarbeiter. Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. 

Das Buch beginnt definitiv spannend und bleibt dann auf einmal stehen. Da ist ein Baby verschwunden, Connie muss vorsichtig sein, aber ich hatte das Gefühl, dass die Ermittlungen gar nicht stattfanden. Sie geht mit jedem Mitarbeiter auf Tuchfühlung, führt lange Therapiesitzungen mit den Insassen der verdächtigen Station. Einerseits fand ich die Geschichten der Insassen genial. Der Professor, der seine Schüler ermordet. Oder der kleine Junge, der seine Babysitterin beim Sex sieht. Spannend und jeder Fall ist genial - keine Frage. Ich wollte mehr, aber gleichzeitig hatte ich das Baby im Kopf. Außer die Erwähnung tat sich diesbezüglich aber wenig. Lange Zeit hatte ich nicht das Gefühl, dass nach dem Baby effektiv gesucht wird. 

Und dann tat sich auf einmal viel. Sehr konstruiert und zum Teil echt nervig. Kann ab hier Spoiler enthalten. Plötzlich wird sie stark getriggert, entwickelt auf Grund ihrer eigenen Zeit in der Psychiatrie einen PTBS Schub, der, wenn er gewollt, auch cool, gewesen wäre. Gleitzeitig fallen Dinge auf, die vorher schon vorhanden waren, aber ihr nie auffielen. Wie realistisch ist es, dass man vorher keinen leichten Windzug von dem Schrank aufs bemerkt und erst als es wichtig ist, fällt er auf. Ich meine vorab beschäftigt man sich doch mit dem Gebäude und solche Dinge wie Aufzug oder versteckte Gänge müssten doch theoretisch in den baulichen Unterlagen erkennbar sein. Oder das Baby, was man vorher im Keller nie wahrnimmt, aber über diesen einen Gang hört sie es direkt. Für mich war es einfach zu konstruiert. 

Trotz dieser Konstruktion fand ich es spannend. Obwohl ich mich ständig über Connie aufgeregt habe (mal war sie ein richtiges seelisches Wrack, das sich einnässt und dann wieder stark und  vorausschauend, was einfach nicht immer passte), wollte ich wissen, wer dahinter steckt. Gerade zum Schluss hat es ein rasantes, actionreiches und spannendes Tempo. Genau das, was ich mir vorher auch gewünscht hätte. 

Als die Auflösung kam, war ich einerseits positiv überrascht, wie auch genervt. Die Täter geben sich im Grunde freiwillig zu erkennen. Ein genialer Psychopath, der nicht länger seine Rolle spielen will und lieber prahlt, statt die Füße still zu halten, und somit Connie zu den Mittätern führt. Mittäter, die ich tatsächlich schon vorher auf dem Schirm hatte, was weitere Fragen aufwarf, wie schlecht Connie in ihrem Job ist. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass die Autorin kein Ende gefunden hat. Alles ist aufgelöst, ich denke es kommt noch ein Epilog, stattdessen wird die Mutter therapiert um nicht an gebrochenen Herzen zu sterben. 

Ich habe mir da echt mehr erhofft, gerade durch den zeitlichen Druck, hätte es vorne nicht so viele Längen geben dürfen. Die polizeiliche Arbeit und das Profiling kam einfach zu kurz. Das war für einen Thriller zu wenig. 

Fazit

Butter bei die Fische. Das Buch hat eine geniale Idee. Total spannend, nichts für schwache Mägen, ein Locked Room und jede Menge Serienmörder. Man hätte daraus so viel machen können. Zahlreiche Spuren, ein rasantes, actionreiches Tempo, aber stattdessen nehmen die echt guten Geschichten der Insassen viel Raum ein und dazwischen passiert herzlich wenig. Selbst nach Tagen des Wettlaufs ist Connie als berühmte Profilerin kein Stück weiter. Kein Wunder, dass das Buch sehr konstruiert, eben auch interessant aufgelöst wird. Täter, die ich tatsächlich schon vorher auf dem Schirm hatte, weil sie mir auffielen, aber wo ich mir nicht sicher war, da es auch andere, weniger offensichtliche Möglichkeiten gab. Für mich ein solider Thriller, mit Schwächen, aber durchaus interessant und lesbar. 


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Bewertung

Cover🩷🩷🩷🩷🩷
Grundidee🩷🩷🩷🩷🩷
Stil & Sprache🩷🩷🩷🩷🩷
Figuren🩷🩷🩷
Tempo🩷🩷🩷
Spannung🩷🩷🩷
Schluss🩷🩷🩷
Lesespaß🩷🩷🩷🩷
Spice-Faktor-
Gesamtwertung⭐️⭐️⭐️

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