10 Tipps und Tricks für die Teilnahme an einer Weinverkostung

Damit es kein peinlicher Abend wird ...

2004 - Damals absolvierte ich meine Ausbildung in der Systemgastronomie. Hinter dieser Ausbildung steckt so viel mehr, als nur Burger zu braten. In diesem Jahr stand zum Beispiel Wein auf dem Lehrplan. Wie kann man das Thema besser vermittelt bekommen, als auf einer Weinverkostung. Im ersten Moment klingt das nach jeder Menge Spaß, bei einem richtigen Verkostungsevent, ist jedoch einiges zu beachten, damit der Abend zum Highlight wird und nicht peinlich endet. Mit diesen zehn Tipps und Tricks aus der persönlichen Erfahrung von Weinprofis, möchte ich euch helfen, dass die erste Weinprobe für euch ein Genuss wird. 



1. DIE RICHTIGE KLEIDUNG
Kann ich nicht anziehen, was ich möchte? Natürlich, denn ihr sollt euch schließlich wohlfühlen. Trotzdem gibt es hier ein paar Dinge, die ihr beachten könnt. Einige Veranstalter habe eine Kleiderordnung, die vorab einsehbar ist. Ansonsten empfehle ich dunkle Farben zu tragen, um Verschüttetes besser zu verbergen. Kurze oder enganliegende Ärmel sind ebenfalls hilfreich, um nichts umzuwerfen. Hohe Schuhe sehen sexy aus, flach ist für einen langen Abend jedoch deutlich bequemer. Da in der Regel gerne Notizen gemacht werden, empfehle ich für das Notizbuch oder das Handy eine kleine Handtasche mitzunehmen, die sie sich locker umhängen können. So bleiben die Hände frei. 

2. VERZICHTE AUF PARFÜM
Klar, möchte man gut riechen, aber ein wichtiger Teil der Verkostung, ist der Geruch. Es ist unmöglich, alle Aromen eines vorzüglichen Rieslings oder vielschichten Cabernet Sauvignon wahrzunehmen, wenn der Duft des eigenen Parfüms, Aftershaves oder Bodylotion um die Nase herumweht. Das stört nicht nur die eigene Verkostung, sondern gleichermaßen die anderen Teilnehmer. Und die Frage: "Wer riecht denn hier so extrem?", ist sicherlich nicht in eurem Interesse. 

3. STELLE EINEN PLAN FÜR DIE VERKOSTUNG AUF
Bei den meisten Verkostungen wird es mehr als nur einen Wein geben. Manchmal sogar so viele, dass ihr gar nicht alle probieren könnt. Gibt es im Vorfeld eine Liste von Produzenten, solltet ihr einen kleinen Plan vorbereiten. 

Wenn ihr euch jetzt fragt, ob ich ihr euch nicht einfach so durchprobieren könnt, dann kann ich aus Erfahrung sagen: Nein. Es ist immer sinnvoll sich von leichten zu schweren Weinen durchzuarbeiten. Beginnt also mit Schaumweinen, dann frischen Weißweinen und erst zum Schluss sollten die tanninreichen Rotweine auf der Liste stehen. 

Dies ist ein allgemeiner Plan, der euch trotzdem hilft, dass der Abend zum Erfolg wird. Neben diesem Plan könnt ihr selbstverständlich noch weiter ins Detail gehen. Eine Übersicht der Weine einer bestimmten Region? Eine vergleichende Verkostung von nur einer Sorte, zum Beispiel Pinot Noir, aus verschiedenen Appellationen? Sucht euch die besten Weine aus dem Weinregal aus.

Tim Fish verfolgt zum Beispiel bei der New York Wine Experience die Ziele: Die Klassiker probieren und das Unbekannte Erkunden. Das ist ebenfalls eine gute Möglichkeit.
Wichtig ist bei einer so großen Veranstaltung, die großen Namen zuerst auf die Liste zu setzen, denn sonst bilden sich nach kurzer Zeit große Menschentrauben. Wart ihr jedoch dort schon, könnt ihr euch danach in aller Ruhe neuen Entdeckungen widmen. 

James Moleworth rät zu einer gewissen Spontanität. Trotz einer guten Liste von Winzern gibt es vor Ort immer wieder Stände, die einen ins Auge stechen. Schaut also, während ihr zum Beispiel einen Château Haut-Brion genießt, die Nachbarstände an. Vielleicht entdeckt ihr so eine wahre Perle, die euch sonst entgangen wäre - euren nächsten Lieblingswein. 

Auf die Liste gehören übrigens nicht nur Weine, die ihr persönlich mögt oder entdecken wollt. Um Weine und den eigenen Geschmack besser zu verstehen, ist es wichtig, die Weinsorten zu kennen. Vor allen Dingen auch Weinsorten, die andere Menschen inspirieren. Diesen Tipp gibt zum Beispiel James Laube. Er schließt den Abend gerne mit einem Glas Champagner ab, den er als "perfekten Gaumenreiniger" bezeichnet. 

4. ESST ETWAS
Vor der Verkostung, sowie zwischendurch solltet ihr regelmäßig eine Kleinigkeit essen. Ich brauche euch nicht zu sagen, dass Wein auf leeren Magen schnell betrunken macht. In diesem Zustand fällt es schwer eine solche Veranstaltung zu genießen. Meistens gibt es zwischendurch Brot oder ähnliches, um gleichzeitig den Geschmackssinn auf einen neutralen Level zurückzuholen. Zwischen den Weinen ist auch Wasser unverzichtbar, denn es hilft hydriert zu bleiben. 

5. AUSSSPUCKEN
Ein guter Tropfen in Ehren, den kann niemand verwehren. Gerade, wenn es schmeckt, vergisst man oft die Regel den Wein auszuspucken. Auf der einen Seite verständlich, aber ihr dürft nicht vergessen, was noch vor euch liegt, und die Probiermengen summieren sich sehr schnell. In der Regel stehen an den Ständen überall Eimer oder Kübel, die dafür gedacht sind. Aus dem Grund empfehle ich weiblichen Besuchern einen Zopf oder eine Hochsteckfrisur, damit die Haare aus dem Weg sind.

Mir ist das aber peinlich! Ich bin sicher, dass der eine oder andere dies gerade gedacht hat. In diesem Fall solltet ihr jedoch daran denken, dass die Profis dies immer tun. Für die Mitarbeiter am Stand ist dies also nicht ungewöhnlich. Sie nehmen es dementsprechend auch nicht übel, wenn ihr einen Wein nicht zu Ende trinkt. Reste können ebenfalls in den Eimer gegossen werden. 

Wem das alles immer noch unangenehm ist, der kann zu Hause üben. Geht dabei dicht an den Eimer, spuckt nicht zu hart. Es sollte langsam, aber nicht übertrieben sein. Denkt immer daran, vor euch haben schon anderen diesen Eimer genutzt. Spuckt ihr zu hart, könnten euch Spritzer treffen. 

6. NOTIZEN
Im ersten Moment erinnert man sich genau. Doch wie sieht es aus, wenn ihr zu Hause seid? Genau aus diesem Grund ist es immer sinnvoll, sich Notizen zu machen. Manchmal reicht ein Foto von dem Stand oder von dem Wein. Sollte es genauer sein, probiert es mit einfachen Plus und Minuszeichen, die ihr mit kleinen Stichpunkten verseht. Meist helfen genau diese Stichpunkte sich wieder zu erinnern.

7. ROTWEIN-ZAHN-DILEMMA
Rotwein färbt bekanntlich. Wird davon viel getrunken, können die Zähne darunter leiden. Nicht nur der Zahnschmelz wird angegriffen. Gleichzeitig kann es passieren, dass ein violett gefärbtes Grinsen entsteht. Ich persönlich empfehle daher immer regelmäßig Wasser zu trinken und das eine oder andere Kaugummi in der Tasche zu haben. Diesen Tipp gibt übrigens auch der Experte Laube. 

8.  FRAGESTUNDE
So ein Abend kann noch mehr Spaß machen, wenn man Kontakte knüpft, Fragen stellt und mehr über den Wein erfährt. Mit manchen Hintergrundwissen könnt ihr später übrigens bei euren Freunden oder im Restaurant bei einem Date punkten. Man weiß nie, wo die Informationen, die ihr vom Winzer aus erster Hand bekommt, später einmal nützlich sind. Vielleicht sogar bei eurer nächsten Beförderung ;)

9. NIEMALS BLOCKIEREN
Ihr habt Fragen, wollt probieren oder in der Nähe des Spuckeimers sein. Andere jedoch auch. Das dürft ihr niemals vergessen. Nehmt also euer Glas, stellt euch etwas an den Rand, um ein Gedränge zu vermeiden. Abseits könnt ihr euch auch besser auf eure Sinne oder ein Gespräch mit dem Winzer konzentrieren. 

10. HAB SPAß
Der wohl wichtigste Punkt - hab einfach Spaß. Es ist schließlich kein Steuerseminar, keine Hochzeit, kein Geschäftsessen oder ähnliches. Beachtet ihr die vorherigen Regeln, sollte es kein Problem sein, viel zu erfahren und euch trotzdem zu amüsieren. Vielleicht findet ihr ja ein paar schätze für euer privates Weinregal




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